Else und Horst Störmer im Jahr 1961 bei ihrer Hochzeit. © Störmer
Diamantene Hochzeit

Störmers seit 60 Jahren verheiratet: Hochzeitsauto rutschte in Graben

In guten und schlechten Zeiten zusammenhalten, das gilt für Else und Horst Störmer seit 60 Jahren. Zu ihrer Diamanthochzeit stellt das bekannte Lüner Ehepaar fest: Jung gefreit, nie gereut.

Schon die Feier zu seinem 80. Geburtstag im Mai musste wegen Corona ausfallen, nun auch ein eigentlich geplantes großes Fest zur Diamantenen Hochzeit. Aber ihr 60. Hochzeitstag war für Else und Horst Störmer trotzdem besonders schön. „Unser Sohn Torsten und unsere Schwiegertochter Birgit haben die Feier im kleinsten Familienkreis ausgerichtet und uns bekocht.“ Auch Enkelin Laura war dabei, nur Enkel Julian musste in Berlin bleiben und auch Schwiegertochter Ulla konnte nicht aus Franken kommen. „Irgendwann werden wir die Diamanthochzeit und meinen 80. Geburtstag nachfeiern“, sagt Horst Störmer.

In ganz kleinem Familienkreis feierten Horst und Else Störmer ihre Diamantene Hochzeit.
In ganz kleinem Familienkreis feierten Horst und Else Störmer ihre Diamantene Hochzeit. © Störmer © Störmer

Dass sich die beiden kennengelernt haben, war sozusagen Glück im Unglück. Der junge Horst hatte eine Kiefernhöhlenvereiterung, die damals noch operiert werden musste. Drei Wochen lag er im St.-Marien-Hospital. Else war damals junge Krankenschwester. Die Wernerin hatte ihr Examen in Neuss absolviert und arbeitete nun in Lünen. „In einem Zimmer lag ein junger Mann, der seine Gitarre dabei hatte und mir bei meiner Runde immer etwas vorgesungen hat“, erinnert sich die 81-Jährige.

Vater musste in die Heirat einwilligen

14 Tage, nachdem er wieder entlassen wurde, stand ein junger Mann mit Regenschirm vor dem Krankenhaus und wartete auf die junge Krankenschwester. Die beiden wurden ein Paar. „Als wir dann im Januar 1961 heiraten wollten, war ich noch nicht volljährig“, so Horst Störmer. Also musste sein Vater mit ihm zum Amtsgericht gehen, um offiziell in die geplante Heirat einzuwilligen.

An einem kalten Wintertag gaben sich Else und Horst Störmer im „blauen Salon“, wie der Volksmund das damalige Trauzimmer des Lüner Rathauses nannte, das Ja-Wort. Ein paar Wochen vorher war das Rathaus feierlich eingeweiht worden – mit Willy Brandt, dem damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin als Ehrengast. Dass es den „blauen Salon“, der sich im Rathausanbau Richtung Marktplatz befand, nicht mehr gibt, findet Störmer schade, denn das Zimmer hatte eben den Charme der frühen 1960er-Jahre.

Wandern ist seit langem ein gemeinsames Hobby von Else und Horst Störmer, hier bei einem Urlaub auf der Insel La Palma. © Störmer © Störmer

„An unserem Hochzeitstag fielen mindestens 20 Zentimeter Schnee und mein Schwager, der uns mit seinem weißen BMW abholen wollte, ist mit dem Auto in den Graben zwischen Werne und Lünen gerutscht.“ Trotzdem wurde es noch eine schöne Feier bei Störmers Schwiegereltern daheim.

Die beiden Söhne Dirk und Torsten machten die Familie komplett. Die Störmers waren sehr junge Eltern, nahmen ihre Kinder immer zu ihren Unternehmungen mit. „Wir haben Fahrradtouren gemacht und im Urlaub sind wir mit dem Auto nach Finnland, Norwegen und Schweden gefahren, haben in Hütten oder im Zelt übernachtet“, so Else Störmer. Ein VW Käfer brachte die Familie in den Urlaub: „Der war so vollgepackt, dass die Jungs gerade noch so hineinpassten.“

Zwölf Wochen beruflich in China

Ihr Mann Horst war gelernter Feinmechaniker, später absolvierte er die Meisterprüfung, war dann im Lippewerk in der Mess- und Regeltechnik tätig. In der Abendschule bildete er sich dann noch zum Elektroniker weiter. 42 Jahre war Störmer auf dem Lippewerk, bis zu seiner Rente: „Und nur einmal zwölf Wochen nicht in Lünen, sondern in China, dorthin hatten wir eine Anlage verkauft, die installiert werden musste.“

In Höhen und Tiefen hat das Lüner Ehepaar zusammengehalten. Auch einen schweren Schicksalsschlag meisterten sie gemeinsam. Die schwere Krebserkrankung ihres Sohnes Dirk. Else Störmer: „Ich war oft bei ihm, er hat acht Jahre gekämpft und ist dann bei uns gestorben.“

Gemeinsam an den Dörenther Klippen im Teutoburger Wald - die Natur zu erleben ist schon lange ein gemeinsames Hobby des Ehepaares.
Gemeinsam an den Dörenther Klippen im Teutoburger Wald – die Natur zu erleben ist schon lange ein gemeinsames Hobby des Ehepaares. © Störmer © Störmer

Aber es gab auch viele schöne Zeiten für das Ehepaar, das auch viele Hobbys teilt. Im Urlaub gemeinsam wandern, der Garten am Haus In der Geist und das Naturgrundstück im Münsterland, die viel Arbeit, aber auch Freude bereiten, gemeinsame Urlaube mit den Enkeln. „Dank unseres Gartens haben wir auch die Coronazeit gut überstanden, weil wir immer nach draußen konnten“, so Horst Störmer.

Auch die Musik ist ein gemeinsames Hobby. Else Störmer war 55 Jahre lang Sängerin im Kirchenchor St. Joseph, hat dort auch Vorstandsarbeit gemacht. Zuerst war auch Horst Störmer dort Sänger, wechselte dann aber zum inzwischen ebenfalls aufgelösten MGV Liedertafel Wethmar. „Wir haben festgestellt, dass man nicht alles gemeinsam machen muss. Ein- oder zweimal in der Woche etwas getrennt unternehmen, fördert auch die eheliche Gemeinschaft“, so Horst Störmer.

Große Fahrradtouren

Dafür waren sie sich immer einig, was den Urlaub betrifft. „Wir mögen bis heute Individual-Urlaub, das haben wir auch bei unseren großen Fahrradtouren so gemacht, die wir gestartet haben, als wir 50 waren. Wir sind einfach losgefahren, haben nichts vorgebucht“, erzählt Horst Störmer. An der Donau entlang bis nach Wien oder den Elberadweg – „wir haben zur richtigen Zeit damit begonnen, es nicht auf die Zeit als Rentner verschoben.“

Noch in der Jugendzeit ist der große Freundeskreis gewachsen, zu dem auch frühere Arbeitskollegen und Nachbarn gehören. „Das ist eine Bereicherung unseres Lebens“, sind sich beide einig.

Ein Bestandteil des Rezepts für eine lange glückliche Ehe ist das gegenseitige Verständnis. So unterstützt Else Störmer ihren Mann auch bei seinem Engagement als Vorsitzender des Stadtverbandes für Heimatpflege, dessen Vorsitzender er seit 2002 ist. Beim Schnadegang in Beckinghausen schlüpfte sie in ein Römerinnen-Kostüm, begleitet ihren Horst auch oft zu Terminen und Auftritten.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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