Starres Kita-System, zu wenige Plätze: Warum das vielen Lüner Eltern Frust beschert

dzMeinung am Mittwoch

Im System der Kita-Betreuung knirscht es. Es fehlt an Plätzen und Flexibilität. Oft müssen Eltern mehr Stunden buchen als gewollt. Manche wählen für einen Platz sogar eine frühe Taufe.

von Kira Engel

Lünen

, 17.07.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sommerferien – für die meisten Kinder eine wunderbare Zeit, in der sie abends lange wach bleiben und morgens schon in Badehose frühstücken können. Gespannt auf all die Abenteuer, die sie jenseits von Leistungsdruck und Terminplan erwarten. So erleben es viele oder haben es wie ich noch in guter Erinnerung. Da hat es mich schon überrascht, als meine Tochter verkündete: „Ich finde Sommerferien blöd!“

Für sie beginnen jetzt keine Ferien, sondern die Wartezeit. Wenn die Ferien vorüber sind, kommt sie in den Kindergarten und ist gespannt darauf. „Dann kann ich endlich mit den anderen Kindern spielen.“ Wenn unsere Tochter in den Kindergarten kommt, ist sie gerade drei geworden. Ihre kindliche Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt ist ansteckend.

Eltern machen sich Sorgen

Bevor wir Eltern wurden, hatte ich mir den Start in den Kindergarten ungefähr so vorgestellt. Jetzt weiß ich, dass wir ein fast glücklicher Ausnahmefall sind. Denn seitdem begegne ich Eltern, die sich sorgen.

Ich treffe Mütter, die gerne wieder arbeiten wollen, aber vergeblich nach einem Betreuungsplatz für ihre 3-jährigen Kinder suchen – ohne gültigen Arbeitsvertrag auch keinen der raren Kindergartenplätze, aber ohne sicher gestellte Betreuung auch kein Arbeitsvertrag.

Starres Kita-System, zu wenige Plätze: Warum das vielen Lüner Eltern Frust beschert

Gastautorin Kira Engel. © Quiring-Lategahn

Gastautorin Kira Engel (33) ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen.

Ich spreche mit Eltern, die ihr Kind taufen lassen um einen Platz in ihrem konfessionellen Wunsch-Kindergarten zu bekommen – obwohl sie sich eine spätere Taufe, an die sich das Kind erinnern kann, lieber wünschen.

Ich höre von Vätern, die Elternzeit nehmen und sich beim Babyschwimmen und der Mutter-Kind-Gruppe unter die anderen Mütter und Kinder mischen – und dann am ersten Arbeitstag mit der Kündigung belohnt werden.

Ich kenne Eltern, die nur halbtags arbeiten, ihr Kind aber erst am späten Nachmittag aus der Kita abholen können – denn ein Platz mit weniger Wochenstunden ist nicht zu bekommen.

Nur wenige nutzen den Rechtsanspruch

Nicht nur das Familienleben ist vielfältig, auch jede Familie selbst ist es. Und wenn all die Vielfalt und individuellen Lebensentscheidungen dann auf das starre System der Kinderbetreuung treffen, knirscht es gewaltig. Viel Frust über unflexible Betreuungszeiten, weite Wege oder schlicht fehlende Plätze. Nur wenige machen ihren Rechtsanspruch geltend und verpassen es so, den Verantwortlichen der Kommune ein Zeichen zu geben: nicht nur generell für mehr Kindergartenplätze, sondern auch für mehr Flexibilität und Vielfalt. Damit die Betreuungsmöglichkeiten so bunt und wundervoll wie das Familienleben werden!

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