Risse in der Gesellschaft und Probleme in Vierteln: Warum ein Lüner in Sorge ist

dzMeinung am Mittwoch

Risse in der Gesellschaft, auch in Lünen heruntergekommene Straßenzüge und immer mehr Anhänger von rechtspopulistischen Parteien: Gastautor Heinz Werner Kleine macht sich Sorgen.

von Heinz Werner Kleine

Lünen

, 16.10.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich mache mir Sorgen um unser Land, in dem ich eine unbeschwerte Jugend hatte und bis zu meinem jetzt bevorstehenden Renteneintritt ein gutes Leben führen durfte.

Doch es zeigen sich immer größere Risse in unserer Gesellschaft. Wohlstand für alle mit Hilfe einer sozial gerechten Marktwirtschaft - mit diesem Versprechen bin ich in dieser Republik aufgewachsen. Der gesellschaftliche Friede und Zusammenhalt war dann auch ein Eckpfeiler des Erfolges der Bundesrepublik.

Der Friede ist in Gefahr

Doch dieser Friede ist durch vielerlei Faktoren in Gefahr. Topmanager großer Konzerne vernichten durch Größenwahn, Betrügereien oder einfach durch Unfähigkeit Zehntausende von Arbeitsplätzen. Bayer, Deutsche Bank, VW und Thyssen-Krupp sind Beispiele dafür.

Risse in der Gesellschaft und Probleme in Vierteln: Warum ein Lüner in Sorge ist

Heinz Werner Kleine. © Quiring-Lategahn

Gastautor Heinz Werner Kleine ist Chemielaborant und Kunstsammler.

Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer mehr auseinander. Trotz jahrzehntelangem wirtschaftlichen Aufschwung und sprudelnden Steuereinnahmen ist unser Ruhrgebiet nach dem Wegfall der Kohle- und Stahlindustrie zum Armenhaus Deutschlands geworden. Ganze Stadtviertel versinken im sozialen Elend. Kinderarmut und Arbeitslosigkeit sind hier höher als in den ach so abgehängten Gebieten in Ostdeutschland.

Auch in unserer Stadt, am Rande des Reviers, ist der Niedergang zu spüren. Mehr als die Hälfte des Haushaltes wird für soziale Ausgaben verbraucht. Ganze Straßenzüge sind nur noch ein Schatten ihrer Vergangenheit. Die Jägerstraße in Lünen-Süd, Waltroper Straße in Brambauer oder die Münsterstraße nördlich vom Bahnhof.

Jahrzehntelang Entwicklung verharmlost

In den heruntergekommenen Vierteln der Großstädte hat sich organisierte Kriminalität durch arabische Clans entwickelt, weil man jahrzehntelang diese Entwicklung ignoriert oder verharmlost hat. Weibliche Polizisten dürfen dort keine Streife mehr fahren, zu gefährlich. In diesem Milieu herrscht ein verachtenswertes Frauenbild. Höchstrichterlich darf man ja jetzt auch Frauen aufs Übelste beschimpfen. Elisabeth Selbert würde sich im Grabe umdrehen. Dazu kommen jetzt noch die Armutszuwanderer aus Osteuropa, die sich für Hungerlöhne verdingen müssen.

Antisemitische Wahlplakate in Lünen

Auch die Probleme der Migration sind noch gänzlich ungelöst. Die Bearbeitung von Asylanträgen zum Beispiel dauert im Durchschnitt immer länger statt kürzer. Kriminelle Einwanderer laufen weiterhin frei herum. Diese Zustände verhelfen dann dieser ekelhaften braunen Saat, wieder aufzugehen. Denken wir nur an die antisemitischen Wahlplakate einer rechten Partei bei der letzten Europawahl, die auch in Lünen viel zu lange hängen durften.

Rechtspopulistische Parteien nutzen diese Unfähigkeit der regierenden Parteien und versprechen einfache Lösungen. Mir graust davor, sollte diese „Alternative“ einmal Regierungsverantwortung übernehmen. Doch leider finden diese Parteien auch in Lünen immer mehr Anhänger, wie die letzten Wahlen gezeigt haben.

Ich bin in Sorge um unser Land. Die aktuellen Geschehnisse scheinen mir leider Recht zu geben.

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel unsere Gastautoren. Es sind:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann, Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Heinz Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Architekt
  • Kevin Tigges, Studienreferendar und Akteur der „Abgedreht! Filmcrew“
Lesen Sie jetzt