Eichenprozessionsspinner: Schädlingsbekämpfer stellen überzogene Rechnung aus

dzGefährliche Raupen

Wer Eichenprozessionsspinner im Garten entdeckt, will sie weghaben. Daraus haben findige Geschäftemacher jetzt eine lukrative Einkommensquelle ersonnen. Sie machen Geschäfte mit Notdiensten.

Lünen, Werne, Selm

, 20.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Ärger mit Schlüsseldiensten oder findigen Handwerkern, die ihre Dienste vor Ort anbieten, sind seit Jahren bekannt. Seit diesem Jahr gibt es eine weitere Masche, bei der Geschäftemacher Notsituationen ausnutzen und hohe Rechnungen stellen.

Auf solch einen Schädlingsbekämpfer ist auch eine Lünerin reingefallen.

Erna Witte (Name geändert) hat einen schönen Garten, in dem auch Eichen stehen. Als sie ein Nest der Raupen des Eichenprozessionsspinners entdeckte, war guter Rat teuer.

Nur eins wusste die Lünerin: „Die Härchen der Raupe sind gefährlich, das Nest muss weg.“ Schnell schaute sie in die „Gelben Seiten“ und fand einen Schädlingsbekämpfer mit einer 0800er-Telefonnummer.

Das Telefonat war gratis, das böse Erwachen sollte noch kommen. Erna Witte war nur wichtig, dass das Nest der Raupen schnell entfernt wurde. Sie fragte nicht nach, woher denn der Schädlingsbekämpfer überhaupt kommt und auch nicht nach den Kosten.

Hohe Rechnung nicht nachzuvollziehen

Mitarbeiter der Firma kamen in Erna Wittes Garten, entfernten das Nest und präsentierten dann die Rechnung. Die Lünerin glaubte ihren Augen nicht zu trauen. 556,80 Euro standen auf dem Zettel.

Wie sich die Summe zusammen stellte, war nicht richtig nachzuvollziehen. Erna Witte sollte zahlen. Sofort - mit Scheckkarte, denn so viel Bargeld hatte sie nicht im Hause.

Darauf waren die Firmenmitarbeiter eingestellt. Sie hatten das entsprechende Lesegerät mit dabei. Erna Witte war so verunsichert, dass sie zahlte.

Eichenprozessionsspinner: Schädlingsbekämpfer stellen überzogene Rechnung aus

Angret Westermann mit der hohen Rechnung für die Entfernung eines Raupennests. © Rottgardt

„Leider stehen in den Gelben Seiten die Firmen immer ganz vorne, bei denen nicht klar ist, woher sie kommen“, so Angret Westermann von der Lüner Verbraucherberatung. An sie wandte sich Erna Witte mit der Rechnung. In der Hoffnung, ihr Geld wieder zu bekommen, zumindest zum Teil. Sie sei ja bereit, für die Nestentfernung zu zahlen. Aber soviel?

„Am besten ist es, beim Telefonat sofort zu klären, wo die Firma ihren Sitz hat und dann einen am Ort ansässigen Schädlingsbekämpfer zu nehmen“, rät Angret Westermann. So spart man sich auf jeden Fall schon mal hohe Anfahrtskosten.

Man kann sich auch auf der Internetseite der Firma im Impressum informieren, wo sie ihren Sitz hat.

Mitarbeiter bedrängten Kundin, damit sie zahlt

Das hat Erna Witte leider nicht getan. Sie wollte so schnell wie möglich die Eichenprozessionsspinner aus ihrem Garten los werden. Natürlich kam ihr die Rechnung dann auch überhöht vor, aber die Mitarbeiter bedrängten die Lünerin so, dass sie schließlich doch die EC-Karte zückte und zahlte.

„Wenn einem die Rechnung zu hoch erscheint und die Mitarbeiter einen bedrängen, kann man auch die Polizei holen“, so Angret Westermann.

Auf jeden Fall sollte man bei so hohen Rechnungen nie die ganze Summe vor Ort bezahlen, sondern nur einen Teil. „Man bekommt in den seltensten Fällen das Geld zurück“, weiß Angret Westermann aus Erfahrung mit anderen Firmen, beispielsweise Schlüsseldiensten.

Weil deren Mitarbeiter ganz genau wissen, dass sie vermutlich vom Kunden nicht die komplette Summe erhalten, wenn dieser erstmal das Ganze überprüft, drängen sie darauf, das Geld sofort zu kassieren.

Erna Witte wandte sich an die Verbraucherberatung. Allerdings kann ihr Angret Westermann nicht viel Hoffnung machen: „Geld von solchen Firmen zurückzufordern, hat fast keine Aussicht auf Erfolg.“

Wenn Wespennester am Haus entdeckt werden

Ähnliche Fälle gibt es auch, wenn Verbraucher Wespennester entfernen wollen. „Die Insekten sind geschützt, man muss erstmal vom Imker oder einem Schädlingsbekämpfer vor Ort prüfen lassen, ob man die Nester überhaupt entfernen darf“, so Angret Westermann.

Die Verbraucherberatung bietet Rat und Hilfe in der Beratungsstelle, Kirchstr. 12. Öffnungszeiten: Montag 9 bis 13 Uhr, 13.30 bis 17 Uhr, Mittwoch: 9 bis 13 Uhr, 14 bis 18 Uhr, Donnerstag 9 bis 13 Uhr, 13.30 bis 17 Uhr und Freitag 9 bis 13 Uhr.
Lesen Sie jetzt