Pfarrerin Andrea Ohm von der evangelischen Gemeinde Horstmar-Preußen geht davon aus, dass der Gemeinde bald nur noch eine Pfarrstelle zur Verfügung steht. © Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
Pfarrermangel

Pfarrermangel in Lünen: Gemeinden befürchten künftig weniger Pfarrstellen

Die Kirchengemeinden in Lünen gehen davon aus, dass bald weitere Pfarrstellen unbesetzt bleiben - konfessionsübergreifend. Das hat mehrere Gründe. Die Gemeinden müssen deswegen umdenken.

Der runde Geburtstag der evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen in diesem Jahr bot Pfarrerin Andrea Ohm die Möglichkeit, auf die vergangenen zehn Jahre zurückzublicken. Auffällig dabei: Bei der Gründung im Jahr 2011 gab es vier Pfarrerinnen und Pfarrer in der Gemeinde. Ein Jahrzehnt später sind es nur noch zwei. Und Andrea Ohm fürchtet, dass es in zehn Jahren möglicherweise nur noch eine Pfarrstelle in der Gemeinde gibt.

Zahl der Gemeindeglieder sinkt

Auch andere Kirchengemeinden in Lünen sehen diese Entwicklung bevorstehen. Dass künftig viele freie Pfarrstellen nicht mehr besetzt werden, geht auf mehrere Gründe zurück. Der erste scheint offensichtlich. Die Zahlen der Gemeindeglieder sind seit Jahren rückläufig.

So hätten bei ihrer Gründung etwa 9000 Menschen zu Horstmar-Preußen gehört. Heute seien es noch gut 7000. Ein ähnliches Bild zeichnet Frederike Scholz-Druba, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Brambauer. Dort gebe es noch 5000 Gemeindeglieder. „Als ich 1988 in Brambauer anfing, waren es rund 10.000“, sagt sie. 1,75 Pfarrstellen gebe es daher noch in der Gemeinde.

Scholz-Druba wird zum Herbst 2022 in den Ruhrstand gehen. Die übrige Pfarrstelle füllt Martina Lembke-Schönefeld zunächst bis 2023 zu 75 Prozent aus. Es bestehe aber die Möglichkeit, diese Zeit zu verlängern. Ob allerdings die volle Stelle von Scholz-Druba wieder ausgeschrieben wird, sei fraglich. „Es gibt einen Richtwert von der evangelischen Landeskirche, dass es für 3000 Gemeindeglieder eine volle Pfarrstelle geben soll“, sagt die Pfarrerin und ergänzt: „Wir würden uns natürlich eine neue junge Pfarrerin oder einen neuen jungen Pfarrer wünschen – besonders für die Jugendarbeit.“

Kooperation mit anderen Gemeinden ist möglich

Neben einer Neubesetzung gebe es verschiedene Modelle, wie mit einer freien Pfarrstelle umgegangen werden könne. Möglich sei beispielsweise der Einsatz von Diakonen. Diese haben die Aufgabe, sich um die Gemeindeverwaltung, aber auch um die Armen und Kranken zu kümmern. Zudem sei eine Kooperation mit einer anderen Gemeinde möglich, so Scholz-Druba.

Diese Entwicklung resultiere aus dem Wandel, den die Kirche derzeit vollzieht, erklärt Thomas Roddey, leitender Pfarrer des Pastoralen Raumes Lünen. Nur noch drei bis fünf Prozent der Katholiken würden ihren Glauben in einer Gemeinde ausleben. „Es sterben mehr Gläubige und es treten mehr Menschen aus der Kirche aus, als Kinder getauft werden“, erklärt Roddey den Schrumpfungsprozess. Das führe dazu, dass es nicht mehr an jedem Kirchturm alle Angebote – wie beispielsweise Jugend-, Senioren- oder Musikgruppen, aber auch Frauenkreise und andere Verbände – gebe.

In der Folge würden daher weniger priesterliche Berufungen entstehen. „Auch der Beruf einer Gemeinde- oder Pastoralreferentin ist bei jungen Menschen nicht mehr attraktiv“, sagt Roddey. Das führt zu einem weiteren Grund für weniger besetzte Pfarrstellen.

„Es gibt einfach weniger Bewerberinnen und Bewerber auf pastorale Berufe“, sagt Roddey. Zwei aktive Priester gebe es im Pastoralen Raum noch. Als er vor neun Jahren in Lünen angefangen habe, seien es sechs gewesen. Die Kirchen hätten in diesem Bereich Nachwuchsprobleme, pflichten Andrea Ohm und Frederike Scholz-Druba bei.

Daher sieht Roddey das Konzept einer Gemeindekirche als veraltet an. „Wahrscheinlich werde es keine ‚Flächendeckung‘ mehr durch katholische Kirchengemeinden geben, sondern ‚katholische Zentren, an denen die wenigen Hauptberuflichen die ‚Grundversorgung‘, wie Taufen, Trauungen oder Beerdigungen, sicherstellen“, meint er. Eine ähnliches Phänomen begleitete Andrea Ohm 2011 hautnah mit: Die Fusion der beiden evangelischen Gemeinden Horstmar und Preußen.

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