Prozess gegen Geldautomaten-Sprenger in Sparda-Bank: Gab es einen Alarm?

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Ein 33-jähriger Pole hat vor Gericht gestanden, im Mai 2016 geplant zu haben, einen Geldautomaten der Sparda-Bank an der Bebelstraße in Lünen zu sprengen. Verurteilt werden will er dafür aber nicht.

Lünen

, 09.09.2020, 12:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 33-jähriger Pole soll im Mai 2016 geplant haben, einen Geldautomaten der Sparda-Bank in der Bebelstraße zu sprengen. Das gesteht der Manna auch. Im Prozess vor dem Dortmunder Landgericht versuchen der Angeklagte und seine beiden Verteidiger aber alles, die Richter zu einem Freispruch zu bewegen. Das Geständnis des 33-Jährigen und der von Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel in der Anklageschrift geschilderte Tathergang unterscheiden sich nämlich in einem zwar winzigen, aber entscheidenden Detail.

Geständnis mit Haken

Während der Ankläger sicher ist, dass der Pole sein kriminelles Handeln seinerzeit nur deshalb stoppte, weil in der Sparda-Bank ein Alarm ausgelöst worden war, behauptet der Angeklagte, er sei aus freien Stücken von seinem Plan zurückgetreten. „Einen Alarm habe ich überhaupt nicht wahrgenommen.“

Für die Richter ist diese Abweichung von elementarer Bedeutung. Wer freiwillig von einer begonnenen Straftat ablässt, kann für den Versuch nicht bestraft werden. Wer dagegen nur deshalb aufhört, weil er Angst vor Entdeckung hat, muss damit rechnen, verurteilt zu werden.

Rücktritt vom Versuch?

Und so setzt die Kammer derzeit alles daran, das Geschehen in jener Mainacht 2016 minutiös zu rekonstruieren. Wann wurde der Alarm ausgelöst? Wie soll der Angeklagte etwas davon mitbekommen haben? Und was ist auf den Videos der Überwachungskamera zu sehen?

Am Dienstag wurde zu diesen Fragen ein Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens vernommen, das für die Sparda-Bank auch nachts die Vorräume mit den Geldautomaten überwacht. Um 2:09 Uhr habe ein Angestellter auf dem Überwachungsmonitor zwei verdächtige Gestalten beobachtet, die sich neben den Automaten gehockt hätten, sagte der Zeuge. Noch in derselben Minute seien der Alarm ausgelöst und die Polizei informiert worden.

Zwei Personen in der Bank

Auf die Frage, wie dieser Alarm im Vorraum der Bank registriert worden wäre, wusste der Zeuge ebenfalls eine Antwort. Der Mann vor dem Monitor habe die Möglichkeit, per Mikrofon in den Raum hineinzusprechen und die verdächtigen Personen darüber zu informieren, dass die Polizei unterwegs sei. „Das hat er in diesem Fall sicherlich auch getan“, sagte der Zeuge.

Das Problem ist nur: In dem Einsatzprotokoll dieser Nacht findet sich zu diesem Punkt keinerlei Vermerk. Und das Video der Überwachungskamera, das dem Gericht zur Verfügung gestellt worden ist, liefert auch nur Bilder und keine Tonspur.

Verteidiger sind optimistisch

Die Verteidiger des Angeklagten zeigten sich deshalb am Dienstag „sehr optimistisch“, dass dem Polen seine Version vom freiwilligen Rückzug nicht widerlegt werden kann. Seit einem Beschluss des Oberlandesgericht vom Sommer befindet sich der Angeklagte ohnehin schon vorsorglich auf freiem Fuß.

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