Streit auf dem Radweg endete erst mit Körperverletzung und jetzt vor Gericht

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Dieser Streit eskalierte so, dass er nun vor dem Amtsgericht endete. Einem 28-jährigem Lüner passte es nicht, dass ein Mann das Überholmanöver seiner Frau auf einem Radweg kritisierte.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 03.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Streit auf dem Radweg hatte für einen Rentner aus Lünen böse Folgen: Sein Gegner beschimpfte ihn wüst und trat ihm schließlich mit Schwung in den Rücken. Vor dem Amtsgericht trafen die Kontrahenten nun erneut aufeinander.

Stein des Anstoßes dessen, was sich am 26. Juni 2018 auf dem Radweg im Bereich Cappenberger Straße und Christian-Morgenstern-Straße ereignete, war die Kritik des Senioren an einem Überholmanöver der Frau des späteren Angreifers. Es kam zur Auseinandersetzung und der 28-jährige Lüner, der darüber erbost war, titulierte den Rentner „alter, dicker Hurensohn“. Als ihm der 67-Jährige später den Rücken zudrehte, hielt er sich mit beiden Händen an der Stange eines Straßenschildes fest, nahm regelrecht Anlauf und trat zu. Der Senior stürzte nach vorne auf den Boden und zog sich dabei unter anderem schmerzhafte Prellungen und Hämatome zu. Noch heute kämpft er mit den Folgen.

Angeklagter erzählte andere Version

Körperverletzung und Beleidigung wurden dem vor einigen Jahren bereits einschlägig in Erscheinung getretenen jungen Mann nun im Prozess zur Last gelegt. Seine Version klang „etwas“ anders. Demnach beleidigte der 67-Jährige zunächst seine Frau, es sei zum Streit, zu gegenseitigen Beleidigungen und Fußtritten gegen die jeweiligen Räder gekommen. Sie hätten sich geschubst und der ältere Mann habe ihn schlagen wollen. Er selbst sei geflohen, der Senior habe ihn verfolgt und letztlich habe er sich am Schild festgehalten und ihn seitlich gegen den Oberschenkel getreten, um ihn abzuwehren.

Von einer Beschimpfung der Ehefrau, einer Verfolgung und dem Ansinnen, den jüngeren Mann zu schlagen, wollte der Geschädigte im Zeugenstand allerdings nichts wissen. Und auch die Zeugen, die vor Ort waren und den Angeklagten am möglichen Verschwinden hinderten, sahen nichts dergleichen - wohl jedoch den schwungvollen Tritt gegen den Rücken und den Rentner, der stürzte und in Richtung Straße rollte. „Das sah sehr gefährlich aus“, kommentierte einer der beiden Augenzeugen und fügte hinzu, dass vielmehr der jüngere Mann einen aggressiven Eindruck erweckt habe.

Richter: Ernsthafter Warnschuss

Strafrichter Ulrich Oehrle hatte keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers und der Zeugen. Er redete Tacheles: „Ein Mann, der deutlich älter ist.“ Der Angeklagte sei ausgerastet, habe die Kontrolle verloren und eine ganz erhebliche Körperverletzung begangen. „Das ist sehr gefährlich, da kann richtig was passieren.“ Für den 28-jährigen Lüner endete der Prozess mit vier Monaten Haft auf Bewährung und der Auflage, 1000 Euro an das Opfer zu zahlen. Das, so Oehrle, solle er als ernsthaften Warnschuss sehen.

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