Sechse Kitas in Lünen sind als „Faire Kitas“ zertifiziert. Dafür bekommen sie auch Fördergelder vom Land NRW. Aber was macht eine Kita eigentlich „fair“? © Beate Rottgardt (A)
Faire Kindertagesstätten

Rund 170.000 Euro Förderung: Faire Kitas in Lünen erklären Konzepte

Die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW schüttet 168.500 Euro an das Projekt Faire Kitas in Lünen aus. Die Einrichtungen erklären ihre Konzepte und ab wann eine Kita sich „fair“ nennen darf.

Der Förderkreis Faire Kita Lünen bekommt in den kommenden zwei Jahren 168.500 Euro für das Projekt „Faire Kitas – eine nachhaltige Zukunft gemeinsam gestalten“ ausgeschüttet. Das teilt die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW mit. Davon profitieren können in Lünen gleich sechs Kitas, unter anderem die städtische Kita Rudolph-Nagell. Die ist seit dem Start des Projektes 2012 mit dabei, hat das Projekt begleitet und ausgebaut. Außerdem ist sie seit 2013 als faire Kita ausgezeichnet und war damit die erste Einrichtung im Kreis Unna.

Was bedeutet „Faire Kita“?

Doch was bedeutet es eigentlich, eine Faire Kita zu sein? Claudia Pempelforth, Projektleitung für den Förderkreis Faire Kita, erklärt: „Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, den Kitaalltag nachhaltiger zu gestalten, mit Hinblick auf eine nachhaltigere Zukunft.“ Entsprechend beschäftigen sich faire Kitas vor allem mit den Themen fairer Handel und nachhaltige Entwicklung. Die Kitas können sich zertifizieren lassen, wenn sie bestimmte Kriterien in ihrer Einrichtung umsetzen.

„Dazu gehört die Nutzung von mindestens zwei fairen Produkten in der Einrichtung sowie Bildungsarbeit mit den Kindern und Öffentlichkeitsarbeit in Form von Elternbriefen und Aushängen oder Projekten“, so Pempelforth. Die konkrete Umsetzung der Vorgaben können Kitas selbst gestalten – es sei dem Förderkreis vor allem wichtig, dass diese zur Kita passen.

Das Fair Trade Logo ist eines von vielen offiziellen Symbolen, die fairen Handel zertifizieren.
Das Fair Trade Logo ist eines von vielen offiziellen Symbolen, die fairen Handel zertifizieren. © picture alliance / dpa © picture alliance / dpa

Der Förderkreis unterstützt die zertifizierten Einrichtungen mit Fortbildungen, Projektvorstellungen und Vernetzungstreffen sowie Informationen zur fairen Beschaffung von Spielzeug. Kitas, die an dem Projekt teilnehmen wollen und die Kriterien nachweislich erfüllen, werden für drei Jahre ausgezeichnet und können ihre Auszeichnung jederzeit verlängern lassen.

Die Kita Paul Gerhardt in Lünen etwa ist seit 2017 zertifiziert und legt den Fokus auf Mülltrennung und Aufklärung darüber, wo faire Produkte herkommen. Außerdem setzt die Einrichtung selbst auf faire Produkte. „Für die Erwachsenen haben wir fair gehandelten Kaffee und Tee, für die Kinder haben wir Bananen und Tee“, sagt Kitaleiterin Stefanie Alberternst. Ein mal im Jahr gibt es zudem einen Elterntag zum Thema Fair Trade und Upcycling – also der Wiederverwertung von Gegenständen, die sonst im Müll gelandet wären.

„Wir haben dazu viel positive Rückmeldung auch von den Großeltern der Kinder erhalten. Es gibt viele gute Ideen, die sich auch zuhause umsetzen lassen“, sagt Alberternst. Auch die Kinder würden ein Bewusstsein für Fair Trade entwickeln und es anderen erklären. „Die Kinder weisen die Eltern im Geschäft zum Beispiel darauf hin, wenn es Produkte in Fair Trade gibt.“ Auch Upcycling und einen wertschätzenden Umgang mit den Spielzeugen in der Kita und der Umwelt gehöre dazu.

Agenda für Nachhaltigkeit

Wie weitere Projekte aussehen, zeigt sich auch am Beispiel des Vorreiters an der Rudolph-Nagell-Straße. Die städtische Kita beteiligt sich an der so genannten Agenda 2030, die von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurde. Diese beinhaltet 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung. Die Kita entwickele, so Pressesprecher Benedikt Spangardt, anhand der Agenda Zielsetzungen, Haltungen und Werte, die man den Kindern mit auf den Weg gebe. Außerdem gibt es einmal im Monat einen „stromfreien Kitatag“ und wöchentlich eine „Faire Teestunde“, in der die Kinder ein anderes Land kennenlernen.

Weitere Projekte beinhalten Bienenrettung und Kinderrechte. Zudem kooperiere die Kita mit dem Netzwerk Faire Kita NRW, dem Klima-Kita-Netzwerk, Innowego (Forum für Bildung und Nachhaltigkeit), dem Aktionskreis Fairer Handel in Lünen sowie der Lüner Nachhaltigkeitsbeauftragten.

Auch vier Kitas der katholischen Kirchengemeinde St. Marien sind als fair zertifiziert: St. Gottfried, St. Marien und St. Norbert und das Familienzentrum Lünen Nord. „Grundsätzlich sensibilisieren wir die Kinder im täglichen Miteinander für Faires Handeln. Sie lernen die Fairen Logos kennen, helfen Ressourcen einzusparen und bewusst zu leben“, sagt Verbundleiterin Jutta Beese. Und auch im Kita-Alltag ist nachhaltiges Handeln fest verknüpft. Zu Feiern und Festen werden fair gehandelte Süßigkeiten und Kekse gekauft sowie zu Koch- und Backaktionen faire Zutaten.

Müllvermeidung und Upcycling

Und auch Müllvermeidung und Upcycling sind in den Kitas ein Thema. „Die neuen Kinder erhalten ein selbst genähtes Lunchbag zum nachhaltigen Transport des Frühstücks in die Kita“, so Beese. Bastelaktionen werden oft mit Materialien gestaltet, die sonst im Müll landen würden – etwa Joghurtbecher oder Deckel. Hinzu kommen soziale Projekte wie die Sternsingeraktion und eine Kleidersammlung für die Ukraine. „Außerhalb der Corona-Zeit haben wir Faire Wochen, Faires Frühstück und Faire Feste angeboten. Außerdem beteiligen wir uns an Aktionen, die zur Fairen Stadt Lünen veranstaltet werden.“

Über die Autorin
Volontärin
Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
Zur Autorenseite
Denise Felsch

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.