Robert Hennig kandiert für den Wahlkreis Hamm - Unna II für den Bundestag. Seitdem sich der 63-Jährige in der AfD engagiert, haben sich viele Freunde und Familienmitglieder von ihm abgewandt. An seinem politischen Engagement hält der Hammer dennoch fest. © Andrea Wellerdiek
Bundestagswahl 2021

Robert Hennig (AfD) und der Kampf gegen den Nazi-Stempel

Als Jugendlicher hat er die Deutschlandfahne geschwenkt - als SPD-Urgestein Willy Brandt in seiner Heimat Hamm war. Heute engagiert sich Robert Hennig (63) für die AfD und ärgert sich, abgestempelt zu werden.

Er möchte diskutieren, Vorurteile aus dem Weg räumen. Doch oft hat Robert Hennig gar nicht die Chance dazu. Der 63-Jährige kämpft oft vergeblich darum, abgestempelt zu werden. Als Nazi.

Seitdem der gebürtige Litauer sich in der AfD engagiert, haben sich viele Freunde und Familienmitglieder von ihm abgewandt. „Mein Freundeskreis hat sich auf ein Zehntel reduziert. Ich habe kein Problem damit. Wenn man einen Politisch-Andersdenkenden ausgrenzt oder nicht akzeptiert, dann ist das keine richtige Freundschaft“, sagt der Mann aus Hamm, der für die AfD am 26. September in den Bundestag gewählt werden will.

Schon früh war Robert Hennig politisch interessiert. Er habe lange mit der SPD sympathisiert. Im Hammer Norden, wo er aufgewachsen ist, war Rot zu der Zeit das Maß aller Dinge. „Wer damals CDU gewählt hat, wurde schief angeguckt. Und er war der AfDler von heute“, sagt Hennig mit einem Schmunzeln.

Als Jugendlicher habe er Anfang der 70er-Jahre Kanzler Willy Brandt in Hamm erlebt. „Davon muss noch ein Bild existieren, auf dem im Hintergrund ein Jugendlicher eine Deutschlandfahne geschwenkt hat. Das war ich“, erzählt der Bundestagskandidat.

Als Robert Hennig, der gelernte Werkzeugmacher, einige Jahre später in Berlin lebt, stieg sein politisches Interesse. Mit der SPD konnte er sich lange identifizieren. „Helmut Schmidt habe ich verehrt. Egon Bahr war ein sehr guter Politiker, der unterschätzt wurde“, sagt Hennig. Doch mit der Ära Schröder habe sich das völlig geändert. „Ich hatte keine Gemeinsamkeiten mehr mit der SPD. Das Personal war unterirdisch“, sagt Hennig.

Durch Zufall ist er über einen Freund zur AfD gekommen. Statt meckern, selbst Missstände beheben – so könnte man die Motivation bezeichnen, die Robert Hennig 2017 zum Mitglied der AfD machte. Seitdem wird er oft abgestempelt – von Fremden, Freunden oder Familienmitgliedern.

„Sie sagen: ‚Das sind doch Nazis‘. Damit hat es sich.“ Das Erschütternde dabei sei, dass der Satz auch von Personen fällt, die Robert Hennig kennen. Eigentlich müssten sie wissen, dass er zuverlässig sei. „Wenn man eine Meinung fällt, ohne mit mir gesprochen zu haben, kann ich das nicht akzeptieren. Aber es ist für mich auch kein Verlust, wenn ich mit solchen Leuten nichts mehr zu tun habe. Das trifft auf einen großen Teil meiner Verwandtschaft zu.“ Hennig hält dennoch an der Politik fest. „Auf der anderen Seite gibt es Leute, die man nur sporadisch kennt und von denen man Zuspruch bekommt. Das sind die Momente, die einen aufbauen.“

Robert Hennig und seine Ziele

Robert Hennig hat konkrete Ziele für die Bundestagswahl. „Ich möchte mich dafür einsetzen, dass…“ – so ist die Formulierung, die er wählt. „Denn ich möchte nichts versprechen, was ich nicht einhalten kann“, erklärt der 63-Jährige. Er möchte sich dafür einsetzen, dass das Handwerk gestärkt wird, dass junge Menschen sich wieder für diese Branche interessieren. „Das ist sonst eine Sparte, die verschwindet. Es wurde nicht ausgebildet. Das wird sich rächen“, glaubt Hennig.

Zudem möchte er Leihfirmen weitestgehend abschaffen. „Das ist moderne Sklaverei. Damit werden Tarife der eigenen Firmen unterwandert“, sagt der Hammer. Er bezeichnet sich als „Verfechter der gesetzlichen Krankenversicherung“. Den Beamtenstatus sollten nur Angestellte bei Polizei, Zoll oder im Gesundheitswesen bekommen. „Ein Lehrer oder ein Verwaltungsangestellter bei der Stadt muss kein Beamter sein. Sie sollen gesetzlich krankenversichert sein und Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen“, fordert der Politiker, der sich schon vor Jahren gewundert hat, wie viel er aus eigener Tasche für eine orthopädische Behandlung zahlen musste.

Angesprochen auf den Wahl-Slogan der AfD – „Deutschland. Aber normal“ – möchte er, dass Werte wieder vermittelt werden. Er betont, dass er für Glaubensfreiheit und Toleranz steht. „Aber ich erwarte von jemanden, der nach Deutschland kommt, dass er die Grundregeln hier akzeptiert.“ Dazu zählt er insbesondere die Rechte der Frauen und Kinder.

„Es geht mir darum, dass Frauen kein Freiwild sind und sie respektvoll behandelt werden. Es sind häufig gläubige Muslime, die Frauen als minderwertig ansehen.“ Mehr Frauen würden sich wieder verschleiern, damit sie zeigen können, dass sie dem Glauben angehören und unter Schutz stehen. Für alle anderen Frauen würde das nicht gelten, so Hennig. Für ihn inakzeptabel ist die Beschneidung von Mädchen. „Das ist das schlimmste Unrecht, das passieren kann. Das ist etwas Bestialisches. Wenn ich dann etwas höre von ‚der friedliche Islam‘ kriege ich Plaque. Es gibt zig Stellen im Koran, die zum Mord an Juden und Christen aufrufen. Der Koran ist mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar“, so Hennig.

Für Hobbys bliebe ihm keine Zeit, freie Minuten genießt er gern im eigenen Garten, erzählt Robert Hennig.
Für Hobbys bliebe ihm keine Zeit, freie Minuten genießt er gern im eigenen Garten, erzählt Robert Hennig. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

Ihm vorzuwerfen, dass er ausländerfeindlich sei, sei „totaler Quatsch“. Nicht nur weil er selbst in Litauen geboren ist, in der Kindheit türkische Freunde hatte, sondern sich auch für einen türkischen Arbeitskollegen eingesetzt hat, damit der seine Meisterprüfung machen konnte. Dafür habe er die unbeliebte Mittagsschicht für zwei Jahre lang für den Kollegen übernommen.

„Er war mir dankbar. Jetzt bin ich in der AfD und er wechselt die Straßenseite, wenn er mich sieht. Ich bin der gleiche Mensch geblieben. Ich würde ihm gerne sagen: ‚Du hast einen deutschen Pass, du bist von der Mentalität her Türke und mit dem Herzen Türke. Dann bist du Patriot. Dann müsstest du mich doch verstehen.‘ Aber ich komme gar nicht dazu.“

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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