Birgit Bennewitz mit ihrem Gespann auf der Spazierfahrt. © Goldstein
Schlittenhunde

Schlitten statt Leine: Diese Lünerin führt ihre Hunde besonders aus

Birgit Bennewitz hat tierische Begleiter: Mit ihnen fährt die Lünerin Schlitten, auch ohne Schnee. Die Vierbeiner können nicht nur Wagen ziehen. Inuit haben sie auch als Babysitter eingesetzt.

Bei Schlittenhunden denken die meisten zuerst an Huskys mit eisblauen Augen, die durch eine verschneite Landschaft rennen und einen Kufen-Schlitten hinter sich her ziehen. Ganz anders ist jedoch das Gespann von Birgit Bennewitz aus Lünen-Alstedde. Sie hat Samojeden – eine Hunderasse, die von den Inuit gezüchtet und zur Arbeit eingesetzt wurde. Die weißen Vierbeiner haben Kraft, können mühelos einen Schlitten ziehen und sind auch noch gute Babysitter – denn bei den Inuit wurden sie zur Pflege der Kinder eingesetzt. Sie waren quasi Windelersatz.

Der Rüde Artos, seine Schwester Alvar (beide 10) und die Jüngste Tiva (3) sind das Dreiergespann, das den Schlitten zieht. Der hat Räder und keine Kufen. Komplett ist das Bennewitz‘ Rudel mit ihrer ältesten Hündin Limo (16), die lange Zeit Leithündin war, aber jetzt im Ruhestand ist. Limo ist ein Alaska-Husky, also die Rasse, die auch heute noch in schneereichen Gebieten vor den Schlitten gespannt wird. Mit ihrem Trio besucht Birgit Bennewitz auch regelmäßig Wettbewerbe und Veranstaltungen.

Urlaub mit drei Welpen

Wie kam es zu dem Schlittengespann? Durch Schneewittchen und die sieben Zwerge. „Damals wurden Alvar und ihre sieben Brüder, unter anderem Artos, geboren. Alvar wollten wir behalten und die Rüden vermitteln. Wir haben aber für Artos kein gutes Zuhause gefunden. Also haben wir ihn behalten.“ Bennewitz erinnert sich an einen Urlaub, in dem sie mit ihrer Familie und den Hunden auf Texel war. „Wir hatten zu der Zeit noch einen von Artos‘ Brüdern in Pflege, weil der künftige Besitzer ihn noch nicht abholen konnte, also waren wir mit drei Welpen im Urlaub. Das war total chaotisch, aber auch schön.“

Es wurde jedoch mit so vielen aktiven Hunden schwierig, Gassi zu gehen, geschweige denn Fahrrad zu fahren. Ein Jahr lang hat sich Birgit Bennewitz auf diese Art arrangiert. Die Lösung war es letztlich, einen Schlitten zu kaufen. „Ich habe einen Ausbildungskurs in der Nähe von Würzburg gemacht und Limo wurde dann meine Leithündin. Jetzt übernimmt diesen Job Alvar. Es ist wichtig, einen guten Leithund zu haben“, sagt sie. Das Schlittengespann ist nicht besonders schnell unterwegs und auf Wettbewerben meist weiter hinten, aber: „Es geht ja um den Spaß und nicht darum, etwas zu gewinnen.“

Mit mehr Hunden wäre das sicherlich anders, doch die 58-Jährige weist auch darauf hin, dass es gefährlicher sei. „Bisher hatten wir aber nur einen ‚Unfall‘ mit dem Schlitten, das war nichts Wildes. Wichtig ist es, an gefährlichen Stellen vorsichtig zu fahren. Die Bremsen und die Klingel sind essentiell, ich kann den Schlitten jederzeit vollständig ausbremsen.“ Der Schlitten ist vielseitig einsetzbar: Auf Schotter, Wiese und Asphalt. Bennewitz zieht ihren Hunden zum Schutz der Pfoten auf schwierigen Strecken spezielle Schuhe an. „Die sind aber nach drei Läufen meistens schon hinüber.“

Samojeden arbeiten gerne

Wer von den charakteristischen Vierbeinern mit dem langen weißen Fell angetan ist, sollte auf einige Dinge achten. „Man sollte immer daran denken, dass Samojeden Tiere sind, die gern arbeiten wollen. Sie haben rassetypische Eigenschaften, die man beachten sollte.“ Samojeden seien Familienhunde und gut geeignet für einen Haushalt mit kleinen Kindern, aber sollten nicht angeschafft werden, wenn ein Baby neu da ist – „der Hund bekommt sonst einfach zu wenig Aufmerksamkeit, die er aber braucht.“ Samojeden seien zudem Wachhunde, die auch gern laut ansagen, was sie denken.

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Birgit Bennewitz und ihre Schlittenhunde

Auch die Fütterung und Pflege ist anspruchsvoll: Etwa alle drei Wochen kauft Birgit Bennewitz einen 25 Kilogramm schweren Sack Futter. Kein Wunder, denn am Tag verputzen ihre vier Hunde etwa ein Kilogramm Futter. Und auch die Fellpflege ist wichtig: Die Hunde haben viel Fell, das zum Fellwechsel hin einfach überall ist. „Ich mache das aber immer so, dass ich das Fell auskämme und sammle, um es an eine Spinnerei zu senden. Die Spinnerei macht mir aus dem Fell dann Garn, mit dem ich mir zum Beispiel einen Schal stricken kann.“

Keine typischen Hunde fürs Büro

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der beachtet werden will, ist die Betreuung der Tiere: „Samojeden sind keine Hunde, die man typischerweise mit ins Büro nehmen kann. Das kommt aber natürlich auch auf den Charakter an.“ Die Hündin Tiva etwa sei viel zu energisch, als dass man sie mit in ein Büro nehmen könnte. Aber der Rüde Artos begleitet sein Frauchen manchmal zu ihrem Arbeitsplatz – einer Behindertenwerkstatt, wo Artos gern auch die Aufmerksamkeit der Beschäftigten genießt. Dabei achte Bennewitz jedoch immer genau darauf, wer sich gut mit Artos versteht und wer auf den Hund eher vorsichtig zugeht. „Alle, die Artos mögen, spielen gern mit ihm und sind absolut begeistert. Er wird dann von allen mit Streicheleinheiten verwöhnt.“

Will Bennewitz außerhalb von Lünen den Schlitten einsetzen oder fährt sie zu Wettbewerben, ist die Unterbringung der Hunde ebenfalls wichtig. „Wir haben einen Anhänger mit spezieller Belüftung, sodass die Hunde im Winter sogar darin schlafen können, nachdem sie sich bewegt haben.“ Der Schlitten passt bequem aufs Dach. Doch auch, wenn man sich einfach einen Samojeden anschaffen will, ist ein großer Wagen mit reichlich Platz essentiell.

Über die Autorin
Volontärin
Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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