Der Güterumschlag des Stadthafens ist im vergangenen Jahr gesunken. Seit Mitte Februar 2021 wickelt der Betrieb am Kanal einen bis dahin neuen Auftrag ab. © Stadthafen
Güter-Umschlag

Rückgang bei Kohle und Stahl: Käfer bringt Lüner Hafen neuen Auftrag

Immer weniger Kohle und Stahl werden im Lüner Stadthafen umgeschlagen. Dafür ist ein Produkt im Aufwind, das für den Betrieb am Kanal Neuland bedeutet. Es hat mit dem Borkenkäfer zu tun.

Am Kai des Lüner Stadthafens lagern mitunter 12 Meter lange Baumstämme. Es ist Holz aus dem Sauerland. Ein Opfer des Borkenkäfers. Für den Hafenbetrieb am Datteln-Hamm-Kanal bedeutet das Stammholz eine neue Herausforderung. Seit Mitte Februar lädt der Holzgreifer des vor sechs Jahren angeschafften Hydraulikkrans die Stämme von Lastwagen auf Schiffe, die sie nach Norddeutschland bringen. Ein Teil kommt auch auf Züge mit dem Ziel Österreich. Bis September wird der Auftrag den Hafen beschäftigen. Sechs bis acht Schiffe im Monat machen eigens für den Holztransport in Lünen fest. Vier Züge verlassen monatlich den firmeneigenen Gleisanschluss und lassen jeweils 1200 Tonnen Baumstämme nach Süden rollen.

Es ist eine neue Nische, in die die Stadttochter Stadthafen GmbH vordringt. Nicht ganz so rentabel wie Massengut, „aber es rechnet sich“, sagt Hafen-Betriebsleiter Andreas Hüsing. Ein wichtiger Auftrag sind die Stämme allemal, denn die traditionellen Güter wie Kohle und Stahl werden immer weniger. Die Schließung von Kraftwerken macht sich bei der Kohle bemerkbar. Wurden 2017 noch 270.000 Tonnen umgeschlagen, waren es 2020 nur noch 82.000. Hüsing schätzt, dass das auch so bleiben wird. Was jetzt noch an Kohle durch den Hafen geht, wird für die Zementindustrie oder Großgärtnereien zum Heizen gebraucht. Kraftwerke kommen da nicht mehr vor. Stahl ist von 63.000 Tonnen um die Hälfte eingebrochen.

Gesamtumschlag um 12,1 Prozent gesunken

Es ist ein Wandel, den der Hafen spürt. Und nicht nur den. Corona hat im vergangenen Jahr die Bilanz infiziert. Mit 871.800 Tonnen lag der Gesamtumschlag um 12,1 Prozent niedriger als im Vorjahr. Da war man der stets angepeilten Million an Umschlagstonnen mit 992.130 deutlich näher. „Februar bis Juli war durch Corona geprägt“, so Hüsing. Dennoch zeigt sich der Hafenchef zufrieden. „Ich hatte es mir schlechter vorgestellt“, sagt er. Seit August bewegen die Kräne wieder 70- 80.000 Tonnen im Monat. 411 Schiffe gingen 2020 vor Anker, im Jahr davor waren es mit 421 kaum mehr.

Nicht nur auf Schiffe, auch auf Güterwaggons werden die Baumstämme aus dem Sauerland verladen.
Nicht nur auf Schiffe, auch auf Güterwaggons werden die Baumstämme aus dem Sauerland verladen. © Stadthafen © Stadthafen

Fast komplett verflogen ist das Thema Flugasche: Der Umschlag sank von 32.500 auf 1600 Tonnen. Auch eine Folge der Kraftwerksschließung. Interessanterweise hat sich bei Gips die Lage gedreht: Statt 173.200 Tonnen wurden im vergangenen Jahr 280.000 Tonnen umgeschlagen. Früher kam der Gips direkt aus den Kraftwerken, heute müssen ihn Kunden importieren.

So wie Hüttensand, den die Zementindustrie braucht. An einem 50.000-Tonnen-Auftrag aus der Türkei, der über Rotterdam abgewickelt wurde, waren mehrere Häfen beteiligt, auch Lünen. 20.000 Tonnen musste der Betrieb innerhalb einer Woche von Schiffen auf Lkw verladen. Hüsing spricht von einer Herausforderung, die der Kunde positiv gesehen habe.

Der Trend zu Importen verändert auch das Management der Lagerflächen im Hafen. 2019 waren noch alle vermietet, inzwischen schwindet der Bedarf. Bis Ende 2020 lagerte am Buchenberg noch das Altpapier der Städte Lünen, Selm und Werne. Inzwischen lässt es der Kreis Unna zum Brückenkamp bringen. Auch wenn der Hafen einen Nachmieter finden konnte, so ist doch der Umschlag komplett weggefallen.

Erstmals wieder zwei Auszubildende

Erstmals hat der Hafen wieder zwei Auszubildende, die Fachkraft für Hafenlogistik lernen. Insgesamt zählt der Betrieb 35 Beschäftigte. Im vergangenen Jahr wurden 800.000 Euro investiert, unter anderem in einen Bagger auf Rädern. Auch die Kaistraße und der 14 Kilometer lange Gleisanschluss müssen in Schuss gehalten werden. Investitionen werde es auch weiterhin geben, kündigte Andreas Hüsing für den Hafen an, der im August 107 Jahre alt wird. Allerdings hänge vieles auch von der Corona-Entwicklung ab.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
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Magdalene Quiring-Lategahn
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