Genossen den Aufenthalt im Ufo vor Corona Anfang 2020 (v.r.) David Zolda (Kulturbüro), Autorin Elisabeth Herrmann und Sina Ziegler vom Festival „Mord am Hellweg". © Beate Rottgardt
Bestseller-Autorin Elisabeth Herrmann

Spannender ZDF-Film dient als Vorgeschmack für Krimi, der in Lünen spielt

Ihre Krimis stehen regelmäßig in den Bestseller-Listen. Nun hat Elisabeth Herrmann einen Kurzkrimi geschrieben, der in Lünen spielt. Darauf gibt es jetzt eine Art Vorgeschmack - im Fernsehen.

Vor einem Jahr war Elisabeth Herrmann zur Recherche für einen Kurzkrimi in Lünen, sah sich unter anderem im Colani-Ufo um. Eigentlich wollte die Bestseller-Autorin ihre Lüner Geschichte im Herbst in der Lippestadt beim Festival „Mord am Hellweg“ vorstellen. Doch dann kam Corona, das Festival wurde auf 2021 verschoben.

„Als ich den Krimi schrieb, gingen wir ja noch davon aus, dass im Sommer das Schlimmste überstanden sein würde. Niemand glaubte, dass wir uns Jahre mit diesem heimtückischen Virus herumschlagen müssen. Aber auch mit dem Wissen von heute wäre die Geschichte nicht anders geworden. Sie spielt ja b.c., before corona, deshalb hätte ich sie auch gar nicht der aktuellen Lage anpassen können, die ja dermaßen schnell „von gestern“ ist. Von daher kommt sie mir heute vor wie ein Gruß aus einem untergegangenen Land“, so Elisabeth Herrmann.

Vorfreude auf das quirlige Miteinander

Besonders freut sie sich bei „Mord am Hellweg“auf „Begegnungen, Gespräche, dieses quirlige Miteinander.“ Darauf, alte Freunde zu treffen, neue Freundschaften zu schließen, „all das, was wir so schmerzlich vermissen. Ich hoffe, dass wir bis dahin alle geimpft sind, zumindest die, die sich gut und richtig informiert haben und deshalb diese Entscheidung treffen.“

Andererseits erschüttere es sie sehr zu sehen, wie schnell und gravierend Fakenews und Einpeitscher es schaffen, die Menschen so zu beeinflussen, dass sie wissenschaftlichen Argumenten nicht mehr zugänglich seien.

Wirtschaftlich harte Zeit

Vielleicht werde es noch Zulassungsbeschränkungen, vielleicht Maskenpflicht geben, es werde auf jeden Fall anders werden als wir es kannten. „Das ist wirklich bitter, und für mich als Freiberuflerin am Ende der Unterstützungs-Skala, auch wirtschaftlich eine wirklich harte Zeit. Deshalb hoffe ich inständig, dass wir alle gemeinsam diesen Virus bekämpfen, um uns bald wieder sehen zu können. Oder, dass wir zumindest eine so große Mehrheit sind, dass wir dann auch vor der verweigernden Minderheit geschützt sind.“

Trotz der Festival-Verschiebung gab es Kontakt zum Unnaer Literaturbüro. Die Anthologie, in der ihr Lünen-Krimi erscheint, wurde lektoriert, und es gab Austausch wegen des von Bestseller-Autor Sebastian Fitzek gestifteten Viktor Crime Award, bei dem Elisabeth Herrmann zur Jury gehört. Jedoch gab es die Kontakte nicht so häufig und intensiv wie in früheren Jahren. Und natürlich auch nur digital oder telefonisch.

Lutz Gehring (Max Riemelt), Sanela Beara (Nadja Bobyleva) sind die beiden Ermittler in „Der Schneegänger“. © ZDF und Britta Krehl © ZDF und Britta Krehl

Am Montag (22.2.) strahlt das ZDF eine Verfilmung ihres Krimis „Der Schneegänger“ aus, zu der Elisabeth Herrmann auch das Drehbuch geschrieben hat. Zusammen mit Regisseur Josef Rusnak. „Eigentlich ist es sogar einfacher zu schreiben als ein Originaldrehbuch ohne Vorlage. Die Geschichte ist da, sie funktioniert, wir haben die Helden und die Konflikte. Schwierig ist das Weglassen. Am Anfang klappt es ganz gut, aber wenn der erste Entwurf statt 90 auf einmal 120 Minuten hat, haben wir ein Problem“, so die Krimi-Autorin.

Generell ist ein Drehbuch eine verzwickte Sache

Dann blutet das Herz: „Ich versuche, so viel wie möglich von der Stimmung, der Farbe, der „Temperatur“, wenn man es so ausdrücken will, hinüberzuretten. Ich hoffe, das ist mir ganz gut gelungen bisher. Generell sei ein Drehbuch eine verzwickte Sache. „Wenn ich ein Buch schreibe, kann ich in die Vollen gehen. Bei einem Film sieht das anders aus. Da kann ein explodierendes Schnellboot schon ein Budget sprengen. In dieser Hinsicht kann man keine Diskussionen führen, es geht ja auch ums Geld der Gebührenzahler.“

Manchmal wünsche sie sich aber, dass man vielleicht „ein Liebesfilmchen weniger produzieren und das gesparte Geld dann lieber in die Ausstattung, die Buchentwicklung und vielleicht doch in das Boot investieren würde. Oder in Schnee. Oder für einen Dreh an Originalschauplätzen.“

In den Design-Sesseln oben im Ufo trafen sich vor einem Jahr  (v.l.) David Zolda (Kulturüro Lünen), Betriebsleiter Carsten Balzer, Autorin Elisabeth Herrmann und Sina Ziegler vom Organisationsteam des Festivals
In den Design-Sesseln oben im Ufo trafen sich vor einem Jahr (v.l.) David Zolda (Kulturüro Lünen), Betriebsleiter Carsten Balzer, Autorin Elisabeth Herrmann und Sina Ziegler vom Organisationsteam des Festivals „Mord am Hellweg“. © Beate Rottgardt (Archiv) © Beate Rottgardt (Archiv)

In dem Krimi geht es um den elfjährigen Sohn kroatischer Einwanderer, der vor zwei Jahren plötzlich verschwunden ist. Jetzt wird seine Leiche in einem Waldstück gefunden. Kriminalhauptkommissar Lutz Gehring (Max Riemelt) zieht die junge Polizistin Sanela Beara (Nadja Bobyleva) zu den Ermittlungen hinzu. Sie ist in der kroatischen Exilgemeinde Berlins gut vernetzt. Ein Herrmann-Krimi mal ohne den Rechtsanwalt Vernau als Hauptakteur.

Viele der „Vernau-Krimis“ von Elisabeth Herrmann sind schon fürs ZDF verfilmt worden. Den Titelhelden, den Rechtsanwalt Vernau spielt Jan Josef Liefers. Auch wenn sie ihn nicht „aussuchen“ durfte – die Autorin ist von der Besetzung begeistert. „Das Kindermädchen“ war der erste Vernau, „und dann so eine Besetzung! Natalja Wörner, Mathias Habich, Jan Josef Liefers, das war Spitzenklasse, ganz ganz großes Kino. Bis heute ist es so geblieben, und jedes Mal, wenn der Produzent von network movie, Dr. Dietrich Kluge, mir die Besetzungsliste zeigt, hüpft mein Herz. Ich bin halt Fan. Kein Profi, der das seit 30 Jahren macht und für den Begegnungen mit Stars Alltag sind. Ich freue mich unbändig, wenn ich mit auf die Dreharbeiten kann.“

Geschichten sind in guten Händen

Jan Josef Liefers sei umwerfend! Nicht nur als Schauspieler, auch als Mensch. „Die ganze Truppe ist einfach klasse. Josef Rusnak hat die Regie nach dem Tod von Carlo Rola übernommen und noch einmal einen ganz eigenen Touch eingebracht. Ich bin sehr sehr glücklich, dass meine Geschichten in so guten Händen sind.“

Gerade bereitet sich Elisabeth Herrmann auf ihren neuen Roman „Ravna – Tod in der Arktis“ vor, der am 1. März erscheint und ihr absoluter Liebling ist: „Ein Arktis-Thriller, der mir schon beim Schreiben so ans Herz gegangen ist! Ich liebe Ravna. Sie ist Polizeipraktikantin in der nordnorwegischen Kleinstadt Vardo, und sie ist Samin. Ich bin dafür mehrmals in der Arktis gewesen, zuletzt im August 2019.“

Bestseller-Autorin Elisabeth Herrmann bei einer Lesung in Haltern. © Jürgen Wolter (Archiv) © Jürgen Wolter (Archiv)

Das Besondere seien der Ort, die Menschen, und nicht zuletzt ein Mord, der tief zurückreicht in eines der dunkelsten Kapitel Norwegens, die Zeit der Hexenverfolgung. Elisabeth Herrmann: „Ich bin dabei, einen Instagram-Account unter Ravna_arctica anzulegen, Online-Lesungen vorzubereiten und würde so gerne mit dem Buch durchs Land ziehen, um alle davon zu begeistern.“

Historienroman erscheint im Herbst

Sie habe 2020 so viel gearbeitet wie selten, „weil ich eigentlich nur zu Hause war.“ Deshalb erscheint auch im Herbst „Der Teepalast“, ein Historienroman, denn sie wollte mal was Neues ausprobieren. Aktuell schreibt sie an einer neuen Geschichte für ihren Lieblingsanwalt, Vernau.

Corona hat für die freiberufliche Schriftstellerin also einerseits die Möglichkeit beschert, an neuen Büchern und Projekten intensiv zu arbeiten. Aber die Idee, ein Buch über die Pandemie zu schreiben, weist sie von sich.

„Habe sowas von genug von Corona“

„Corona wird natürlich eine Rolle spielen, weil es eine Naturkatastrophe ist, die die ganze Menschheit betrifft. Wir arbeiten zu Hause, machen Homeschooling, unsere Läden gehen pleite, Menschen sterben. Das alles wird sich natürlich wiederfinden. Ich ganz persönlich aber habe von Corona sowas von genug, ich würde jetzt kein Buch darüber lesen wollen. Und schreiben auch nicht. Ich bin froh, wenn ich diese schreckliche Zeit gesund überstehe und meine Lieben auch.“

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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