SPD-Fraktionschef Haustein fliegt aus dem Rat - von Enttäuschung keine Spur

dzMandat verloren

Seit 26 Jahren engagiert sich Hans-Michael Haustein in der Lüner Politik. Damit ist jetzt Schluss, das hat der Wähler entschieden. Haustein freut sich, dass er jetzt mehr Zeit für die Familie hat.

Lünen

, 15.09.2020, 08:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Frage, ob er von dem Wahlergebnis enttäuscht ist, beantwortet Hans-Michael Haustein mit einem klaren „Nein“. Das ist - von außen betrachtet - erst einmal überraschend, schließlich war Haustein zuletzt SPD-Fraktionsvorsitzender und engagierte sich seit 26 Jahren in der Politik.

Jetzt hat er sein Direktmandat gegen den GfL-Konkurrenten Andreas Dahlke verloren. Auf Dahlke entfielen in dem Wahlkreis in Brambauer 34,4 Prozent der Stimmen, auf Haustein nur noch 28,8. Von Enttäuschung bei Haustein tatsächlich keine Spur: „Bei der Geburt meines dritten Enkelkindes dachte ich nur: ,Da geht dir wieder eine Menge Zeit verloren.‘ Da hatte ich Bauchschmerzen.“

Er hatte deshalb schon einmal überlegt, aus der Politik auszusteigen. „Ich trotzdem ja auch gerne weitergemacht.“ Jetzt habe ihm diese demokratische Wahl die Entscheidung abgenommen. Haustein ist Jahrgang 1956, kommt auch der hauptberuflichen Rente immer näher und kann dann noch mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Haustein leitet ein AWO-Pflegeheim in Unna.

Dahlkes Auftreten schätzt Haustein nicht

Dennoch: Wie konnte das passieren, dass er sein Direktmandat 2020 verliert? Es sei für Andreas Dahlke „mit Sicherheit von Vorteil“ gewesen, auch für den Kreistag und den Landrat gleichzeitig zu kandidieren und somit mehr in Erscheinung getreten zu sein. Auch Dahlkes Engagement für den Volkspark sei „eine schöne Sache“ und habe möglicherweise Eindruck beim Wähler gemacht. Andere Aspekte, etwa das Auftreten, schätze er bei Dahlke dagegen nicht.

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Haustein wird jetzt politisch also kürzer treten, hat vor allem für die nächsten zwei Wochen aber noch Pläne: „Ich bin jetzt aktiver Wahlkämpfer für Rainer Schmeltzer, das ist mir ein großes Anliegen.“ Er freue sich, dass die SPD trotz Verlusten die stärkste Fraktion bleibe. Mit Freude habe er die Euphorie seiner jungen Parteikollegen am Wahlabend beobachtet: „Ich kann mich erinnern, dass ich auch mal so war.“ Es sei toll zu beobachten, wie diese Generation die Geschicke weiterführen wird - „auch mit ganz anderen Ideen“.

SPD-Bürgermeisterkandidat Rainer Schmeltzer hatte noch am Wahlabend betont, dass er den Verlust von Hausteins Mandat bedauere. „Damit verlieren wir eine erfahrene Kraft.“

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