Temperaturen bis 40 Grad: Das sollten die Lüner zur erwarteten Hitzewelle wissen

dzHitzewelle steht an

Krankenhäuser stellen sich auf die Hitze ein, Schüler dürfen eher nach Hause, Dachdecker starten früher, der Getränkeumsatz steigt: Wir blicken auf die heiße Woche in Lünen und geben Tipps.

Lünen

, 24.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel: Wenn es heiß wird, kommen mehr Patienten ins St.-Marien.-Hospital. Vielfach mit Symptomen von Austrocknung, wie Geschäftsführer Axel Weinand auf Anfrage mitteilt. Das Krankenhaus stelle sich mit Elektrolyt-Infusionen darauf ein.

Zudem gebe es Getränkespender auf den Stationen. Die Stationen würden über eine spezielle Lüftungstechnik mit gekühlter Luft versorgt. Auf der Intensivstation, wo lebensnotwendige Geräte zusätzlich Wärme erzeugten, reiche das allerdings nicht aus. „Das ist der einzige Bereich, den wir mit Klimageräten ausstatten“, so Weinand.

Durch Scherben mehr Fußverletzungen

In der Notaufnahme wird mit mehr Fußverletzungen gerechnet. „Bei heißem Wetter kommen gehäuft Patienten mit Schnittwunden.“ Sie würden beim Baden in Scherben treten.

Auch die Klinik am Park in Lünen-Brambauer hält vermehrt Infusionen bei Austrocknungserscheinungen vor. Kliniksprecher Klaus-Peter Wolter teilte auf Anfrage mit, dass an den Standorten des Klinikums Westfalen in Kältetechnik investiert werde. Klimageräte gebe es in den intensivmedizinischen Fachbereichen. Die Pflegekräfte würden auf ausreichend Flüssigkeit bei den Patienten achten. Bei Bedarf gebe es auch Erfrischungstücher.

Körperliche Anstrengungen meiden

Gerade für Patienten mit bestehenden Herz- und Kreislauferkrankungen gebe es ein erhöhtes Risiko, warnt Markus Hildebrand, Leitender Oberarzt in der Klinik für Pneumologie, Gastroenterologie, Kardiologie und Intensivmedizin an der Klinik am Park. Diese sollten Hitze und körperliche Anstrengung meiden und für ausreichend Flüssigkeit sorgen.

Bei Menschen mit Herzschwäche müsse aber die Balance gewahrt werden, bei diesen könne eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr auch schädlich sein. Im Zweifel sei eine Abstimmung mit dem behandelnden Arzt ganz wichtig.

Auf Kopfbedeckung achten

Hildebrand rät, die Haut und auch den Kopf gut zu bedecken. Dies müsse für Kinder intensiv beachtet werden.

So hat sich die Hitze 2018 auf den Wasserverbrauch ausgewirkt

Wenn es warm wird, verbrauchen die Lüner Haushalte mehr Wasser. Eindrücklich zeigen das die Daten aus dem sehr trockenen und vielfach heißen Jahr 2018. „Der Wasserverbrauch entwickelte sich analog der Außentemperatur, was die Linien gut verdeutlichen, wenn man sie übereinanderlegt“, schreibt dazu Jasmin Teuteberg, Pressesprecherin der Stadtwerke. Das sieht dann so aus:

Die gelbe Linie zeigt den Temperaturverlauf, die rote den Wasserverbrauch. Probleme bei der Wasserversorgung habe es laut Teuteberg auch 2018 nicht gegeben. „Eine ausreichende Wasserversorgung war zu jederzeit voll gewährleistet.“

Mit den Temperaturen steigt auch der Getränkeverbrauch: „Im April hatten wir noch 15 Prozent weniger Umsatz, als letztes Jahr, weil es weniger warm war“, berichtet Getränkelieferant Jochen Gefromm. Inzwischen sei man aber wieder auf Vorjahresniveau. „Die Sonne ist der beste Verkäufer des Getränkehändlers.“ Der Effekt setzte allerdings erst mit etwa acht Tagen Verzögerung ein.

Dachdecker trifft es besonders hart

Richtig hart trifft die Hitze Lünens Dachdecker: „Bei 38 oder 40 Grad ist an normales Arbeiten nicht mehr zu denken. Da werden die Werkzeuge und Materialien teilweise so heiß, dass man sie nicht mehr anfassen kann.“ Das sagte Manfred Löhr, Chef des Dachdeckerbetriebes A. Löhr GmbH & Co. KG in Gahmen, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Für den Bedachungs-Betrieb arbeiten 12 Mitarbeiter. Normalerweise fangen die Beschäftigten morgens um sieben Uhr an. „Bei dieser Hitze legen die Mitarbeiter schon früher los, so gegen 5.30 Uhr.“ Wann sie mit der Arbeit aufhören, sei ihnen freigestellt. „Wenn es nicht mehr geht, geht es nicht mehr, die Gesundheit steht hier an erster Stelle“, so Manfred Löhr.

Terminschwierigkeiten gebe es erst dann, wenn die Hitzewelle längere Zeit andauere und deswegen nicht gearbeitet werden könne. „Bisher hat es immer gereicht, ausgefallene Stunden an Samstagen nachzuholen“, erklärte Löhr weiter.

Schüler schwitzen weniger lang
Für viele Schüler gibt es hitzefrei. An der Leoschule beispielsweise ist Dienstag bis Donnerstag schon um 11.30 Uhr unterrichts- und sogar hausaufgabenfrei. „Wir haben das schon vergangene Woche angekündigt“, sagt Schulleiter Matthias Flechtner, „die Betreuung für Kinder berufstätiger Eltern ist bis Unterrichtsschluss gewährleistet.“

Der Betonplattenbau, in dem die Realschule Altlünen untergebracht ist, heizt sich besonders stark auf, weiß Schulleiter Hermann-Josef Wittmann. „Unser grünes Klassenzimmer im Freien wird wohl die kommenden Tage ununterbrochen belegt sein.“ Hier endet am Dienstag und Mittwoch der Unterricht um 11.45 Uhr.

Auch an der Käthe-Kolwitz-Gesamtschule gibt es bis Mittwoch hitzefrei. Hier endet der Unterricht für die unteren Klassen um 13 Uhr. Nur die Oberstufenschüler müssen nach Stundenplan schwitzen. „Wir gestatten zusätzliche Trinkpausen und suchen schattige Plätze im Freien und Räume, die auf der sonnenabgewandten Seite liegen“, berichtet Schulleiter Reinold Bauhus.

Veranstaltungen fallen wegen der Hitze aus

Die Arbeiterwohlfahrt Lünen-Nord weist darauf hin, dass die für diese Woche geplanten Veranstaltungen in der Seniorenbegegnungsstätte „Zur gemütlichen Schranke“ im Hauptbahnhof ausfallen. Die Räume im Hauptbahnhof, so die Vorsitzende Vera Kestermann-Kuschke, seien nicht klimatisiert. „Da wird es bei hochsommerlichen Temperaturen sehr warm“, so die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr. Sowohl das Kaffeekränzchen am Mittwoch, 26. Juni, als auch der für Donnerstag, 27. Juni, geplante Bingo-Nachmittag fallen aus.
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