Studie zu Klinikschließungen: Wie der Krankenhauschef die Zukunft für Lünen und Werne sieht

dzKatholisches Klinikum Lünen/Werne

Fast jedes zweite Krankenhaus könnte künftig auf der Kippe stehen. Zumindest wenn es nach einer Bertelsmann-Studie geht. Was bedeutet das für das Katholische Klinikum Lünen/Werne?

Lünen, Werne

, 17.07.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung sorgt für Schlagzeilen. Um Patienten besser zu versorgen, sollte dies in Krankenhäusern mit größeren Fachabteilungen, mehr Erfahrung und besserer Ausstattung geschehen. Kleinere Häuser könnten das nicht bieten. Fast jedes zweite Krankenhaus sollte demnach geschlossen werden.

Clemens Galuschka ist Vorsitzender der Geschäftsführung des Katholischen Klinikums Lünen/Werne. Um die Zukunft des Krankenhausverbundes von St.-Marien-Hospital in Lünen (592 Betten) und St.-Christophorus-Krankenhaus in Werne (216 Betten) macht er sich keine Sorgen: „Die Häuser in Lünen und Werne sind viel zu bedeutend und wichtig. Sie machen zu gute Angebote.“

„Gesetzt für die medizinische Versorgung“

Galuschka nennt Lünen als Schwerpunktkrankenhaus mit Hubschrauberstandort. Es hat 16 Fachabteilungen, darunter das überregionale Neurozentrum. Er sieht das Klinikum Lünen von der Ausrichtung her gesetzt für die medizinische Versorgung.

Ebenso wie das St.-Christophorus-Krankenhaus Werne. Es profitiere von der guten Lage und der hohen Qualität, beispielsweise in der Wirbelsäulenchirurgie. Es sei spezialisiert auf planbare Eingriffe. „Nicht jeder Patient möchte in einem Großklinikum versorgt werden.“ Zudem biete das Haus die Grundversorgung für die Werner an.

Ziel sei es, den Klinikverbund Lünen/Werne mit der katholischen St.-Lukas-Gesellschaft, deren Geschäftsführer Galuschka ebenfalls ist und zu der Kliniken in Dortmund und Castrop-Rauxel gehören, zu stärken.

Hohe Investitionen nötig

Für Galuschka ist die Aussage der Studie, es gebe zu viele Kliniken, „wenig differenziert“. Sie erfordere ein Gesamtkonzept mit erheblichen Finanzmitteln. Man könne nicht einfach Kliniken schließen, ohne andere deutlich zu ertüchtigen und dort zu investieren. In NRW würden seit Jahrzehnten zu wenig Gelder für die Infrastruktur von Kliniken bereitgestellt.

Dazu macht Galuschka folgende Rechnung auf: Um 60 NRW-Krankenhäuser zu Großkliniken umzubauen, wäre pro Haus eine Milliarde Euro nötig. Momentan zahlt das Land NRW eine Baupauschale von 300 Millionen Euro pro Jahr. „Bei der Summe dauert der Umbau 200 Jahre.“ Die Frage sei also, woher man das Geld nehme, um die Strukturen zu verändern.

Gleichwohl sieht Galuschka Verbesserungspotenzial. Die Selbstverwaltung sei nicht nur ein Segen, die Verzahnung von ambulant und stationär könnte besser sein. Kritisch sieht er auch das Anreiz-System: Je mehr gemacht wird, desto mehr wird vergütet. Dabei könnten Doppeluntersuchungen vermieden werden. Dazu bräuchte es aber eine Digitalisierungsoffensive, die die Daten der Patienten von der Wiege bis zur Bahre erfasse.

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