Seit Wochen sollen in der Lorenzstraße in Brambauer Ratten ihr Unwesen treiben, auch am helllichten Tage. Olaf Hartmann hat bereits Köder auslegen lassen, doch bisher ohne Erfolg, wie er meint.

von Kimberly Becker

Brambauer

, 18.09.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist 11 Uhr am Vormittag und Sylvia Celik möchte in ihrem Garten den Hibiskus gießen. Schnell wird sie jedoch von einer rund 45 Zentimeter großen Ratte unterbrochen, die sie scheinbar aus dem Nichts anspringt. Seitdem traut sie sich nur noch ungern in den Garten. Sie und ihr Nachbar Olaf Hartmann, der ebenfalls schon einigen Ratten in der Lorenzstraße begegnet ist, gehen von einer regelrechten Rattenplage aus, die sie so nicht mehr hinnehmen wollen.

Privater Kammerjäger

Alles hat für Olaf Hartmann im Juni angefangen, als seine Frau die erste Ratte auf der Terrasse gesichtet, ein Foto geschossen und sofort den Kammerjäger gerufen hat. Dieser sollte sich dann ein Bild von der Situation machen. „Der Kammerjäger hat die Hände über den Kopf zusammen geschlagen. Allein die Garage ist sehr anfällig für Ratten gewesen. Dann haben wir sie umbauen lassen, sodass die Ratten nicht einfach durchlaufen können", erklärt Hartmann.

Anfrage bei der Stadt

Das ist aber nicht der einzige Fall gewesen. Dass es Ratten gebe, sei klar, aber sie Population nehme stark zu, so Hartmann. Auch in den Rinnen der Kanalisation, die nur von einem Gitter bedeckt werden, habe Olaf Hartmann öfters Ratten sehen und auch hören können. Deshalb hat bei der Stadt um Hilfe bei der Bekämpfung der Ratten gebeten.

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Der Pressesprecher der Stadt Lünen, Benedikt Spangardt, bestätigt die Anfrage und teilt mit: „Bei Rattenbefall wird die Stadt auch auf privaten Grundstücken tätig, wenn der Eigentümer das wünscht." Am 17. und 24. August sowie am 7. September habe eine Schädlingsbekämpfungs-Firma im Außenbereich der Häuser in der Lorenzstraße Maßnahmen für Rattenbekämpfung ergriffen. Danach sei kein weiterer Befall festgestellt worden, so Spangardt. Außerdem seien am 25. Mai und am 3. August die Einstiegsschächte der Kanäle mit Giftköder belegt worden.

Keine Besserung

Trotz der Maßnahmen habe sich das Problem nicht gebessert, sagen Olaf Hartmann und Sylvia Celik. Die von der Stadt beauftragte Firma ginge die Bekämpfung der Ratten nur „halbherzig" an. Das verneint Benedikt Spangardt jedoch: „Der Vorwurf wird schon allein durch die Häufigkeit der Maßnahmen widerlegt. Wenn weiter ein Problem besteht, geben wir der Firma natürlich erneut Bescheid und es werden wieder Maßnahmen eingeleitet."

Hinzu komme laut Hartmann, dass die Firma nicht ordnungsgemäß kontrolliert werde und sie billige Köder nutzen würde. Diesen Köder würde man nur im Winter nutzen, wenn es weniger Nahrung gibt und diese dann keine andere Möglichkeit haben, als an den Köder zu gehen. Im Sommer bringe das laut Olaf Hartmann jedoch nichts. Zusätzlich halte sich die Firma nicht an die Vorgaben des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbandes.

Dazu sagt die Geschäftsführerin der von der Stadt beauftragten Schädlingsbekämpfungs-Firma „SPS GmbH“, Brigitte Schürmann: „Solche ‚Auflagen des Verbandes der Kammerjäger‘ sind uns leider nicht bekannt. Als zertifiziertes Unternehmen der Schädlingsbekämpfung nach DIN EN 16636 halten wir uns an die Vorgaben der o. g. Norm und an die Richtlinien der Bundesanstalt für Arbeitsschutz- und Arbeitsmedizin.“

Stellungsnahme zu Ködern

Zusätzlich erklärt Benedikt Spangardt, dass nach Auskunft der Experten von der Schädlingsbekämpfung für die Rattenbekämpfung ein amtlich zugelassener Giftköder der deutschen Firma Frunol Delicia benutzt und in einer zugriffsgeschützten Köderbox ausgebracht würde. Das ist eine Getreidemischung in einem Kunststoffbeutel, die mit dem hochwirksamen Gift Difenacoum versetzt ist. Das sei ein Antikoagulationsmittel – also ein Blutgerinnungshemmer. Laut Firma habe man damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Sieben Ratten in zwei Wochen

Dennoch musste Olaf Hartmann mehrere hundert Euro für einen privaten Kammerjäger bezahlen und Sylvia Celik versucht ebenfalls mit eigenen Ködern, die Ratten loszuwerden. „Innerhalb von zwei Wochen haben wir sieben Ratten gefangen", sagt Sylvia Celik. Auch ihre Tochter gehe nicht mehr gerne in den Garten, seitdem sie vor dem Terrassenfenster eine große Ratte gesehen habe, die trotz Rufen und Klopfen nicht gehen wollte. Nun stehen im Garten Harke und Spaten an jeder Ecke.

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Angesichts des gut genährten Aussehens der Schädlinge vermuten Olaf Hartmann und Sylvia Celik, dass Anwohner Essen offen liegen lassen und auf den Kompost werfen. Benedikt Spangardt erklärt dazu: „Leider kommt es immer wieder zu Vogelfütterung – trotz Hinweisen, dass die Ratten dadurch angezogen werden und leicht Nahrung finden."

„Ich habe schon andere Bewohner angeschrieben und darum gebeten, keine Essensreste im Garten zu lassen", sagt Celik. Sie habe das Gefühl, dass es die anderen aber nicht stören würde, da viele von ihnen auch keine kleinen Kinder mehr haben. Noch sei das Problem nicht gelöst. Deshalb wünschen sich Olaf Hartmann und Sylvia Celik eine strengere Kontrolle der Firma durch die Stadt und die Nutzung hilfreicher Köder.

Keine weiteren Fälle

Aus der Sicht der Stadt gibt es allerdings keine weiteren Auffälligkeiten in Brambauer und auch auch die Schädlingsbekämpfer stellen keine Erhöhung der Befallmeldungen fest, so Spangardt. Außerdem würden angemessene Maßnahmen ergriffen und fachgerecht durchgeführt werden, weshalb die Stadt von einer Kontrolle absieht. Falls der Rattenbefall weiterhin bestehen sollte, können laut Spangardt aber auch entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.

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