Staatsanwältin will Serienräuber noch einmal eine Chance geben

Landgericht Dortmund

Die Staatsanwältin spricht von Schwerstkriminalität. Trotzdem soll ein 23-jähriger Lüner nach einer Überfallserie in Herbern und Umgebung nicht ins Gefängnis.

Dortmund, Lünen, Herbern

, 13.06.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Staatsanwältin will Serienräuber noch einmal eine Chance geben

Der Angeklagte neben Verteidiger Michael Liedtke. © Martin von Braunschweig

Die Taten waren brutal, die Opfer hatten Todesangst. Viermal war ein heute 23-jähriger Lüner dabei, als in Herbern und Umgebung Lebensmittel-Discounter überfallen wurden. Trotzdem soll er aus Sicht der Dortmunder Staatsanwaltschaft nicht ins Gefängnis.

Die Anklägerin hat vor dem Dortmunder Landgericht am Donnerstag (13. Juni) zwei Jahre Jugendhaft auf Bewährung beantragt. Dabei hatte sie die Taten zuvor selbst als „Schwerstkriminalität“ eingestuft.

Die unfassbare Serie begann im Januar 2017 und endete sieben Monate später. Vier Discounter wurden in dieser Zeit überfallen, darunter der Aldi in Herbern. Die Beute: rund 20.000 Euro. Zuletzt sollte von dem Geld sogar ein Urlaub finanziert werden.

Räuber will jetzt Banker werden

Was laut Staatsanwältin allerdings für den Angeklagten spricht: Er habe nach seiner Festnahme alles getan, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Er hat ein Praktikum bei einer Bank begonnen, das inzwischen sogar in eine Lehre gemündet ist. Außerdem hat der 23-Jährige von Anfang an mit den Ermittlern kooperiert. Er hat ein umfassendes Geständnis abgelegt und auch seine Mittäter benannt.

Bei den Überfällen war der Lüner offenbar immer ruhig und zurückhaltend. Er nahm das Geld aus den Tresoren und packte es ein. Für das Grobe war sein alter Schulfreund zuständig. Der muss sich zurzeit gemeinsam mit einem weiteren mutmaßlichen Mittäter ebenfalls vor Gericht verantworten.

Der Angeklagte selbst hofft natürlich inständig auf eine Bewährungsstrafe. Allein schon wegen seines Ausbildungsvertrages, den er gerade erst unterschrieben hat. Zu Recht, findet Verteidiger Michael Liedtke: „Wenn ein Angeklagter Aufklärungshilfe leistet, darf er auch ein Zeichen der Justiz erwarten.“ Er müsse schließlich sehen, dass es sich auch lohne, die Karten auf den Tisch zu legen.

Opfer bis heute traumatisiert

Unverständis zeigte dagegen Anwalt Ralph Reckmann, der vor Gericht eine der Verkäuferinnen vertritt. Mit einer Bewährungsstrafe werde seine Mandantin nicht leben können, sagte er den Richtern. „Und das werde ich ihr auch nicht erklären können.“ Die Taten seien äußerst brutal ausgeführt worden. Manche der Opfer seien bis heute traumatisiert, viele seien vor Gericht sogar in Tränen ausgebrochen.

Auch von einer jugendtypischen Tat könne keine Rede sein. Der Angeklagte müsse deshalb nach dem härteren Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden. Schließlich habe er als ehrenamtlicher Fußballtrainer sogar schon eine Vorbild-Funktion gehabt.

Die Richter am Dortmunder Landgericht wollen das Urteil am 2. Juli sprechen.

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