Der Spielplatz "Auf dem Kelm" ist beliebt - offenbar zu beliebt: Die Stadt Lünen will wegen Beschwerden über Lärmbelästigung die Streetballanlage zurückbauen. © Goldstein
Auf dem Kelm

Stadt will beliebtes Streetball-Feld zurückbauen – Politik protestiert

Der Spielplatz samt Streetball-Feld „Auf dem Kelm“ wird intensiv genutzt. Anwohner beschwerten sich über Lärmbelästigung - weshalb die Stadt die Anlage zurückbauen will, zum Ärger der Politik.

Im Jahr 2017 erneuerte die Stadt Lünen den Spielplatz „Auf dem Kelm“ in Brambauer. Ein Klettergerüst samt Rutsche sowie ein Streetballfeld sollten eine „attraktive, öffentliche Spielmöglichkeit“ in Lünens größtem Ortsteil bieten. Das Konzept ging auf: Wie die Verwaltung selbst erklärt, führte die Sanierung „zu einer deutlich intensiveren Nutzung des Spielplatzes“.

Doch die deutlich intensivere Nutzung geht laut Verwaltung einher mit „einer höheren Geräuschkulisse in dessen Umfeld“. Und das wiederum stört offenbar Anwohner, die sich regelmäßig über Lärmbelästigungen beschweren. Aus diesen Beschwerden gehe hervor, „dass die Beschwerdeführer mit der Umgestaltung und Reaktivierung der zuvor lange Zeit ungenutzten, überalterten Spielfläche unzufrieden sind“.

Drei Verstöße nach 23 Uhr

Die Stadt reagierte auf diese Beschwerden, in dem sie von Mitte Juli bis Ende Oktober einen privaten Wachdienst mit der Kontrolle des Geländes beauftragte. „Bei insgesamt 247 Spielplatzkontrollen wurden in 218 Fällen keine Verstöße festgestellt“, erklärte die Verwaltung im Jugendhilfeausschuss am Dienstag (2. März). In 26 Fällen hätten sich Kinder oder Jugendliche nach Ende der vorgeschriebenen Spielzeit von 8 bis 20 Uhr, nämlich bis maximal 21 Uhr, auf dem Gelände aufgehalten; in drei Fällen hätte der Wachdienst Jugendliche nach 23 Uhr auf dem Spielplatz angetroffen.

Da die Verwaltung den Beschwerden der Anlieger eine „generelle Bedeutung“ zukommen lässt, hat eine „interdisziplinäre Arbeitsgruppe“, bestehend aus „Mitarbeitern der Abteilungen Jugend, Hilfen und Förderung, Ordnungsangelegenheiten und Verkehrsüberwachung, der Rechtsabteilung und der Abteilung Stadtgrün“, eine Lösung erarbeitet: „Die Verwaltung beabsichtigt den Rückbau der Korbanlage und des Streetballfeldes.“ Danach soll beobachtet werden, ob sich die Lage durch die Maßnahme entspannt.

Ein Vorgang, der bei den Ausschussmitgliedern – vorsichtig formuliert – Kopfschütteln hervorrief. Die Verwaltung musste sich vorwerfen lassen, in vorauseilendem Gehorsam eine Entscheidung gegen Kinder und Jugendliche gefällt zu haben: „Es gibt überhaupt kein Problem, der Großteil der Jugendlichen hat sich absolut korrekt verhalten“, schimpfte Nina Kotissek (SPD). Dass wegen drei Fällen, in denen nach 23 Uhr Jugendliche auf dem Gelände gewesen wären, nun die ganze Anlage abgerissen werden soll, sei nicht nachvollziehbar. „Genauso wenig wie die Tatsache, dass man hier sofort mit einem Wachdienst angerückt ist, anstatt vielleicht das Streetwork vorbeizuschicken.“

SPD kündigt Eilantrag an

Kunibert Kampmann (GFL) sah in der Entscheidung eine „große Gefahr“ für Lünen: „Gerade junge Familien gucken sehr genau, wohin sie ziehen und wo sie sich niederlassen sollen.“ Wenn man wegen Anwohnerbeschwerden bei einem Spielplatz einknicke, sei das ein fatales Signal.

Nina Kotissek kritisierte zudem, dass die Kontrollen mitten im Corona-Sommer stattgefunden hätten. „Wo sollten die Jugendlichen denn hin?“ Sie kündigte einen Eilantrag der SPD für den Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstag (4. März) an, falls die Verwaltung ihre Position nicht ändere. „Und wenn die Anwohner klagen wollen, sollen sie halt klagen. Dann können wir den Korb immer noch abbauen.“

Dezernent Ludger Trepper wies den Ausschuss daraufhin, dass es sich hier um eine Mitteilung der Verwaltung handele, auf die die Politik keinen Einfluss nehmen könne. „Wenn Sie hier ansetzen wollen, dann ändern Sie die Grundvoraussetzungen für die Nutzung von Spielplätzen.“ Die besagen nämlich, dass nur Kinder bis 12 Jahre solche Anlagen benutzen dürfen. „Mit diesen Vorgaben geben Sie den Anwohnern die Grundlage, sich zurecht zu beschweren.“ Und auf dieser Grundlage sei auch die Entscheidung der Verwaltung gefallen.

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Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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