Im Tunnel Stadttorstraße ist der Bürgersteig mit Taubendreck übersät. Stacheln, die das Nisten der Tiere verhindern sollen, haben sich als wirkungslos erwiesen. © Quiring-Lategahn
Innenstadt

Taubenplage in Lüner City: Stacheln wirkungslos, Stadt setzt auf Strom

Über massiven Taubendreck im Tunnel Stadttorstraße ärgert sich Ferdinand von Pfeffer. Man müsse aufpassen, nicht darauf auszurutschen. Weil Stacheln nicht helfen, will die Stadt Strom nutzen.

Seit über 50 Jahren wohnt Ferdinand von Pfeffer in Lünen. Der Stadt fühlt er sich verbunden. Doch was sich an der Nordseite des Tunnels Stadttorstraße abspielt, sei für Lünen „eine Schande“. Jede Menge Taubendreck liegt auf dem Bürgersteig. Wer den Weg Richtung Hansesaal wählt, muss vorsichtig gehen, damit er nicht ausrutscht.

Dass die Tauben gerade die Nordseite des Tunnels bevorzugen, ist deutlich zu beobachten. Von Pfeffer vermutet, dass sie in den Nestern dort geboren wurden, immer wieder dahin zurückkehren und sich dann auf dem Boden aufhalten. Schon länger ist ihm jedenfalls aufgefallen, dass die von der Stadt als Taubenhindernis montierten Stacheln wirkungslos sind.

Benedikt Spangardt, Pressesprecher der Stadt Lünen, bestätigt auf Anfrage der Redaktion, dass die erst vor einem halben Jahr angebrachten Stacheln nicht den gewünschten Erfolg gebracht hätten. Sie sollten eigentlich ein Nisten der Tauben verhindern. Doch die Tiere füllten den Raum zwischen den Stacheln mit Nistmaterial auf und bauten dann dort ihr Nest.

Reinigung mit heißem Wasser

Regelmäßig würde der Boden im Tunnel mit einem leistungsstarken Heißwassergerät gereinigt. Die Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) hätten dafür von der Stadt einen „Funktionalauftrag“. Was bedeute, dass WBL dort nach Ermessen regelmäßig reinige. Ferdinand von Pfeffers Hinweis auf den verschmutzten Boden habe die Stadt jetzt an WBL weitergeleitet.

Doch Reinigung löst das grundsätzliche Problem von Tauben in der Lüner Innenstadt nicht. Auch die Lippebrücke an der Lange Straße/Münsterstraße hat sich zum Hotspot der Tauben entwickelt. Auf dem Brückenbogen und dem angrenzenden Hausdach lassen sie sich in Scharen nieder. Wie die Stadt mitteilt, arbeite sie an einer langfristigen Strategie, um die Verschmutzung durch Tauben zu reduzieren. Weil Stacheln wirkungslos blieben, setze sie sich mit anderen Varianten auseinander, „die insgesamt deutlich teurer sind.“

Spangardt nennt als Möglichkeit Stromdrähte oder fest installierte Gitter, die speziell an die Konstruktion der Brücke angepasst werden müssten. Er spricht in diesem Zusammenhang von möglichen Kosten in Höhe von 40.000 Euro pro Brücke.

Stromdrähte und Gitter

Im Sommer sind Arbeiten an der Lippebrücke geplant. Kleinere Umgestaltungen und ein neuer Korrosionsschutz stehen an. Spangardt kündigte an, dass die Stadt dann den oberen Teil des Brückenbogens mit Stromdrähten versehen wolle, „natürlich so, dass Passantinnen und Passanten sich nicht verletzten können.“ Gitter an den Widerlagern der Brücke sollen es den Tauben zusätzlich ungemütlich machen.

Das weitere Vorgehen gegen Verschmutzung von Tauben auch an anderen Stellen im Stadtgebiet werde derzeit von der Stadt geprüft. In die Planung sollen auch Erfahrungen einfließen, die mit den Maßnahmen an der Lippebrücke gesammelt würden.

Bußgeld bis zu 1000 Euro

Grundsätzlich, so Spangardt, sei das Füttern von wildlebenden Tauben, Enten und Schwänen in Lünen nicht erlaubt. Er verweist auf die „Ordnungsbehördliche Verordnung der Stadt Lünen über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der Stadt Lünen“. Wer dagegen verstößt, begehe eine Ordnungswidrigkeit. Ein Bußgeld richte sich nach dem Einzelfall und könne bis zu 1000 Euro betragen.

„Darüber hinaus ist Fütterungsverzicht nach Ansicht von Fachleuten die weitaus beste Methode, das ökologische Gleichgewicht zu erhalten und den Tauben zu einem artgerechten Leben zu verhelfen“, so Spangardt. Die bisweilen geäußerte Befürchtung, ein Fütterungsstop könne zum Verhungern der Tauben führen, sei laut Experten biologisch nicht haltbar.

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Redaktion Lünen
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Magdalene Quiring-Lategahn

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