Stadtgalerie in Lünen: Ausstellungen mit vielen Besuchern - obwohl niemand mitzählt

dzKultur in Lünen

Zur Eindämmung des Coronavirus ist die Stadtgalerie momentan geschlossen. Aber in normalen Zeiten ist sie eine der meistbesuchten Galerien ihrer Art, meint ihr Chef. Doch es gibt auch Risiken.

Lünen

, 19.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie viele Besucher die Ausstellungen in der Stadtgalerie in der ersten Etage des Hansesaals neben dem Hilpert-Theater tatsächlich sehen? Genau weiß das niemand. Denn gezählt werden sie nicht, der Zutritt kostet ja auch keinen Eintritt. Uwe Wortmann, Chef des Lüner Kulturbüros und damit auch der Stadtgalerie, ist sich trotzdem sicher: „Das ist eine der bestbesuchten Ausstellungsflächen dieser Art, auch weit über die Stadtgrenzen hinaus.“

Nähe zum Theater ist ein Vorteil

Der große Vorteil der Stadtgalerie ist nämlich genau die Nähe zum Theater. Vor den Vorstellungen dort, in der Pause und danach sind die Verbindungstüren geöffnet. Vom Theater-Foyer zur Stadtgalerie sind es dann nur wenige Meter. Wortmann schätzt, dass die Hälfte der Theaterbesucher die Gelegenheit für einen Blick auf die Kunst nebenan nutzt. Ist das Theater ausgebucht, sind immerhin 760 Gäste vor Ort. Pro Ausstellung kalkuliert Wortmann deshalb mit einer Besucherzahl von rund 1000.

Das ist der große Vorteil der Stadtgalerie. Es gibt aber auch Nachteile. Zu den normalen Öffnungszeiten, also denen des Kulturbüros, sind die Ausstellungsstücke so gut wie unbewacht. In den vielen Jahren sei zum Glück noch nichts passiert - unter den Künstlern sei das aber dennoch Thema, so Wortmann. Eine Video-Überwachung gebe es aber.

Mitarbeiter der Bühnentechnik brachten vergangenen Herbst die Werke des Beuys-Schülers Pascal Faber in der Stadtgalerie an.

Mitarbeiter der Bühnentechnik brachten vergangenen Herbst die Werke des Beuys-Schülers Pascal Faber in der Stadtgalerie an. © Rottgardt

Auch von Nachteil ist das natürliche Licht, das durch die großen Fenster hineinfällt. Sind Gemälde dem zu lange ausgesetzt, könnte es Schäden geben. Deswegen gibt es auch keine Dauer-Ausstellung. Eine Ausstellung dauert in der Regel vier bis sechs Wochen, davon gibt es dann sieben oder acht pro Jahr.

Bedenken gibt es auch wegen der hohen Temperaturen im Sommer. „Wir haben hier keine Klimaanlage und deshalb schnell 40 Grad.“ Analog zur Pause im Theater bleiben deshalb im Sommer auch die Ausstellungsflächen der Stadtgalerie leer.

Die Künstler stellen dort natürlich auch aus, um ihre Werke an den Mann zu bringen. Bei der Ausstellung des Beuys-Schülers Pascal Faber im vergangenen Herbst kosteten die teuersten Bilder schon einmal 16.000 Euro. „Da kamen ganz viele Leute auch von weiter weg mit einem spezifischen Kaufinteresse. Das war schon außergewöhnlich“, sagt Wortmann. In der Regel liegen die Preise für dort ausgestellte Kunst niedriger.

Mit nur 500 Euro Budget pro Jahr musste die Stadtgalerie lange auskommen. Das reichte gerade fürs postalische Verschicken der Einladungen zu den Vernissagen. Mittlerweile wurde das Budget auf 2500 Euro verfünffacht. Immerhin.

Kultur nur ein Randaspekt im Haushalt

Der Anteil der Kultur am Gesamthaushalt ist weiterhin verschwindend gering: Laut Wortmann nur rund 1,2 Prozent. In diesen 1,2 Prozent sind aber auch der Betrieb des Theaters und die Organisation aller Volksfeste und Kirmessen eingerechnet.

Wird die Kultur in Lünen also zu wenig wertgeschätzt? „Geld hat für mich nichts mit Wertschätzung zu tun“, sagt Wortmann, „aber natürlich würde ich mir wünschen, dass wir das mehr unterstützen könnten. Wir sind da auf dem richtigen Weg.“

  • Die Stadtgalerie im Hansesaal bietet auf 450 Quadratmetern Ausstellungsfläche für die Präsentation zeitgenössischer Kunst. Bei den Ausstellungen lokaler, regionaler und internationaler Künstler und Künstlergruppen wird die Galerie zum Treffpunkt kunstinteressierter Menschen aus der ganzen Region, heißt es bei der Stadt.
  • Noch bis zum 27. März liefe normalerweise die Ausstellung „Zeit für Kunst“ des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler Westfalen e.V. (BBK Westfalen).
  • Die Öffnungszeiten zu Nicht-Corona-Zeiten: Mo., Di. und Do. 9 bis 13 und 14 bis 16 Uhr, Mi. 9 bis 13 Uhr, Fr. 9 bis 12.30 Uhr und So. 14 bis 17 Uhr sowie während der Veranstaltungen in Theater und Hansesaal.
  • Wann die Stadtgalerie wieder öffnet und zu den regulären Besuchszeiten zurückkehrt, ist noch unklar.
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