Verteidiger Axel von Irmer hält eine Alkoholtherapie beim Angeklagten für sinnvoll. © Martin von Braunschweig
Vergewaltigung in Oberaden

Staatsanwältin fordert Haft, Alkoholtherapie und Sicherungsverwahrung

Plädoyers im Prozess um die brutale Vergewaltigung einer 15-Jährigen in Oberaden: Geht es nach der Staatsanwältin, wartet auf den Angeklagten eine lange Zeit in Unfreiheit.

In einem waren sich am Dienstag vor dem Dortmunder Landgericht alle Prozessbeteiligten einig. Das, was der 36-jährige Angeklagte dem Mädchen angetan hat, ist an Abscheulichkeit und Brutalität kaum zu übertreffen.

Staatsanwältin Heike Sudhaus-Coenen hat schon viele Vergewaltiger vor Gericht gebracht. Sie sagte in ihrem Plädoyer: „Was da passiert ist, ist wirklich grausam.“

An Brutalität kaum zu übertreffen

Schon sieben Jahre vor der Vergewaltigung der 15-Jährigen hatte derselbe Angeklagte in Kamen eine vergleichbare Tat verübt. Dort war es nur deshalb nicht zur Vergewaltigung gekommen, weil das Opfer laut um Hilfe schrie und zwei Passanten auf sich aufmerksam machte.

Beide Opfer wurden durch den Angeklagten schwer verletzt. Die Frau in Kamen erlitt einen Bruch der Augenhöhle und verlor einen Zahn. Der Schülerin in Oberaden wurde fast das gesamte Gesicht zertrümmert. Als die Ärzte sie nach der Tat untersuchten, stellten sie einen Bruch des Nasenbeins, der Augenhöhle, der Schädelbasis und mehrerer weiterer Gesichtsknochen fest. Außerdem war ihr rechter Daumen so sehr zertrümmert, dass er nie wieder wie zuvor funktionieren wird.

Zahlreiche Knochenbrüche

Für beide Taten beantragte die Staatsanwältin eine Gesamtstrafe von zwölf Jahren Haft. Darüber hinaus sollen die Richter eine Alkoholtherapie anordnen und auch die Unterbringung des Mannes in der Sicherungsverwahrung beschließen.

Die beiden Opfer-Anwältinnen Henriette Lyndian und Christiane Krause-Schumann schlossen sich den Anträgen an. Vor allem bei der Frage der Sicherungsverwahrung sahen auch sie keinerlei Spielraum. „Der Schutz der Frauen vor so einem Mann, der aus dem Gebüsch springt, sie brutal niederschlägt und dann vergewaltigt, muss unbedingt gewährleistet sein“, so Krause-Schumann in ihrem Plädoyer.

Verteidiger beschönigt nichts

Verteidiger Axel von Irmer hatte als letzter Redner naturgemäß keinen leichten Stand. Und auch er wollte überhaupt nichts beschönigen und nannte die Vorgehensweise seines Mandanten „äußerst brutal“.

Der Anwalt glaubt jedoch, dass die Anordnung der Sicherungsverwahrung für den 36-Jährigen noch nicht erforderlich ist. Axel von Irmer findet, dass für beide Taten eine Gesamtstrafe von sechs Jahren ausreicht.

Urteil im Dezember

Und auch er setzte sich für eine Alkoholtherapie ein. „Das halte ich für sinnvoll, bei allem anderen wird man sehen, was die Zukunft bringt“, sagte er.

Das Urteil soll am 3. Dezember gesprochen werden. Zuvor hat der Angeklagte die Gelegenheit, selbst noch etwas zu sagen.

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