Sperrstunde wegen Corona? Lüner Gastronomen hätten kein Verständnis

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Die neuen Corona-Regeln in NRW sehen auch Sperrstunden vor. Kneipen werden dadurch wieder auf eine harte Probe gestellt - dort kommen die neuen Regelungen nicht gut an.

von Julian Beimdiecke

Lünen

, 14.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Schreiben des Staatssekretärs Edmund Heller aus dem Gesundheitsministerium NRW sorgte am Dienstag für Aufregung: In dem unter anderem an die Bürgermeister in NRW adressierten, offenen Brief werden zusätzliche Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus angeordnet - versteckt auf der dritten Seite ist dabei auch von einer „Festlegung reduzierter Öffnungszeiten gastronomischer Einrichtungen und zeitlich entsprechender Verkaufsverbote für alkoholische Getränke“ die Rede. Einfach ausgedrückt: Eine Sperrstunde soll eingeführt werden, zumindest dort, wo der sogenannte Inzidenzwert bei über 50 liegt - also auch in Lünen.

Leute fangen nicht an, herumzuknutschen

Wie die Regelungen im Detail aussehen werden und wann sie inkrafttreten, stand am Dienstag noch nicht fest. Die Stadt Lünen wartet diesbezüglich auf Vorgaben des Kreises. Rein theoretisch könnten die Stadt-Verantwortlichen auch von diesen Vorgaben des Kreises abweichen - dass das passiert, sei aber unwahrscheinlich, sagte Stadt-Sprecher Benedikt Spangardt.

Bob Michaels vom "Greif" hat wenig Verständnis für die geplante Sperrstunde: „Alle werden über einen Kamm geschert.“

Bob Michaels vom "Greif" hat wenig Verständnis für die geplante Sperrstunde: „Alle werden über einen Kamm geschert.“ © Marc Fröhling

Auch wenn also vieles noch unklar ist: Verständnis für eine grundsätzliche Sperrstunde haben die Lüner Kneipiers offenbar nicht. „Für mich ergibt die Regel keinen Sinn. Die Leute fangen ja nicht an, plötzlich miteinander herumzuknutschen, nur weil sie zwei Bier getrunken haben. Das finde ich ehrlich gesagt etwas weltfremd“, sagt zum Beispiel Bob Michaels, Inhaber von „Das Greif“ in Wethmar. „Es gibt vielleicht einzelne, die sich unter Alkohol nicht an die Corona-Regeln halten. Aber es werden alle über einen Kamm geschert, die es dann ausbaden müssen.“

Außerdem komme hinzu, dass die Menschen ja kaum nach Hause gehen würden, wenn sie die Kneipe verlassen müssten. „Viele werden mit Sicherheit zuhause weitermachen - und da gibt es dann keine Kontaktverfolgung“, so Michaels.

Shaggy‘s voll getroffen

Eine Sperrstunde wäre für das „Greif“ ärgerlich, würde aber finanziell wohl nicht zu große Einschnitte mit sich bringen: „Wenn wir vor Corona manchmal bis 4 Uhr Gäste hatten, ist jetzt meistens sowieso schon vor Mitternacht Schluss.“

Anders die Situation im Shaggy‘s in der Innenstadt: „Wir sind ein reines Nachtgeschäft, uns würde eine Sperrstunde voll erwischen“, sagt Geschäftsführer Musa Özer. Deswegen wolle er seinen Laden auch erst gar nicht öffnen, wenn die Sperrstunde inkrafttritt. Das werde enorme Umsatzeinbußen mit sich bringen, aber: „Ganz dichtmachen werde ich den Laden sicherlich nicht, wir machen auf jeden Fall weiter.“ Verständnis für die neuen Maßnahmen hat er wie Michaels nicht wirklich: „Bei uns werden die Abstände eingehalten, es hat alles gut funktioniert. Wenn man jetzt die Kneipen dicht macht, müsste man auch den Wochenmarkt verbieten. Ich halte davon gar nichts.“

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