Unterricht für Nichtschwimmer kann derzeit aufgrund der Pandemie auch in Lünen nicht stattfinden - DLRG und Schwimmvereine befürchten schlimme Folgen. © Schulz-Gahmen (A)
Lippe-Bad

Schwimmkurse in Lünen: Droht eine neue Nichtschwimmer-Welle?

Bis zu zwei Jahre müssen laut DLRG Kinder in Lünen auf einen Platz im Schwimmkurs warten. Die Corona-Pandemie hat diese Situation noch verschärft. Die Suche nach einer Lösung ist schwierig.

Der Adressat war nicht anwesend, dennoch stellte der fraktionslose Ratsherr Andreas Mildner in der Sitzung am 5. März die Frage an den zuständigen Dezernenten Horst Müller-Baß: „Was ist mit den Ergebnissen der Umfrage zu Schwimmfähigkeiten von Grundschulkindern?“ Eine Antwort bekam er nicht – und wie die Stadt auf Nachfrage erklärt, wird sich nicht nur Andreas Mildner noch etwas gedulden müssen: „Die Umfrageergebnisse sind im Moment noch nicht vollständig. Es laufen immer noch Antworten ein, die in das Ergebnis eingearbeitet werden müssen“, teilt der stellvertretende Stadtsprecher Alexander Dziedeck mit.

Im November 2020 hatte die Verwaltung alle Eltern von Kindern der ersten und vierten Klassen in Lünen zur Schwimmfähigkeit ihrer Kinder befragt. Damit will die Stadt Lünen herausfinden, wie es um die Schwimmfähigkeit unter den Lüner Kindern bestellt ist.

DLRG rechnet mit weiterer Verschlechterung

Glaubt man der DLRG-Kreisgruppe Lünen, gibt es wenig Grund zum Optimismus: „Legt man die repräsentative Forsa-Umfrage, die 2017 im Auftrag der DLRG durchgeführt wurde, zu Grunde, sind bundesweit knapp 60 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer, haben also nicht das Deutsche Schwimmabzeichen Bronze“, erklärt Kreisgruppensprecher Thomas Wiewora gegenüber unserer Redaktion. „Aus unseren Erfahrungen der letzten Jahre schätzen wir die Lage in Lünen ähnlich ein und hoffen, dass sowohl die Stadtverwaltung als auch die Politik die Grundlagen für eine bedarfsorientierte Schwimmausbildung in unserer Stadt schaffen.“

Schon vor der Pandemie hätten Eltern bis zu zwei Jahre auf einen Platz in einem Schwimmkurs warten müssen, was für Wiewora schon ein „deutliches Alarmsignal“ darstellte. „Und letztlich dürften sich die Zahlen, sowohl die Quote der sicheren Schwimmer als auch die Wartezeiten, durch die coronabedingte Schließung des Lippe-Bades eher noch weiter verschlechtert haben.“

Wiewora führt zum Beleg die Ausbildungskapazitäten des Lippe-Bades im Jahr 2020 an: Bis zum ersten Lockdown im März hätten jeden Montag insgesamt 70 Kinder in der Anfängerschwimmausbildung betreut werden können. Während der Phase, in der ein eingeschränkter Betrieb möglich war, seien es noch 10 Kinder gewesen.

„Hätte sich längst an einen Tisch setzen sollen“

Mittlerweile ist das Lippe-Bad bekanntlich aufgrund der Pandemie komplett geschlossen. Auch für Andreas Mildner steht fest, dass die ohnehin schon große Delle der Nichtschwimmer-Kinder größer wird: „Das sind im Grunde schon zwei Generationen, die keinen Schwimmunterricht erhalten können“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Umso unverständlicher sei es für ihn, dass die Stadt offenbar untätig bleibe: „Man hätte sich doch schon längst mit allen Vereinen an einen Tisch setzen und über das Problem reden können.“ Die Stadt verweist derweil darauf, dass genau das geplant sei – wenn denn die Ergebnisse der Umfrage vorliegen.

Für Mildner ist klar, dass diese Ergebnisse das vorhandene Bild noch düsterer malen werden – und dass die Diskussion um vorhandene Wasserflächen wieder aufflammen wird. Seitdem das Lippe-Bad mehrere andere Schwimmhallen ersetzt, gibt es immer wieder Kritik von Politik und Vereinen, dass das es aufgrund geringer Wasserflächen zu wenig Zeiten für Schwimmkurse gebe. Auch für die DLRG-Kreisgruppe Lünen steht und fällt die Schwimmausbildung mit den Wasserzeiten: „Es ist daher dringende Aufgabe der Politik, die Priorisierung der verschiedenen Nutzergruppen des Lippe-Bades zum Wohle der Kinder unserer Stadt – zumindest zeitweise – zu überdenken und dadurch geeignete und bedarfsorientierte, zusätzliche Wasserzeiten für die Anfängerschwimmausbildung bereitzustellen“, sagt Thomas Wiewora.

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Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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