Marcel Schmeißer und Sonja Talke haben sich Bauernhof2go selbstständig gemacht. Sie liefern regionale Produkte an die Haustür. © Quiring-Lategahn
Bauernhof2go

Regionale Produkte bis zur Haustür: Lieferservice wächst in Corona-Krise

Den sicheren Job aufgegeben in der Pandemie: Zwei Lüner haben den Schritt gewagt. Mit ihrem Bauernhof2go liefern sie Frisches aus der Region an die Haustür. Darauf fahren immer mehr Kunden ab.

Die besondere Hupe ist das Signal: Der Bauernwagen mit Eiern, Milch, Gemüse und Wurst rollt durch die Straßen. Am Steuer sitzt Marcel Schmeißer. Er ist der Mann, der regionale Produkte vorbeibringt. Täglich fährt er eine festgelegte Tour und wird oft schon sehnlich erwartet.

Den Bauernwagen hat er im Januar vergangenen Jahres übernommen und das 19 Jahre in Lünen bestehende Geschäftsmodell erweitert. Mit Sonja Talke gründete der 27-Jährige mitten in der Corona-Krise den Lieferservice Bauernhof2go. Dafür gab der Lüner sogar einen sicheren Job als Einsatzleiter bei der Stadt Dortmund auf. Sonja Talke, die aus einer Käse-Molkerei-Familie stammt, lenkt jetzt den Wagen, der die Online-Bestellungen ausliefert.

Manche hätten sparsam geguckt, in der Pandemie ein solche Projekt zu wagen, berichtet Marcel Schmeißer. Doch er wollte etwas Eigenes aufbauen. Letztlich spiele Corona ihrer Geschäftsidee sogar in die Karten. Viele Ältere meiden wegen der Ansteckungsgefahr den Supermakt und lassen sich lieber beliefern. Jüngere, die mit Homeoffice und Homeschooling belastet sind, schätzen den bequemen Bring-Service. Manche bestellen zweimal die Woche. Weil die Wagen eingebaute Kühlschränke haben, gehören auch Joghurt und Käse ins Sortiment. Der Bauernhof2go hat binnen kurzer Zeit seinen Kundenstamm verdoppelt. Manche holen die Ware auch direkt an der Schützenstraße 34 ab.

Persönlicher Kontakt zu Kunden

Kartoffeln, Backwaren Gemüse oder Obst: Im Umkreis von 15 Kilometern rollt das Team mit Produkten von heimischen Erzeugern vor. Mit vielen Kunden sind beide per Du und kennen längst deren Vorlieben. Ein Pläuschchen ist immer drin. „Das Persönliche ist uns wichtig“.

Noch keinen Tag haben sie ihren Schritt bereut, auch wenn sie die Kisten bis in den 5. Stock tragen müssen. „Abend weiß man schon, was man getan hat“, sagt Sonja Talke lachend. Am Anfang gab es Muskelkater. Doch es käme von den Kunden viel zurück, manchmal zum Dank sogar selbst gemachte Marmelade aus geliefertem Obst.

Die Überraschungskiste ist der Verkaufsschlager des Bauernhofs2go. „Da ist auch mal Gemüse drin, das man früher bei der Oma gegessen hat“, sagt Sonja Talke und nennt beispielsweise Schwarzwurzeln. Viele freuten sich, dieses Gericht nun auch selbst zu kochen.

Auch Backwaren von Kanne an Bord

Die Zitrusfrüchte der Obstkiste besorgen die Beiden vom Großmarkt. „Wir achten aber schon darauf, dass die Schale unbehandelt ist“, so Sonja Talke. Ansonsten setzen sie auf Produkte aus der Region.

Einer, der ihre Idee unterstützt, ist Wilhelm Kanne. Der Bäckermeister hatte selbst in der Corona-Krise einen Direktvertrieb eingerichtet und Brötchen an die Haustür gebracht. Jetzt übernimmt der Bauernhof2go diesen Bereich mit. „Als die Beiden mit ihrer Idee auf mich zukamen, habe ich die Synergien gesehen“, sagt Kanne. Außerdem passe das Konzept der regionalen Produkte zu Kannes Unternehmensphilosophie. „Das hat von Anfang an gut funktioniert.“ Neben Brot und Backwaren hat der rollenden Bauernhof auch Brottrunk an Bord.

Unverkauftes geht an Foodsharing

150 Kilometer am Tag sind für Sonja Talke keine Seltenheit. Morgens um 5.30 Uhr sind sie auf dem Großmarkt, nach dem Ausliefern steht auch noch Büroarbeit an. Zwischendurch müssen immer wieder Kisten gepackt werden. Das geht nur mit einer großen Portion Leidenschaft.

Was abends an Obst und Gemüse übrig ist, bekommt die Lüner Food-Sharing-Initiative. Und manches Grünzeug ist für die Hasen der Kunden. Das Team vom Bauernhof2go weiß genau, an welchen Adressen das besonders gefragt ist.

Der Bauernhof2go ist online präsent, aber auch unter Tel. 0170-7100236 zu erreichen.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
Zur Autorenseite
Magdalene Quiring-Lategahn
Lesen Sie jetzt