Corona ist eine besondere Herausforderung für die Rettungsflieger, auch für die Crew von Christoph 8. © ADAC Luftrettung gGmbH
Jahresbilanz

Rettungshubschrauber Christoph 8: Im Corona-Jahr so gefordert wie nie

Geht es um Leben oder Tod, bringt Rettungshubschrauber Christoph 8 schnelle Hilfe aus der Luft. 2020 war die Crew am Standort Lünen besonders gefordert - und musste blitzschnell improvisieren.

In zwei Minuten ist die Crew von Rettungshubschrauber Christoph 8 am Standort des St.-Marien-Hospitals in Lünen startklar. Sie leistet schnelle Hilfe von oben, wenn wertvolle Minuten über Leben und Tod entscheiden können. Der gelbe Engel gehört zur Flotte der gemeinnützigen ADAC-Luftrettung, die in Nordrhein-Westfalen sechs Rettungs- und Intensivtransporthubschrauber betreibt.

6741 Einsätze sind sie insgesamt geflogen, im Jahr davor waren es 7162.

Der Rückgang der Alarmierung ist auf Corona und die dadurch bedingte geringere Mobilität auf den Straßen zurückzuführen. Auch Christoph 8 in Lünen war mit 1002 Flügen nicht so häufig unterwegs wie 2019 mit 1122 Einsätzen. Dennoch hat das Jahr mit der Corona-Pandemie die Luftretter gefordert wie nie: „Die strengen Schutzmaßnahmen haben den Alltag deutlich erschwert“, berichtet Thomas Kade, Leitender Notfallsanitäter von Christoph 8. Leben retten bedeutet trotz des ausgefeilten Sicherheits- und Hygienekonzeptes ständige Infektionsgefahr.

Rettungshubschrauber Christoph 8 hat im vergangenen Jahr 1002 Einsätze geflogen, im Jahr davor waren es 1122.
Rettungshubschrauber Christoph 8 hat im vergangenen Jahr 1002 Einsätze geflogen, im Jahr davor waren es 1122. © Drimecker (A) © Drimecker (A)

„Oft haben wir erst im Nachgang erfahren, dass Patienten positiv getestet wurden“, so Kade. Doch die klaren Maßnahmen hätten dafür gesorgt, dass die Crew gesund geblieben ist. Die Konzepte wirkten sich bis in die Dienstpläne aus, um wechselnde Teams zu vermeiden. Das alles zu organisieren, sei herausfordernd gewesen, sagt auch Pilot Holger Hoven. „Wir haben es seit Ausbruch der Pandemie geschafft, die notfallmedizinische Versorgung der Menschen in Deutschland auch in dieser schwierigen Zeit uneingeschränkt zu gewährleisten“, betont Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC-Luftrettung. Er hat die Jahresbilanz am Donnerstag (25.2.) vorgestellt.

Die meisten Einsätze nach Unfällen

Einsatzursache Nummer eins waren für die NRW-Flotte Verletzungen nach Unfällen mit 36 Prozent der Flüge. Dazu gehören Freizeit-, Sport-, Schul- und Verkehrsunfälle. Danach folgten mit 24,6 Prozent Notfälle des Herzkreislauf-Systems, beispielsweise Herzinfarkt, sowie neurologische Notfälle wie Schlaganfall mit 17 Prozent.

Rettungshubschrauber Christoph 8 ist in Lünen am St.-Marien-Hospital stationiert. Das Archivfoto zeigt ihn bei einer Landung an einem ungewöhnlichen Ort: im Tobiaspark.
Rettungshubschrauber Christoph 8 ist in Lünen am St.-Marien-Hospital stationiert. Das Archivfoto zeigt ihn bei einer Landung an einem ungewöhnlichen Ort: im Tobiaspark. © Magdalene Quiring-Lategahn © Magdalene Quiring-Lategahn

Für Pilot Holger Hoven und Thomas Kade habe jeder Einsatz seine Herausforderung. Es sei das schnelle Handeln unter komplexen Bedingungen in Zusammenarbeit mit vielen Einsatzkräften – und jetzt komme noch Corona hinzu. In Erinnerung ist Kade ein Einsatz im Märkischen Kreis, wo ein Auto 40 Meter einen Steilhang hinuntergerutscht war. Gleich zwei Hubschrauber setzten die Retter ab, die dann nach einer Kletterpartie die Verletzten im Auto versorgt haben.

Luftretter braucht Hilfe vom Boden

Ungewöhnlich war auch der Einsatz im Januar, bei dem Pilot Holger Hoven einen Patienten aus Dortmund in eine Spezialklinik nach Aachen fliegen sollte. Plötzlich verschlechterte sich sein Zustand, er musste intubiert werden. Da dass im Hubschrauber nicht möglich war und bei kaltem und windigem Wetter auch noch eine Regenfront näherkam, überlegte er kurz, vor einer Scheune zu landen. Er sah ein Fahrzeug der Feuerwehr Velbert, das von einem Einsatz kam. Hoven hielt die Kollegen an und landete. Der Patient konnte im Rettungswagen intubiert werden und anschließend weiter nach Aachen geflogen werden.

Mehr Männer als Frauen versorgt

Bundesweit flogen die Piloten der ADAC-Luftrettung 2020 zu 51.749 Einsätzen, teilt der ADAC mit. Unter den versorgten Patienten waren mit 58 Prozent mehr Männer als Frauen. Neun Prozent waren Kinder oder Jugendliche.

Mit 141 Notfällen pro Tag bewegte sich das Einsatzgeschehen auf hohem Niveau.

Gestiegen ist die Zahl der Spezialeinsätze: Die Crews rückten 2020 zu 800 Corona-Einsätzen aus, darunter rund 100 Spezial-Verlegungstransporte von schwer erkrankten Covid-19-Patienten.

Information für 4 Millionen Menschen zuständig
  • In Regie der gemeinnützigen ADAC-Luftrettung fliegt Christoph 8 aus Lünen. Der Kreis Unna ist Kernträger und lenkt die Einsätze des Rettungshubschraubers.
  • Zum primären Versorgungsgebiet des Hubschraubers zählen das nordöstliche Ruhrgebiet mit angrenzenden Teilen des Münster- und Sauerlandes mit zusammen mehr als vier Millionen Einwohnern.
  • Die Aufgaben des Rettungshubschraubers sind die Primärversorgung von Notfallpatienten sowie die Durchführung von Primär-, Intensiv- und sonstigen Transporten.
  • Christoph 8 ist seit 1974 am St.-Marien-Hospital in Lünen stationiert.
  • Die Notärzte stellt das St.-Marien-Hospital.
Über die Autorin
Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
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Magdalene Quiring-Lategahn

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