Weil der Verkauf von Böllern beim Jahreswechsel verboten war, nutzten Menschen ihre Schreckschusswaffen. © Goldstein
Waffen

Polizei warnt eindringlich: Schreckschusspistolen sind kein Spielzeug

Für einige Menschen, auch in Lünen, war es an Silvester ein „Riesenspaß“, mit Leucht- und Pyromunition das neue Jahr zu begrüßen. Die Polizei warnt eindringlich - nicht nur am Jahreswechsel.

Die Ankündigung in einem Blog ließ keinen Zweifel zu: „Das Silvesterfeuerwerk ist für viele ein Jahreshighlight. Böller, Knaller und Raketen bringen Spaß für Groß und Klein. Viele möchten bei der Feier des Jahreswechsels auch Schreckschusswaffen nutzen. Mit Leucht- und Pyromunition ausgestattet können sie für eindrucksvolle Pyrotechnikeffekte sorgen.“

Doch auch danach ist das Thema Waffen weiter in aller Munde – nach den Vorkommnissen am Kapitol in den USA ganz besonders. Was sagt die Polizei zu Schreckschusswaffen? „Es ist kein Spielzeug, sondern ist und bleibt eine Waffe“, sagt auf Redaktionsanfrage die Pressestelle der auch für Lünen zuständigen Dortmunder Polizei.

Wie die rechtlichen Rahmenbedingungen aussehen, dazu folgende Fragen und Antworten:

Müssen Menschen einen (kleinen) Waffenschein besitzen, um eine Schreckschusspistole oder -revolver kaufen zu können?

Nein. Für den Erwerb ist lediglich Volljährigkeit vorgesehen.

Muss der Erwerb/Besitz einer Schreckschusspistole oder -revolvers bei der Polizei oder anderen Stellen angezeigt werden?

Nein.

Welche Munition kann mit Waffen verschossen werden, für die die Besitzer keinen Waffenschein benötigen?

Diejenige Munition, die mit den jeweiligen erlaubnisfreien Waffen verschossen werden darf. Überwiegend handelt es sich dabei um sogenannte Kartuschenmunition.

Wie groß schätzt die Polizei die Verletzungs-Gefahr von Schreckschusspistolen ein?

Zu Verletzungen kann die Polizei keine Aussagen treffen. Was aber wichtig zu erwähnen ist, ist, dass es neben der Verletzungsgefahr durch die Munition ein weiteres großes Risiko gibt: die Gefahr sehr schwerer oder tödlicher Verletzungen, wenn das Gegenüber die Waffe für eine scharfe Schusswaffe hält (Verwechslungsgefahr). Dessen sind sich viele Menschen nicht bewusst.

Wo ist das besondere Problem bei den Waffen?

Die genannten Waffen sehen zumeist wie scharfe Waffen aus. Häufig sind sie nicht von solchen zu unterscheiden, wodurch es unter Umständen zu einem unkontrollierten/aggressiven Handeln bei Außenstehenden/Angreifern kommen kann.Ungeübte Waffenträger können sich in extremen Stresssituationen zudem selbst gefährden oder Unbeteiligte verletzen. Hinzu kommt, dass auch Polizeibeamte in einer Einsatzsituation zunächst möglicherweise nicht zwischen scharfer Schusswaffe und PTB-Waffe unterscheiden können und entsprechend reagieren.

Sind der Polizei konkrete Verletzungen aus der Silvesternacht bekannt geworden?

Nein.

Hat nach Einschätzung der Polizei das Verkaufsverbot von Böllern/Raketen dazu geführt, dass mehr Menschen mit Schreckschusspistolen oder -revolvern pyrotechnische Munition wie Notsignalsterne, Lichtspur-, Ratter- und Pfeifmunition genutzt haben?

Wir können für die Beantwortung dieser Frage lediglich die Anzahl der uns in der Silvesternacht gemeldeten Fälle heranziehen“, erklärt die Polizei. Für das Stadtgebiet Lünen sei das nur ein Einsatz, in dem Schüsse mit einer PTB-Waffe (bedeutet Reizstoff-, Schreckschuss- und Signalwaffen) gemeldet wurden. Die Polizei sei bei derartigen Fällen auf eigene Feststellungen oder die Hinweise von Zeugen angewiesen, die sich nicht immer melden. „Eine valide Einschätzung ist uns zu dieser Frage daher nicht möglich“, heißt es weiter.

Welche Regeln gelten für das Abschießen von Platzpatronen und Reizstoffmunition?

Verboten ist das Schießen außerhalb von Schießstätten und außerhalb der Wohnung, der Geschäftsräume und des befriedeten Besitztums, außer in Fällen der Notwehr und des Notstands, §§ 32, 34, 35 Strafgesetzbuch (StGB). Dies gilt auch an Silvester!

Wo ist das Tragen von Schreckschusspistolen oder -revolvern zulässig?

Das Führen einer PTB-Waffe ist nur den Personen erlaubt, die auch einen Kleinen Waffenschein besitzen. Auch diesen ist es bei öffentlichen Veranstaltungen (Versammlungen, Demonstrationen, Theater, Kino, Fußballspiele, Jahrmärkte etc.) jedoch generell verboten.Wer keinen Kleinen Waffenschein besitzt, darf die Waffe außerhalb der eigenen Wohnung, der eigenen Geschäftsräume oder des eigenen befriedeten Besitztums gar nicht führen.Unter Führen versteht man das „bei sich tragen“ – etwa in der Jackentasche, in der Handtasche, aber auch im Auto – von Waffen außerhalb der eigenen Wohnung, der eigenen Geschäftsräume oder des eigenen befriedeten Besitztums, auch dann, wenn keine Munition mitgeführt wird.

Welche grundsätzlichen Empfehlungen spricht die Polizei bei Schreckschusspistolen oder -revolvern aus?

Auf der Homepage der Polizei (www.dortmund.polizei.nrw/artikel/kleiner-waffenschein) gibt es Informationen und Hinweise. Dazu gehört auch der Tipp, alternativ auf einen Schrillalarm zurückgreifen. „Damit können Sie weiträumig auf sich aufmerksam machen und Angreifer abschrecken oder in die Flucht schlagen“, betont die Polizei.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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