Trotz lukrativer Tiere: Taubensport hat Nachwuchsprobleme

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Die Tradition der Taubenzucht im Ruhrgebiet stirbt langsam aus. Doch noch immer gewinnen Lüner Brieftauben überregionale Wettbewerbe. Gute Brieftauben können mehrere tausend Euro Wert sein.

Lünen

, 06.09.2020, 09:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Früher, als noch Kohle in Lünen gefördert wurde, gab es etwa 600 Taubenzüchter in Lünen - jetzt sind es nur noch rund 30. „Die Taubenzucht ist dem Bergmann sein Hobby“, findet Fredi Bartsch (74), ehemaliger Bergmann, Bewohner einer Zechensiedlung und seit je her leidenschaftlicher Brieftaubenzüchter.

Des Bergmanns Hobby verschwindet

Schon in seiner Jugend interessierte er sich für die Tiere. Früher, erinnert er sich, war der Sport anerkannt. Alleine in seiner Siedlung gab es zehn Taubenzüchter - heute sind es nur noch zwei.

Mit dem Bergbau verabschiedete sich auch „des Bergmanns Hobby“ aus den Ruhrgebietsstädten. Doch auch heute noch sahnen Fredi Bartschs Tauben etliche Preise ab und sind weit über die Stadtgrenzen bekannt.

Fredi Bartsch (74) ist leidenschaftlicher Taubenzüchter. In seinem Taubenschlag leben rund 180 Brieftauben.

Fredi Bartsch (74) ist leidenschaftlicher Taubenzüchter. In seinem Taubenschlag leben rund 180 Brieftauben. © Goldstein

„Wenn du eine richtig erfolgreiche Taube hast, die Preise im Ruhrgebiet gewinnt, sind da die Chinesen hinterher. Bei denen ist der Taubensport richtig populär. Und die zahlen einige tausend Euro für eine ausgesprochen gute Taube.“

Bis zu 630 Kilometer weit müssen die Brieftauben in einem Wettkampf fliegen - und dann bis zu 80 km/h schnell. Betrachtet man als Laie Stadttauben, traut man den Tieren solche Leistungen eher weniger zu.

Schneller fliegen für die Liebe

Damit die Wettkampftauben sich beeilen, gibt es einen Trick: Ein Männchen wird mit einem Weibchen verkuppelt. Die beiden dürfen brüten, werden dann aber getrennt.

Kurz vor dem Wettkampf werden die beiden für zehn Minuten wieder zusammen gesetzt, schmusen und freuen sich - und dann wird einer von beiden zum Wettkampf gefahren. Der hat es dann mit Schmetterlingen im Bauch besonders eilig, zum Partner zurückzufliegen.

Dass sie hunderte Kilometer weit am Stück fliegen können und dabei immer den Weg nach Hause finden, trauen Laien den kleinen Tauben eher weniger zu.

Dass sie hunderte Kilometer weit am Stück fliegen können und dabei immer den Weg nach Hause finden, trauen Laien den kleinen Tauben eher weniger zu. © Goldstein

Fredi Bartsch kümmert sich in seinem Garten um rund 180 Tauben - die haben keine Namen, sondern nur Nummern. Auseinander halten kann er sie trotzdem. Bis zu 14 Jahre alt können Tauben werden - und so lange seien sie auch wettkampftauglich.

Die gurrenden Vögel verhalten sich natürlich nicht immer leise im Garten des Züchters. Beschwerden vonseiten der Nachbarn gab es jedoch noch nie. Anderen Taubenbesitzern erginge es da anders - die Geräuschbelästigung sei öfter ein Grund, sich von den Tieren zu verabschieden.

Probleme mit den Nachbarn, Probleme mit der Partnerin

“Wenn du keine tolerante Frau hast, sieht es schlecht aus“, meint Bartsch. Das sei ein weiterer Grund für den Nachwuchs-Mangel im Taubensport: „Viele Frauen interessieren sich nicht für die Tauben. Die sind genervt, wenn der Mann sich stundenlang um die Tiere kümmert und auf Wettkämpfe fährt.

Junge Männer entscheiden sich dann meist lieber für die Partnerin als dafür, das Hobby mit dem Vater weiter auszuüben.“ A

nders herum könne das natürlich genau so passieren - es gäbe auch sehr erfolgreiche Frauen im Taubensport.
Fredi Bartsch mit seinen Tauben.

Fredi Bartsch mit seinen Tauben. © Goldstein

Die Taubenzucht sei Tradition - und ein spannender Wettkampf, findet Bartsch. Die Konkorrenz mit den Kollegen treibt ihn an, weiterzumachen. Früher sei sogar Geld auf die Tauben gewettet worden - so wie bei Pferderennen, nur in der Luft.

Heute ist der Taubensport eher ein Exot unter den Hobbies. „Die Tiere sind nicht ganz billig. Aber wenn sie gut sind, finanzieren sie sich selber“, sagt Bartsch. Rund 200 Euro gibt er im Monat für seine Tauben aus.

Tauben sind ein beliebtes Futter für größere Vögel

Und nicht nur andere Tauben-Liebhaber sind heiß auf seine Tiere: Bei Raubvögeln sind Zuchttauben besonders beliebt. Denn die fressen gutes Futter und sind gesünder als Stadttauben.

Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass die Tiere deshalb nicht von den Wettkämpfen zurückkehren. „Erst neulich habe ich eine Taube verloren. Das war eine richtig Gute“, sagt Bartsch betrübt. Wenigstens in seinem Garten kann er seine Tiere beschützen: Dort füttert er Dohlen an, die die Greifvögel vertreiben.

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