Sieben Wochen Hitze soll es geben, glaubt man der Bauernregel zum Siebenschläfertag. Wir haben nachgefragt, was dran ist an der alten Wetterbeobachtung und was Lüner Landwirte davon halten.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 27.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Für Donnerstag (27. Juni) verspricht die Wettervorhersage strahlenden Sonnenschein bei knapp unter 30 Grad - ohne Niederschlag. Am Wochenende soll es noch einmal richtig heiß werden und in der kommenden Woche ab und zu gewittern. Soweit die Prognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Glaubt man dem Bauernkalender, gibt es also in den kommenden sieben Wochen Hitze bei wenigen Schauern ohne länger andauernden Niederschlag. Denn am 27. Juni ist Siebenschläfertag. „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag“, lautet eine Variante der dazugehörigen Bauernregel.

Hitze und Dürre wären „katastrophal“

Eine solche Wetterlage wäre „für die Landwirtschaft katastrophal“, sagt der Lüner Landwirt Carl Schulz-Gahmen. Denn nachdem sich im Mai die Pflanzen ausgebildet haben, werden die Körner in dieser Wachstumsperiode gefüllt. Fehlt andauernder Niederschlag, bleiben sie klein, die Ernte fiele erneut schlecht aus.

Nach einer guten Blütezeit im Mai sei es jetzt schon wieder zu trocken. „Für kräftige Pflanzen, also eine gute Ernte, braucht es zwischen Anfang Juni und Mitte Juli eine gute Mischung aus Sonne und Regen“, erklärt Landwirt Christoph Plaas.

Noch seien die Wasserspeicher längst nicht wieder aufgefüllt. Im Gegensatz zu östlicheren Regionen Richtung Münster habe es in Lünen nach wie vor viel zu wenig geregnet, sagt der 40-Jährige.

Grundwasser noch längst nicht wieder gefüllt

Auch Landwirt Holger Brüggemann hat Bedenken: „Würde sich die Siebenschläferregel bewahrheiten, würde mich das schon sehr nervös machen“, sagt der 54-Jährige, dessen Betrieb sich nur aus Brunnen versorgt und nicht an das städtische Wassernetz angeschlossen ist. Friedhardt Freisendorf ist ebenfalls besorgt: „Der Grundwasserstand ist noch längst nicht wieder gefüllt. Mein Großvater sagte immer ‚mit einer Ernte auf dem Feld, einer auf dem Heuboden und einer auf dem Konto übersteht man auch mal ein Dürrejahr‘. Was aber, wenn jetzt noch ein zweites kommt? Wenn im Abschlusstraining des Wachstums das Wasser fehlt, dann gibt es Kümmerkörner.“

„Im Märzen der Bauer“ stimmt heute nicht mehr

Doch die meisten der örtlichen Landwirte schenken dieser Bauernregel ohnehin keine große Bedeutung.

Christoph Plaas, der den Familienbetrieb vor vier Jahren übernommen hat und Weizen, Gersten, Mais und Raps anbaut, sagt: „Die Regeln beruhen auf Wetterbeobachtungen und sind teilweise hunderte Jahre alt. Früher, als es noch keine fundierten Wetterprognosen gab, waren sie einfach ein Anhaltspunkt, der auf Erfahrungswerten beruhte. Hier mischen sich Volksglaube und Wetterbeobachtungen. Wir richten uns jetzt ausschließlich nach der Drei-Tage-Prognose des Wetterdienstes.“

Auch Holger Brüggemann sagt: „Dieses „im Märzen der Bauer...“ hat heute keine Bedeutung mehr. So richtig kann man sich wegen der Klimaerwärmung nicht mehr nach den Bauernregeln richten.“ Es gebe ein neues Wetter, auf das man sich einstellen muss. Von seinen Schwiegereltern, von denen er den Hof übernommen hat, weiß er noch, dass sie sich nach Bauernregeln in Kalendern und Büchern richteten.

Bauernregeln haben wegen des Klimawandels keine Bedeutung mehr

„Vielleicht stehen die Siebenschläfer aber heute früher auf oder schlafen länger“, scherzt der 54-Jährige. „Jedenfalls können wir nicht mehr so langfristig planen, wie früher. Jetzt ist es so: wenn geerntet wird, wird geerntet. Ist heute das Wetter gut, wird rausgefahren. Da kann man nicht bis morgen warten, da ist es vielleicht schon wieder schlecht.“

Carl Schulz-Gahmen hingegen sagt den Bauernregeln nicht im Allgemeinen ab. Nur hätten die meisten im Zuge des Klimawandels keine Gültigkeit mehr. Trotzdem gäbe es noch ein paar allgemeingültige Regeln, an die man sich halten könne. „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun und Fass“ zum Beispiel. Denn das ist es, was Pflanzen in dieser ersten Wachstumsphase brauchen.

Und Friedhardt Freisendorf ist überzeugt: „Wenn zu dieser Jahreszeit eine stabile Hochdruckwetterlage kommt, bleibt das auch einige Wochen so.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Bauernregeln tatsächlich bestätigen, sei hoch, sagt der 63-Jährige. „Unsere Urahnen haben viel daraus abgelesen. Heute ist es schon fast zum Beiwerk geworden, gehört aber auf jeden Fall noch dazu.“

Wetterdienst bestätigt die Tendenz

Tatsächlich bestätigen meteorologische Untersuchungen eine Stabilität der Wetterlage rund um den Siebenschläfertag für Westdeutschland zu etwa 65 Prozent. Für Süddeutschland liegt der Wert sogar bei 70 Prozent. „Aber das an einem Tag fest zu machen, ist Quatsch“, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Relevant sei ein Zeitraum von zwei Wochen, der dann auf eine stabile Wetterlage in den kommenden sechs Wochen hindeutet.

Tatsächlich verschob sich der Siebenschläfertag aufgrund der Reform des julianischen Kalenders im Mittelalter vom 7. Juli auf den 27. Juni.

Für Lünen herrscht also nach einer Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent in den kommenden Wochen Hitze mit gelegentlichen Gewittern. Längere Regenperioden blieben dann aus. Keine guten Aussichten für die Landwirte also.

Lesen Sie jetzt