Pilotprojekt der Stadtwerke bringt WLAN über Laternen nach Lünen

dzSmart-City

An der Waltroper Straße in Lünen gibt es jetzt schnelles Internet. Möglich machen es neue Laternen. Zur Zeit ist der Zugang kostenlos. Und die neuen Hightech-Lampen können noch mehr.

Brambauer

, 27.02.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf den ersten Blick sehen die neuen Laternen an der Waltroper Straße schick und modern aus. Aber in der Beleuchtung steckt viel mehr als eine Straßenbeleuchtung. Eine Breitbandverbindung ins Internet, bessere Lichttechnik und viel Sparpotenzial. Aber der Reihe nach.


Ausgestattet mit LED-Leuchten sollen die neuen Laternen viel Strom sparen, erklärt Dr. Achim Grunenberg, Geschäftsführer der Stadtwerke. Auf der rund 550 Meter langen Teststrecke zwischen der Waltroper Straße 1 bis 66 rechnen die Stadtwerke mit 4600 kWh weniger Stromverbrauch pro Jahr. Das bringe auch eine Ersparnis von 2,3 Tonnen Kohlenstoffdioxid.

Laternen leuchten auch bei Ausfall der Steuerung

Jede der insgesamt 44 Laternen, 20 hohe und 24 kleinere Laternen für die Gehwegbeleuchtung, ist mit einer eigenen Steuereinheit ausgestattet. „Wenn die zentrale Steuerung ausfallen sollte, leuchtet die Laterne nachts dann trotzdem“, sagt Martin Richter, Abteilungsleiter der Stromversorgung bei den Stadtwerken dazu. Das soll sich positiv auf das Sicherheitsempfinden der Bürger auswirken.

Alle neuen Laternen auf der Teststrecke können einzeln angesteuert und auch gedimmt werden.

Alle neuen Laternen auf der Teststrecke können einzeln angesteuert und auch gedimmt werden. © Stachelhaus

Das Pilotprojekt bildet eine erste Grundlage für die Smart-City-Ausrichtung von Lünen. 2018 hatte der Rat der Stadt beschlossen, dass die Verwaltung die Digitalisierung in Lünen vorantreiben und konkrete Projekte umsetzen solle. Als hundertprozentige Tochter der Stadt setzen die Stadtwerke diesen Auftrag auch mit den Hightech-Laternen in Brambauer um.

Zugang

So kommt man Gratis ins Internet an der Waltroper Straße

  • Die Bezeichnung des öffentlichen WLAN der Stadtwerke lautet: „SWL-PUBLIC-WLAN“.
  • Hat man sich verbunden, muss man lediglich den allgemeinen Geschäftsbedingungen zustimmen. Weitere Daten werden aktuell nicht zum Einloggen verlangt.
  • Die Übertragungsgeschwindigkeit beträgt für jeden Benutzer 10 Mbit/s.
  • Die Nutzungsdauer ist auf drei Stunden pro Sitzung beschränkt. Danach müssen Nutzer sich erneut einloggen.
  • Weitere Infos gibt es auf einer Projekt-Internetseite der Stadtwerke: www.SWL24.de/smartcity

Jede der Laternen kann einzeln angesteuert und bei Bedarf auch gedimmt werden, um Strom zu sparen. Zur Zeit schaltet die Beleuchtung zwischen 22 Uhr und 5 Uhr morgens auf die halbe Leistung herunter. Individuell steuerbar sind auch die Steckdosen an den Laternen, an denen die Weihnachtsbeleuchtung angeschlossen wird.

WLAN-Zugang aus der Laterne

Soweit zur Beleuchtung. Denn zwei der großen Laternen haben einen eigenen Breitbandanschluss über Glasfaser. Jeweils 400 Mbit, also insgesamt 800 Mbit, können die Stadtwerke darüber abrufen.

Sechs Laternen sind mit WLAN-Sendern und Empfängern (Accesspoints) ausgestattet. So wird auf dem Test-Abschnitt an der Waltroper Straße ein flächendeckendes drahtloses Netzwerk bereitgestellt.

In der Testphase, die laut Grunenberg noch mindestens sechs Monate dauern wird, steht dieser Internetzugang öffentlich und kostenlos für Jedermann zur Verfügung. Mit einer Geschwindigkeit von maximal 10 Mbit können so zur Zeit auch Filme in hoher Bildqualität über Streamingdienste angeschaut werden. Ein Kurztest unserer Redaktion bestätigt die Werte.

Sollte das Pilotprojekt funktionieren, wollen die Stadtwerke in Zukunft weitere WLAN-Zugänge in Lünen schaffen, die dann jedoch Kunden der Stadtwerke vorbehalten sein sollen.

Insgesamt 44 neue Laternen mit LED-Leuchten sorgen auf der Waltroper Straße für Licht.

Insgesamt 44 neue Laternen mit LED-Leuchten sorgen auf der Waltroper Straße für Licht. © Matthias Stachelhaus

Strom-, Gas- und Wasserzähler drahtlos ablesen

Die Stadtwerke wollen den Internetzugang über die Laternen, aber auch für eigene Zwecke nutzen. Etwa um drahtlos Strom-, Wasser- und Gaszähler von Kunden ablesen zu können. Entsprechend technisch ausgestattete Zähler müssen dafür beim Kunden installiert werden. „Auch das wollen wir beim Pilotprojekt hier in Brambauer testen“, sagt Richter.

Dr. Achim Grunenberg (l.) und Martin Richter von den Stadtwerken sind überzeugt, dass das Pilotprojekt viele neue Möglichkeiten für Lünen als Smart-City bietet.

Dr. Achim Grunenberg (l.) und Martin Richter von den Stadtwerken sind überzeugt, dass das Pilotprojekt viele neue Möglichkeiten für Lünen als Smart-City bietet. © Stachelhaus

Möglich sei außerdem eine drahtlose Internetversorgung für Gewerbetreibende. Größere Bandbreiten beim Anschluss könnten problemlos aufgeschaltet werden. Ein Testpartner an der Waltroper Straße sei laut Grunenberg schon gefunden.

Weitere mögliche Anwendungen sind vorstellbar, aber zur Zeit noch reine Zukunftsmusik.

An den Masten von sechs großen Laternen sind WLAN-Sender (Accesspoints) angebracht.

An den Masten von sechs großen Laternen sind WLAN-Sender (Accesspoints) angebracht. © Stachelhaus

Zum Beispiel eine Abfrage nach freien Parkplätzen am Straßenrand via Internet. „Da müssen wir erst einmal noch schauen, wie es mit dem Datenschutz aussieht“, sagt Martin Richter. Keine vorschnellen Ängste und Hoffnungen also.

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