Am Rande einer Kontrolle der Shishabar Skylounge am Markt in Gahmen, gab es 2018 einen Vorfall zwischen Polizisten und Zeugen, der jetzt vor Gericht verhandelt wird. Die Beamte müssen sich wegen einer möglichen Körperverletzung verantworten. © Goldstein
Gerichtsprozess

Prozess um mögliche Polizeigewalt bei Kontrolle von Shishabar in Lünen

Am Rande einer Shishabarkontrolle in Lünen sollen drei Polizisten 2018 unnötig Gewalt ausgeübt haben. Vor Gericht gibt es jetzt sehr unterschiedliche Darstellungen des Vorfalls.

Derzeit müssen sich drei 29, 31 und 32 Jahre alte Polizisten im Amtsgericht Lünen wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Am Rande einer Kontrollaktion in der Shishabar am Markt in Gahmen sollen sie am 15. Juni 2018 mit unnötiger Gewalt gegen einen Passanten vorgegangen sein. Dabei sollen zwei der Angeklagten den Mann geschlagen und getreten und der dritte einen Polizeihund auf ihn gehetzt haben.

Am ersten Verhandlungstag am Donnerstag (17.12.) machten die drei Polizisten ausführliche Angaben zum Geschehen. Dabei sagten sie übereinstimmend aus, dass sich bei ihrer Ankunft an der Shishabar eine Gruppe jüngerer Männer auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufgehalten hätte.

Polizist räumt unpassende Antwort auf Provokation ein

Während der Razzia sei auch ein Polizeihund zum Aufspüren eventueller Drogen vor Ort gewesen, geführt vom 29-jährigen Angeklagten. Ein Mitglied der Gruppe habe dem Hundeführer zugerufen, ob sie denn keine ausgewachsenen Hunde hätten und wo denn der Knochen sei. Zudem habe er den Beamten als Affenjunge bezeichnet. Daraufhin habe der Hundeführer geantwortet „Pass auf, dass du nicht gleich der Knochen bist.“

Im Gericht gab der 29-Jährige zu, dass diese Antwort unpassend gewesen sei. Die beiden Mitangeklagten seien zu dem 33-Jährigen gegangen, um wegen der Bemerkung „Affenjunge“ die Personalien für eine Anzeige wegen Beleidigung aufzunehmen. Doch der Lüner habe die Herausgabe seiner Daten verweigert, so die beiden Mitangeklagten.

Gegen eine daraus resultierende Mitnahme habe sich der Geschädigte mit wildem um sich Schlagen und Treten gewehrt, angefeuert von den umstehenden Gruppenmitgliedern. „Wir sind nicht Herr über ihn geworden“, erklärte der 31-Jährige Polizist.

Polizeihund beißt auf Kommando zu

Der Hundeführer gab an, beobachtet zu haben, wie seine Kollegen zu kämpfen hatten. Er sei ihnen zur Hilfe geeilt. Mehrfach habe er den Einsatz des Hundes angedroht, wenn sich der Lüner nicht beruhigen würde.

Als darauf keine Reaktion kam, habe er dem Hund das Kommando „Pack“ gegeben. Zunächst habe das Tier versucht, den Mann ins Knie zu beißen – ohne rechten Erfolg. Deshalb habe sich die Hündin umorientiert und einen Biss in der Brust platziert. Danach habe er sich etwa zwei Meter mit dem Tier entfernt.

Der Geschädigte habe sich weiter gewehrt. Es sei zu einer weiteren Auseinandersetzung mit den beiden Angeklagten ohne Hund gekommen. In deren Verlauf seien die Beine des Lüners direkt vor die Schnauze des Hundes gelangt.

Wie in der Ausbildung gelernt, gab der Hundeführer an, habe das Tier dieses für einen Angriff gehalten und zugebissen. „Sie hat nichts falsch gemacht“, verteidigte der Polizist seine Hündin. Schließlich habe der 33-Jährige aufgegeben.

Geschädigter will sich überhaupt nicht gewehrt haben

Der gab im Zeugenstand an, sich überhaupt gar nicht gewehrt zu haben. Er habe lediglich zu Beginn des Geschehens seine Arme ausgestreckt und die Polizisten damit von sich geschoben, um einen gewissen Abstand zu bekommen.

Auch an eine Beleidigung könnte er sich nicht erinnern. Er habe lediglich nach dem Hund gefragt. Kurz darauf seien die beiden anderen Angeklagten auf ihn los, hätten ihn gegen die Wand gedrückt, seine Wasserflasche aus der Hand geschlagen, ihn geboxt und zugetreten. Es seien auch weitere Polizisten dazu gekommen.

„Dann haben sie ohne Vorwarnung den Polizeihund auf mich gehetzt. Ich hatte extreme Angst vor dem Hund. Da habe ich aus Angst gezappelt. Der Hund wollte mir ins Gesicht beißen und hat meine Brust erwischt“, so der Lüner. Der 33-Jährige trug Biss- und Schürfwunden sowie Hämatome davon.

Staatsanwalt bezweifelt Aussage von Geschädigtem

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hegte nach der Aussage des Geschädigten sofort Zweifel an den Angaben. Denn die Beteiligten sahen sich während der Verhandlung Videos des Einsatzes an. Darauf war zu sehen, dass sich der Lüner auf jeden Fall bewegte, sich offenbar gegen die Maßnahme der Polizisten wehrte, deutete der Staatsanwalt.

Neben dem 33-Jährigen hörte das Gericht fünf weitere Zeugen. Ein Teil bestätigte die Aussage des Lüners, ein Teil die Angaben der drei Angeklagten. Und so fand der Prozess am Donnerstag noch kein Ende. Am 7. Januar soll es eine Fortsetzung mit weiteren Zeugen geben.

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