Heinrich Kleinschnittger am Sonntag Vor seinem Salon in der Lüner City. © Sylvia vom Hofe
Corona-Gipfel

Schere statt Schneeschieber: Lüner Salon Uschi sehnt sich nach Öffnung

Friseure dürfen ab dem 1. März öffnen - früher als Handel und Gastronomie. Ein Berufsstand atmet auf, auch die Kleinschnittgers vom Salon Uschi mitten in Lünen. Es gibt aber noch Fragen.

Den ganzen Mittwoch (10. 2.) über lief bei den Kleinschnittgers das Radio. Nicht wegen der Musik, sondern wegen der Neuigkeiten aus Berlin. Der Corona-Gipfel tagte. Es ging um mögliche Lockerungen vom Lockdown.

Heinrich Kleinschnittger und seine Ehefrau sind beide Friseurmeister. Am 16. Dezember mussten sie ihren Salon Uschi am Markt im Lüner Zentrum schließen – genauso wie alle anderen Friseure in Deutschland ihre Geschäfte ebenfalls. Ein harter Einschnitt, nachdem sie bereits im Frühjahr beim ersten Corona-Lockdown sechs Wochen Zwangspause einlegen mussten. Dass sie, wie ursprünglich erhofft, nicht am 16. Februar wieder öffnen dürften, ahnten die Kleinschnittgers bereits. Dass daraus jetzt der 1. März werden würde – früher als Gastronomie und Einzelhandel – konnten sie am Nachmittag nur hoffen. Inzwischen ist das Gewissheit.

Lässt sich mit FFP2-Masken denn arbeiten?

Unter hohen Hygieneauflagen werde es den Friseuren erlaubt, am 1. März wieder zu öffnen, war aus der Bund-Länder-Versammlung bereits zu erfahren, als Kanzlerin und Länderchefs über andere Fragen noch stritten. Hohe Auflagen in Sachen Hygiene hätten sie schon vorher erfüllt, sagt Heinrich Kleinschnittger. In seinem großen Salon hat er eigentlich 18 Plätze. Seit der Pandemie bleibt jeder zweite aber frei: zwei Meter Platz zum jeweiligen Nachbarn. Masken seien auch eine Selbstverständlichkeit. Bei FFP2-Masken könnte es aber schwierig werden.

„Gemäß Vorgaben des Arbeitsschutzes ist die durchgehende Tragedauer von FFP2-Masken bei gesunden Menschen begrenzt (siehe Herstellerinformationen, in der Regel 75 Minuten mit folgender 30-minütiger Pause), um die Belastung des Arbeitnehmers durch den erhöhten Atemwiderstand zu minimieren“, heißt es beim Robert-Koch-Institut. Die anderen medizinischen Masken, die sogenannten OP-Masken mit CE-Kennzeichen, bieten ebenfalls hohen Schutz, schränken beim Tragen aber nicht so ein, weil sie nicht so dicht anliegen am Gesicht.

Noch kein Cent öffentliche Hilfe ist angekommen

Über die genauen Vorgaben zur Öffnung werden sich die Kleinschnittgers noch informieren. Hauptsache, es geht es überhaupt wieder los. Die Lockdown-Zeit sei schwer zu ertragen – auch weil die angekündigten Hilfen auf sich warten lassen. „Bei uns ist noch kein Cent angekommen“; sagt Heinrich Kleinschnittger. Den Antrag für die Überbrückungshilfe habe er noch gar nicht stellen können. Der auf Kurzarbeit sei auch noch nicht genehmigt. Ehepaar Kleinschnittger hat noch eine Mitarbeiterin im Salon, auch eine Friseurmeisterin: für alle drei eine unsichere Situation voller Existenzsorgen. „Die Kosten laufen ja weiter.“ Zum Glück brauchen sie keine Miete zu zahlen, weil sie selbst Eigentümer sind. Dennoch. Lange kann es auch bei ihnen so nicht weitergehen. Kein Einzelfall.

„Licht an, bevor es ganz ausgeht!“ – unter diesem Motto hatten sich Ende Januar die Mitgliedsbetriebe der Friseur-Innung Dortmund und Lünen an einer bundesweiten Aktion des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) beteiligt. Sie ließen 24 Stunden lang das Licht brennen, damit alle sehen sollten, wie dramatisch die Situation ist.

Keine Arbeit im Salon, aber davor

Heinrich Kleinschnittger machte zuletzt nicht nur das Licht an, sondern arbeitete auch – allerdings nicht im Salon mit Kamm und Schere sondern vor der Tür – mit der Schneeschaufel. Gleich mehrfach am Tag hat er den frisch gefallenen Schnee weggeschippt und auch am Montag und Dienstag dafür gesorgt, dass niemand ins Rutschen kam vor der Tür seines 1976 eröffneten Salons. Schwere Winter und Auf und Abs hat er seitdem immer erlebt, „aber eine solche Situation wie jetzt noch nicht“. Immerhin: Seit Mittwoch gibt es eine Perspektive. Noch 19 Tage.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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