Die Rauchgasentstickungsanlage des ehemaligen Steag-Kraftwerks wurde am 5. Februar gesprengt. © Goldstein
Viele Fotos

Steag-Kraftwerk: Hagedorn-Gruppe sprengt die nächste Anlage

Eine Explosion hat am Freitag (5. Februar) Teile von Lünen erschüttert. Hintergrund ist eine weitere Sprengung am alten Steag-Kraftwerk. Dass die Sprengung heftiger war, hat einen Grund.

Es war die mittlerweile vierte kleinere Sprengung auf dem Gelände des ehemaligen Steag-Kraftwerks – und die größte bisher: Die 7000 Tonnen schwere Rauchgasentstickungsanlage (abgekürzt: Denox) fiel am Freitagnachmittag gegen 15.50 Uhr in sich zusammen. Die Explosion war nicht nur in vielen Teilen des nördlichen Lünens, Brambauer und der Innenstadt zu hören, sondern auch zu spüren.

So wackelten in Nordlünen und Alstedde die Fensterscheiben an den Häusern, der Knall war auch im benachbarten Cappenberg gut zu hören. Und das hatte auch seinen Grund: „Im Gegensatz zu den bisherigen Kleinsprengungen handelte es sich dieses Mal um eine Stahlbetonsprengung“, erläutert Judith Roderfeld, Sprecherin der Hagedorn-Gruppe. Das Unternehmen aus Gütersloh reißt derzeit das alte Kraftwerk ab und wird dann die Fläche zur Weiterentwicklung an die DFI Partners AG aus Düsseldorf übergeben.

Fotostrecke

Sprengung der Denox-Anlage

Die Denox befindet – beziehungsweise: befand – sich im östlichen Teil des Kraftwerksgeländes. „Zu Betriebszeiten des Kraftwerks wurde die Anlage zur Rauchgasentstickung genutzt“, so Judith Roderfeld. Deshalb hätten die Hagedorn-Mitarbeiter die Anlage im Vorfeld gründlich von allen Schadstoffen saniert.

Der untere Teil der Anlage besteht aus Stahlbeton, die Stahlkonstruktion beginnt erst ab etwa 20 Metern Höhe. „Um den bei der Sprengung entstehenden Staub zu binden, sind entsprechende Staubminderungsmaßnahmen ergriffen worden“, erklärt die Hagedorn-Sprecherin.

Sprengung nicht angekündigt

Genau wie die bisherigen Sprengungen war auch diese Aktion nicht angekündigt worden, um Menschenaufläufe am Kraftwerk zu vermeiden. Neben Sicherheitsaspekten hat diese Vorgehensweise natürlich auch mit der Corona-Pandemie zu tun. Hagedorn möchte nicht, dass sich Schaulustige dicht an dicht in Kraftwerksnähe tummeln.

Genau das stellt die Abriss-Experten aus Ostwestfalen-Lippe vor ein Problem: Wenn voraussichtlich im März der Schornstein, das Kesselhaus und der Kühlturm gesprengt werden sollen, geht das nämlich nicht ohne vorherige Information der Öffentlichkeit vonstatten – allein schon, weil diese Sprengungen noch heftiger werden als die der Denox-Anlage.

Wäre die Öffentlichkeit darüber nicht informiert, droht im schlimmsten Fall eine Panik. Da das Gelände weiträumig abgesperrt werden müsste, wäre es ohnehin kaum möglich, so eine Aktion geheim zu halten.

Das bedeutet allerdings auch, dass es zu Versammlungen kommen könnte – die Neugier auf die Sprengung eines Lüner Wahrzeichens dürfte bei vielen die Angst vor einer Corona-Ansteckung schlagen. Deshalb will sich Hagedorn hier eng mit den Behörden abstimmen, wie am besten vorzugehen ist.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
Zur Autorenseite
Daniel Claeßen

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.