Die Fassade reißt ab. Diesen Anblick des Hauses an der Lünener Straße müssen Anwohner schon seit Jahren ertragen. © Günther Goldstein
Wohnen in Selm

Schandfleck von Bork steht am Wendepunkt: Hoffnung auf Abriss

Der erste Eindruck zählt. Wenn das stimmt, steht es schlecht um Bork - zumindest wenn man von Lünen aus kommt. Direkt am Ortseingang verfällt seit Jahren ein Haus. Aber es besteht Hoffnung.

Einige Fenster sind zugemauert, andere eingeschlagen, oder es klaffen nur dunkle Löcher. Und wo andere Häuser einen Giebel haben, klafft bei dem Gebäude an der Ecke Lünener Straße/Zum Wegebild eine bedenkliche Lücke, und Träger ragen ins Nichts. Damit Passanten nicht von herunterfallenden Steinen verletzt werden, ist ein Bauzaun aufgestellt. Er schirmt Fußgänger ab – aber nicht die Blicke. Und die werden abgestoßen von der Ruine. Neuerdings gibt es aber Hoffnung auf Veränderung.

Jahrzehnte lang war das Haus ein beliebter Treffpunkt

Zu sehen ist davon allerdings noch nichts. Nach wie vor unverändert steht direkt am Ortseingang in Bork das, was die meisten im Ort nur Schandfleck nennen. Früher war es genau das Gegenteil: eine Einladung zu verweilen. Die einstige Gaststätte – in Bork als Haus Kampmann bekannt – war ein beliebter Treffpunkt für Vereine und Familien.

Erst hatten die Kampmanns sie selbst betrieben, Mitte der 1960er-Jahre verpachtet. Als das letzte Pächterehepaar vor mehr als zehn Jahren erkrankte, begann die Zeit die Leerstandes. Daran konnte auch der Verkauf 2013 an eine Unternehmerin aus Dortmund und ihre Familie nichts ändern. Im Gegenteil. Die begonnenen und dann abrupt beendeten Umbauarbeiten haben das Bild noch zum Nachteil verändert.

Nachbarschaftsstreit um Baugrenze beigelegt

Anstatt das Haus für ihre Wohnzwecke umzugestalten, lag nach dem Kauf die Baustelle brach: fast fünf Jahre lang. Der Grund war ein Nachbarschaftsstreit über Baugrenzen. Der wurde 2018 beendet. Die neue Eigentümerin willigte ein, zum Nachbargrundstück hin zwei Meter des Hauses zu kappen: daher der seltsame Giebel mit den ins Nichts stoßenden Trägern. Die Eigentümerin hatte sich 2018 im Gespräch mit der Redaktion erleichtert gezeigt, durch den endlich gelösten Streitpunkt freie Bahn für ihr Projekt zu haben – tat aber im Folgenden nichts.

Auch von dieser Seite sieht es nicht besser aus. Das Haus Musste um zwei Meter eingekürzt werden.
Auch von dieser Seite sieht es nicht besser aus. Das Haus musste um zwei Meter eingekürzt werden. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Untragbar sei dieser Stillstand, war auch in den politischen Sitzungen regelmäßig zur hören. Etwas anderes aber auch: Dass der Stadt die Hände gebunden seien. Lediglich auf die Sicherung der Baustelle könne sie hinwirken, aber nicht auf eine grundsätzliche Verbesserung der Situation. „Das ist doch kein Zustand“, sagt Norbert Wesselmann, Sprecher der Interessensgemeinschaft Borker Bürger (IGBB). Für Bork bedeute das Haus „einen massiven Imageverlust“. Andere Orte putzen sich am Ortseingang hübsch heraus, „und wir haben das“. Vielleicht aber nicht mehr lange.

Die Stadt habe das Gespräch aufgenommen, bestätigt Selms Sprecher, Malte Woesmann. Offensichtlich mit Erfolg: „Der Eigentümer beabsichtigt nun, das Gebäude abzureißen. Anschließend soll ein neuer Bauantrag gestellt werden.“ Konkreter will die Stadt noch nicht werden.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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