Eine vermeintliche Pflegekraft soll in Castrop-Rauxel ihr Unwesen treiben. Die Polizei warnt vor Trickdieben. © picture alliance/dpa
Prozess

Pflegedienstmitarbeiter sollten Patienten in Lünen beklaut haben

Als Pflegedienstmitarbeiter sollten zwei junge Männer ihre betagten Schützlinge in Lünen systematisch bestohlen haben. Deswegen mussten sie sich jetzt vor Gericht verantworten.

Schäbig ist vermutlich der treffende Ausdruck für das, was der 25-Jährige aus Dortmund und sein Kollege, ein 24-jähriger Bergkamener, getan haben sollten. Konkret wurde ihnen vorgeworfen, einer alten Dame im Rahmen der Pflegetätigkeit im Herbst 2018 und Anfang 2019 in Lünen Schmuck mit einem Wert im vierstelligen Bereich geklaut und die Beute „versilbert“ zu haben. Auch sollten sie einem Senior 200 Euro aus dem Portemonnaie entwendet haben.

Dieser Verdacht kam auf, als sich eine Kollegin der jungen Männer einer anderen Mitarbeiterin anvertraute, die den Chef informierte und der bei der Tippgeberin noch einmal nachhakte. Besagter Tippgeberin, so hieß es zumindest zunächst, habe sich der Bergkamener bei einer Party inklusive Joint anvertraut. Bei dieser Gelegenheit sollte der 24-Jährige erzählt haben, was er den alten Leuten alles abnehme und er sollte von vielen Opfern gesprochen haben. Für das Duo endete die Behauptung mit der fristlosen Kündigung und einem Diebstahlsverfahren.

Angeklagten empört über die Vorwürfe

Nun wurde die Sache im Amtsgericht verhandelt und die beiden Angeklagten reagierten empört auf die Vorwürfe. Beide betonten, dass die Anschuldigungen nicht stimmten und der Bergkamener sprach von einem Racheakt. Besagte Kollegin sei in ihn verliebt gewesen. Er sei verheiratet, es sei lediglich beim Flirt geblieben und sie habe ihm Rache angekündigt. Auch habe sie der Chef auf dem Kieker gehabt, nachdem sie mit einer E-Zigarette im Dienstfahrzeug erwischt worden seien. Der Jüngere versicherte überdies: „Wenn man sich zu dem Beruf des Altenpflegers bekennt, macht man das nicht, um Menschen zu beklauen.“

Der Pflegedienst-Inhaber wurde gehört. Er berichtete, über eine Angestellte von der belastenden Behauptung der Mitarbeiterin erfahren zu haben. Er habe sie befragt und sie habe ihm gesagt, die Angeklagten hätten das in privater Runde kundgetan und damit geprahlt, dass sie nicht erwischt worden seien. Tatsächlich hätten sich vor und nach diesem Gespräch einige Leute beschwert, dass Sachen weggekommen seien. Er habe Anzeige erstattet und die fristlose Kündigung ausgesprochen. Und: „In der Zeit, in der die beiden da waren, sind Sachen passiert, die einen Geschmack hatten. Aber wir konnten es nicht beweisen.“ Danach sei dann „Ruhe“ gewesen.

Aussage plötzlich verändert

Die Mitarbeiterin, die den Stein ins Rollen brachte, trat in den Zeugenstand und sprach nun plötzlich davon, dass sich ihr der jüngere Angeklagte bei einer Dienst-Tour im Auto anvertraut habe. Von einer Party mit Joint war keine Rede mehr. Der Bergkamener habe ihr „einfach so erzählt“, dass der Dortmunder und er Patienten beklauen würden. Und wenn die im Krankenhaus seien, würden sie sich Schlüssel aus dem Büro holen und Wertgegenstände aus den Wohnungen entwenden. Offenbart habe sie sich deshalb, weil die Frau des Bergkameners Dinge, die sie ihr anvertraut habe, weitererzählt habe.

Richter Ulrich Oehrle fasste das Gehörte zusammen: „Es ist alles komisch.“ Es stehe nicht fest, was, wann und wo genau weggekommen sein sollte. Zumal der Senior dement ist und die alte Dame wegen Corona derzeit nicht befragt werden kann. Oehrle verwies auf den Gerüchte-Kreislauf und zerbrochene Freundschaft. Somit, auch wenn ein gewisser Verdacht vorhanden sei, stehe es nach der Beweisaufnahme nicht fest, dass die Angeklagten die Taten begangen hätten. Also gelte der Grundsatz: Im Zweifel für die Angeklagten. Folge: Freispruch.

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