Steigende Wohnkosten: Darum gibt es in Lünen keine Mietpreisbremse

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Wegen steigender Mieten und Wohnungsnot greift in vielen Städten die „Mietpreisbremse“. In Lünen ist das bisher nicht der Fall - obwohl der Wohnungsmarkt auch hier als angespannt gilt.

Lünen

, 25.08.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Verabschiedung des Bundes-Mietrechtsnovellierungsgesetzes im Jahr 2015 wurde der Weg für die Mietpreisbremse geebnet. Die Mietpreisbremse besagt, dass Vermieter beim Abschluss eines neuen Mietvertrages bei Bestandswohnungen höchstens zehn Prozent mehr nehmen dürfen, als die ortsübliche Vergleichsmiete angibt. In Nordrhein-Westfalen können Mieter und Mieterinnen in 22 Kommunen von der Mietpreisbremse Gebrauch machen- aber nicht in Lünen.

Wohnungsmarkt ist angespannt, aber nicht überhitzt

Im Vergleich zu Großstädten wie Köln, Düsseldorf, Bonn, Aachen und Münster, den Universitätsstandorten Paderborn und Bielefeld sowie weiteren Städten entlang der Rheinschiene sei der Wohnungsmarkt in Lünen noch deutlicher entspannter, teilt die Stadt Lünen auf Anfrage mit. Die durchschnittliche Kaltmiete für Lünen beträgt aktuell 5,82 Euro pro Quadratmeter. Dieser Wert ergibt sich aus den Daten der letzten Mietspiegelerhebung, wobei mit den Veränderungsmieten aus den Jahren 2014 bis 2018 gerechnet wurde.

Doch das Problem steigender Mieten und Wohnungsknappheit macht auch in Lünen nicht halt: „Der Wohnungsmarkt in Lünen spannt sich seit etwa fünf Jahren vor allem im unteren Preissegment (bis ca. 5 Euro/m²) spürbar an“, heißt es von der Stadt Lünen. Das bedeutet: Besonders für einkommensschwache Menschen und diejenigen, die nicht so viel Geld in die Hand nehmen möchten, ist die Wohnungssuche erheblich schwieriger geworden. Zudem sei das Angebot an kleinen (Single-)Wohnungen, barrierefreien Wohnungen und Wohnungen, die sich für große Familien eignen, gering. Die Preise für Wohnungen im mittleren Preissegment hingegen sind relativ stabil, so die Stadt Lünen.

Mietpreisbremse ist „nicht effektiv“

Diesen Eindruck teilt auch Bernd Holthoff. Der 52-jährige Rechtsanwalt berät Mieter beim DMB Mieterbund Dortmund e.V., einem Mieterschutzverein. Der DMB Dortmund hat insgesamt über 12.000 Mitglieder und berät sie in Geschäftsstellen in Dortmund, Lünen und Castrop-Rauxel. „Ich nehme den Wohnungsmarkt in Lünen durchaus als angespannt wahr. Im Vergleich zu Dortmund sehe ich eigentlich keinen Unterschied, was die Wohnungsnot angeht“, sagt Holthoff.

Die Mietpreisbremse hält Holthoff allerdings für kein effektives Mittel gegen steigende Mieten: „Meiner Meinung nach ist die Mietpreisbremse ein zahnloser Tiger. Die meisten Mieter trauen sich nicht, ihr Recht einzuklagen, weil sie letztendlich Angst haben, ihre Wohnung zu verlieren. Es gibt zwar mehr Probleme, was das Wohnen angeht, aber weniger Mut auf Seiten der Mieter.“

Ein gravierenderes Problem sieht er in den Modernisierungsumlagen. Vermieter würden oftmals Modernisierungsarbeiten vornehmen lassen und damit eine Mieterhöhung rechtfertigen. Das ist gesetzlich erlaubt - wenn es nach Holthoff geht, sollte diese Regelung allerdings schnellstens geändert werden: „Oftmals wird das Gebäude und die damit verbundenen Wohnanlagen dadurch aufgewertet, und das auf Kosten der Mieter, die ewig dafür zahlen. Daran müsste sich etwas ändern.“ Eine weitere Alternative zur Mietpreisbremse sieht Holthoff in der Förderung des sozialen Wohnungsbaus durch die Stadt.

Neubauten als Alternative

Auch führende Wohnungsanbieter in Lünen stehen der Mietpreisbremse skeptisch gegenüber - allerdings aus anderen Gründen: „Meiner Meinung nach werden dadurch nur die Symptome bekämpft, aber nicht die Ursachen“, sagt Jan Hische, kaufmännischer Leiter der WBG Lünen. Fast wortgleich äußert sich Vivawest auf Anfrage. Vivawest bewirtschaftet 7342 Wohnungen in Lünen. Die WBG Lünen sowie Vivawest sprechen sich für mehr bezahlbaren Wohnraum aus, der geschaffen werden muss: „Bauland muss zügiger aktiviert, Genehmigungen müssten schneller ausgestellt werden.“

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