„Schatz, wir bekommen Zwillinge!“ - Reaktionen, Herausforderungen und Erfahrungen

dzLüner Zwillingseltern berichten

Von der Erkenntnis „es werden Zwillinge“ bis zur Erziehung von Mehrlingskindern: Drei Eltern aus Lünen erzählen von ihren Erfahrungen mit ihrem doppelten Kinderglück.

Lünen

, 26.05.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Göknur Aydin-Günel (41) ist Zweifach-Mama. Allerdings kamen ihre beiden Kinder, anders als bei den meisten Müttern, zur selben Zeit auf die Welt. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters hatte sie sich darauf eingestellt, dass sie nur ein Kind haben wird. Als ihr Arzt bei der ersten Ultraschalluntersuchung feststellte, dass es Zwillinge werden, brach sie in Tränen aus. „Ich war total geschockt, darauf war ich nicht vorbereitet“, erinnert sich die Gesamtschullehrerin. Ihr Ehemann, Yusuf Günel, hingegen hätte es die ganze Zeit über schon geahnt und sich dementsprechend gefreut.

Auch Andrea Lamers (41) reagierte zuerst schockiert auf die Nachricht, dass sie zwei Kinder gebären wird. Ihr Mann Marc-André sah seine weinende Frau und hatte Angst, dass dem Kind etwas fehlen könne. „Als ich dann hörte wir bekämen Zwillinge, da war ich einfach nur erleichtert“, erzählt der 45-Jährige.

Ganz anders erging es Familie Messer. Nach einer Kinderwunschbehandlung war den werdenden Eltern klar, dass die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsgeburt hoch sei. Petra und Christian Messer berichten, dass rund 80 Prozent der erfolgreichen Kinderwunschbehandlungen zu Mehrlingsgeburten führten.

Zwei der drei Mütter hatten aufgrund ihrer Risikoschwangerschaften Kaiserschnitte. Die Kinder von Familie Messer und Familie Lamers wurden bereits vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin geholt. Die Geburt der Töchter von Göknur Aydin-Günel war spontan. „Beide waren innerhalb von eineinhalb Stunden da, es war eine Traumgeburt“, erzählt die Mutter von Ayla und Naile (2). Alle Kinder wurden in der Dattelner Kinderklinik auf die Welt geholt. Diese hat sich auf Mehrlingsgeburten spezialisiert.

„Schatz, wir bekommen Zwillinge!“ - Reaktionen, Herausforderungen und Erfahrungen

Göknur Aydin-Günel war von der Nachricht, dass sie Zwillinge bekommt, völlig überrascht. Ihr Mann dagegen war es nicht. © Schulz-Gahmen

„Eingrooven“ dauerte

Nach jeweils einer Woche Krankenhausaufenthalt nach der Geburt, stießen die drei frischgebackenen Elternpaare auf erste Schwierigkeiten. Von anderen Eltern hatten sie bereits gehört, wie anstrengend es werden könne. „Aber es sind ja zwei Kinder. Man versucht, einen Rhythmus zu finden und die Kinder halbwegs synchron zu bekommen“, erinnern sich Andrea und Marc-André Lamers.

Auch Petra Messer (49) denkt zurück und sagt: „Ich glaube, wir haben zwei Wochen zum „eingrooven“ gebraucht, dann konnten wir allmählich auch mit Justus und Moritz (4) im Kinderwagen spazieren gehen“. Sie sei froh gewesen, dass beide Elternteile in Elternzeit gehen konnten.

Dass Zwillinge ganz anders seien als ein einzelnes Kind, könnten ihre Eltern nicht behaupten. Die 49-Jährige empfindet es lediglich als schwierig, beide gleichzeitig zu händeln: „Es ist ja so, dass man immer zwei Hände zu wenig hat. Während ich mich eine Minute um den einen kümmere, macht der zweite den nächsten Quatsch hinter meinem Rücken.“

Auch Andrea Lamers und ihrem Mann fiel es zunächst schwer, beiden Kindern gleichzeitig gerecht zu werden. „Marleen und Marie (2) hatten ja gleichzeitig die selben Bedürfnisse. Aber selbst wenn mal nur eine von beiden schrie, hat das die andere zum Mitmachen motiviert“, berichtet die Diplom-Verwaltungswirtin. Göknur Aydin-Günel bestätigt das: „Wenn die eine nach links lief, lief die andere nach rechts.“

Zwilling und doch verschieden

Zwillinge sind bekannt dafür, dass sie alles zusammen machen, die gleichen Interessen haben und überhaupt nicht ohne einander können, so lautet zumindest ein Klischee über diese besonderen Geschwister. Diesen Eindruck hat Petra Messer nicht: „Unser Moritz ist der Erstgeborene und von der Statur kräftiger als sein Bruder. Vom Wesen her ist er emotionaler als der zweitgeborene Justus.“ Moritz selbst sagt: „Justus ist der Chef!“

Alles müssten die Zwillinge auch nicht zusammen machen, so die Versicherungskauffrau. Manches interessiere beide, anderes interessiere eben nur einen. Mit Moritz gehen seine Eltern schwimmen. Turnen und Musikschule steht dann wieder für beide Zwillinge auf dem Programm.

Auch Ayla und Naile sind in vielem unterschiedlich. „Naile ist sehr musikalisch und schnappt unglaublich viel auf, während Ayla viel herumspringt und klettert. Wir nennen sie auch Sporty Spice“, witzelt die 41-Jährige.

Marleen und Marie Lamers seien beide musikaffin. „Charakterlich unterscheiden sich die zwei aber schon. Die eine betreibt ,learning by doing` und ist eher ein kleiner Spring-ins-Feld, während die andere ,learning by watching´ bevorzugt und erst genau darüber nachdenkt“, erklärt ihr Vater. Andrea Lamers ergänzt: „Sie haben jetzt das Zusammen-sind-wir-stark-Prinzip entdeckt. Sie helfen sich gegenseitig und haben Angst, dass die jeweils andere von etwas zu wenig bekommen könnte.“ Das heiße aber nicht, dass sie auch die Aufmerksamkeit der Eltern teilen wollten.

„Schatz, wir bekommen Zwillinge!“ - Reaktionen, Herausforderungen und Erfahrungen

Marleen und Marie (v.l.) Lamers haben ihre eigenen Köpfe. Äußerlich unterscheiden sie sich kaum. Charakterlich schon eher. © Schulz-Gahmen

Weniger Zeit für Sorgen

“Ich denke die Erziehung an sich ist nicht anders als bei einem Kind. Irgendwann relativiert sich das Zwillingsein und man behandelt sie wie andere Geschwister auch“, vermutet die Mutter von Ayla und Naile. Es sei allerdings eine große Hilfe, dass sich die beiden auch für kurze Zeit miteinander beschäftigen könnten. So bliebe Göknur Aydin-Günel zwischendurch Zeit für kleine Pausen.

Auch Petra Messer meint: „Da tut sich eigentlich nix. Vermutlich hat man nur weniger Zeit um sich zu sorgen, weil man immer beschäftigt ist.“

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