Beim Streik am Dienstag (20.) beteiligte sich auch Michael Bergmann (l.), Vorsitzender des Personalrats der Sparkasse an der Lippe. © Bergmann
Hohe Beteililgung am Streik

Sonderzahlung sinkt: Darum streiken Mitarbeiter der Sparkasse an der Lippe

Auch Sparkassen-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter streiken momentan für fairere Bezahlung. Das hatte auch im Bereich der Sparkasse an der Lippe schon Auswirkungen. Der Protest hat Gründe.

Es sei schon besonders, dass so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkasse streiken, berichtet Michael Bergmann (54), Vorsitzender der Sparkasse an der Lippe (Lünen, Selm, Werne). Das liege aber auch daran, dass sie sich eben in einer besonderen Situation befänden.

Bergmann vertritt in seiner Funktion die Interessen von rund 315 Mitarbeitern der Sparkasse an der Lippe. Gut 140, schätzt Bergmann, hätten sich an dem Streik beteiligt. Besonderer Stein des Anstoßes unter den Beschäftigten ist die sogenannte Sparkassensonderzahlung (SSZ). Denn diese jährliche Zahlung sinkt, so beschreibt Verdi die Forderung der Arbeitgeber, bis 2023 um mehr als 27 Prozent. Das bedeutet konkret: Erhält ein Beschäftigter der EG6 2020 noch über 2800 Euro in der SSZ, sind es nach den Plänen 2023 nur noch 2076 Euro.

„Das Gegenteil von Wertschätzung“

„Der Arbeitgeberverband argumentiert, dass die wirtschaftliche Situation der Sparkassen so schlecht ist“, sagt Bergmann. Ginge es aber um eine Tariferhöhung, von der durch ihr hohes Grundgehalt besonders die Vorstände profitieren, sei von wirtschaftlichen Einschränkungen plötzlich keine Rede mehr.

Die Gewerkschaft Verdi nennt das Angebot der Arbeitgeber „das Gegenteil von Wertschätzung“, spricht von vielen Nullmonaten, langen Laufzeiten und wenig Gehaltssteigerung. „Die Arbeitgeber nutzen die Corona-Situation schamlos aus und verschärfen den Konflikt, während sie von uns Kompromissbereitschaft erwarten“, heißt es in einem Flyer der Gewerkschaft.

Zuletzt streikte die Belegschaft deshalb großflächig am Dienstag (20.), was dazu führte, dass nur noch in der Hauptstelle an der Graf-Adolf-Straße in Lünen eine Notbesetzung vor Ort war. Alle weiteren Geschäftsstellen in Lünen, Selm und Werne blieben geschlossen.

Die nächste Verhandlungsrunde läuft am Donnerstag (22.) und Freitag (23.). „Wir werden abwarten müssen, wie die Arbeitgeber reagieren – ob es eine Einigung gibt“, sagt Bergmann. Wenn nicht, sei mit weiteren Streikmaßnahmen in den nächsten Wochen zu rechnen.

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Marc Fröhling

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