Thews zum Nahles-Rücktritt: „Brauchen keine Manöver, brauchen inhaltliche Diskussionen“

dzSPD im Bundestag

Diese Nachricht hat im politischen Berlin für Aufregung gesorgt: SPD-Chefin Andrea Nahles tritt zurück. Für Lünen sitzt Michael Thews im Bundestag. Er hat Verständnis - und äußert Kritik.

Lünen

, 02.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Erst hatte SPD-Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles noch vorgezogene Neuwahlen zum Fraktionsvorsitz anberaumt, am Sonntag kündigte sie dann direkt ihren Rücktritt von allen Ämtern an. Auch ihren Bundestagsmandat wolle sie niederlegen, bestätigte eine Fraktionssprecherin.

SPD-Bundestagsmitglied Michael Thews sitzt für Lünen, Hamm, Selm und Werne in Berlin. Ihn hatte schon die vorgezogene Neuwahl geärgert. „Der Parteivorstand hat eine vernünftige Entscheidung getroffen, dass es nämlich keine personelle Diskussion geben soll“, sagte Thews am Sonntagmittag auf Anfrage. „Und drei Stunden später kündigt Andrea Nahles eine Sondersitzung und vorgezogene Neuwahlen an.“

Eine „Medienjagd“ auf Andrea Nahles

Solche „Manöver“ brauche die SPD derzeit nicht, „wir brauchen inhaltliche Diskussionen und eine inhaltliche Neuausrichtung in einigen Dingen. Vorgezogene Neuwahlen waren nicht nötig“.

Seit der Europawahl, mit auch in Lünen schlechten Ergebnissen für die Sozialdemokraten, habe eine „Medienjagd“ auf Andrea Nahles begonnen, „da hat der ein oder andere aus meiner Partei auch Äußerungen gemacht, die ich so nicht tragen kann. Das wird bei Andrea Nahles seine Folgen gehabt haben“, so Thews.

Er selbst habe „allen Respekt davor, dass sie jetzt klar sagt: ,Ich mache den Sitz frei‘“, sagt Thews, das müsse man respektieren.

Thews selbst reist schon am Sonntagabend wieder nach Berlin, wo Montag die ersten Termine und Dienstagnachmittag eine Fraktionssitzung anstehen. An Spekulationen über den Nachfolger oder die Nachfolgerin im Fraktionsvorsitz wolle er sich nicht beteiligen, sagt Thews. Das gleiche gelte für die vakante Stelle an der Parteispitze. „Bisher haben sich nur die gemeldet, die es nicht machen wollen“, so Thews. Womöglich würden Fraktion und Partei jetzt erst einmal kommissarisch geführt.

„Kühnert trägt auch Verantwortung“

Ob nicht mal jüngere Sozialdemokraten wie Juso-Chef Kevin Kühnert Verantwortung übertragen bekommen sollen? „Kühnert ist ein Talent und hat meinen Respekt“, sagt Thews, „aber auch er ist Mitglied des Parteivorstands und trägt Verantwortung an dem, was passiert ist.“ Im übrigen habe sich die SPD-Fraktion in den vergangenen Legislaturperioden schon verjüngt.

Wer auch immer Partei und Fraktion künftig führt, er oder sie müsse die Themen aus dem Umweltbereich stärker im Fokus haben. Thews ist stellvertretender Vorsitzender des Umweltausschusses im Bundestag. „Wir haben da viel erreicht, etwa beim Verpackungsgesetz oder beim Elektro- und Elektronikgerätegesetz. Ich hätte mir gewünscht, dass das mehr kommuniziert wird.“

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