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Pfarrerin Anja Bunkus: „Empfang ohne Reden, dafür mit Currywurst“

dzSilberjubiläum in Lünen

Dieser Pfingstsonntag ist für Anja Bunkus ein besonderer Tag. Vor 25 Jahren wurde sie Pfarrerin. Warum Anja Bunkus besonders gern im Ruhrgebiet Pfarrerin ist, verrät sie im Interview.

Lünen

, 08.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Anja Bunkus ist Dortmunderin und seit 26 Jahren Wahl-Lünerin. Als Pfarrerin hat die Mutter einer Tochter viel mit Menschen zu tun.

Am Pfingstsonntag, 9. Juni, wird ihre Silberordination um 19 Uhr in einem feierlichen Gottesdienst in St. Georg, St. Georg-Kirchplatz, gefeiert. Im Anschluss gibt es einen Empfang - auf Wunsch der Pfarrerin „ohne Reden, dafür mit Currywurst und Getränken“.

Wie sie zu ihrem Beruf kam und wie sie ihn heute, nach 25 Jahren sieht, erzählt die 53-Jährige im Interview.

Mögen Sie ihren Beruf auch nach 25 Jahren noch?

Ich arbeite gerne in diesem Beruf. Und ich bin sehr gern Pfarrerin im Ruhrgebiet, weil hier die Menschen von dem Schlag sind, den ich kenne. Die Leute hier sind unverstellt, sagen direkt, was sie wollen und begegnen uns mit großer Offenheit.
Ich konnte immer unterschiedliche Arbeitsbereiche ausfüllen. Und wir haben ein gutes Pfarrteam in der evangelischen Kirchengemeinde Lünen, können uns aufeinander verlassen. Mit Udo Kytzia arbeite ich mein gesamtes Arbeitsleben zusammen - seit dem Entsendungsdienst.

Pfarrerin Anja Bunkus: „Empfang ohne Reden, dafür mit Currywurst“

Auch das gehört zu den Aufgaben einer Pfarrerin: Anja Bunkus segnet bei der Einschulung die Erstklässler. © Foto Goldstein

Wie hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen 25 Jahren verändert?

Die Menschen sind heute nicht mehr so vertraut mit kirchlichen Ritualen. Auch ihre Wünsche was die Gestaltung und die Musik bei Trauungen und Beerdigungen betrifft, haben sich verändert. Waren früher eher kirchliche Lieder gefragt, sind es heute auch Pop-Songs oder Schlager.
Ganz klar ist, dass die soziale Schere immer weiter auseinander klafft, das spüren wir auch deutlich. Beispielsweise müssen die Konfirmanden-Freizeiten öfter als früher subventioniert werden.
Bei uns sind alle willkommen, das wollen wir deutlich machen. Auch wenn es weniger Leute geworden sind, aber in den vergangenen Jahren bringen Menschen, die sich noch für den Glauben interessieren, eine hohe Bereitschaft mit, Kirche zu gestalten.

Pfarrerin Anja Bunkus: „Empfang ohne Reden, dafür mit Currywurst“

Zusammen mit (v.l.) Kantorin Jutta Timpe, ständig stellv. Superintendent Michael Stache und Pfarrer Udo Kytzia stellte Anja Bunkus das Programms im Lutherjahr vor, in dem auch die Stadtkirche zum Teil komplett ohne Bänke war. © Torsten Storks

Es gibt immer weniger Gemeindeglieder. Bedrückt Sie das als Pfarrerin?

Ich weiß, dass ich nicht für den Glauben der Leute zuständig bin. Denke aber, dass wir andere Formen von Gottesdiensten mit den Menschen zusammen entwickeln sollten.
Es kommen aber auch Menschen auf uns zu. So hab ich seit zwei Jahren einen Frauen-Bibelgesprächskreis. Die Idee dazu kam von Frauen aus der Gemeinde. Wir diskutieren auf Augenhöhe die Bibeltexte, verstehen sie aus unserer Lebenserfahrung heraus.
Wichtig ist es, verschiedene Formen anzubieten, damit Menschen in unseren Kirchenmauern zu sich finden. Für Stabilität und Dauer des Glaubens ist meiner Meinung nach Gott verantwortlich.

Seit 1993 in Lünen

Beruflicher Werdegang

  • Anja Bunkus ist gebürtige Dortmunderin. Sie studierte in Bochum, Münster und Heidelberg evangelische Theologie.
  • Ihr Vikariat absolvierte sie in Gronau. Der Entsendungsdienst führte sie 1993 nach Lünen, zu Pfarrer Udo Kytzia.
  • In Lünen wurde sie dann auch 1994 ordiniert. Nach dem Tod von Pfarrer Klusmann setzte sich Anja Bunkus im Wahlverfahren gegen weitere Bewerber durch und hat seitdem die Pfarrstelle der Kirchengemeinde Lünen im Seelsorgebereich „Innenstadt II“ inne.

Thema Frauen in der Kirche. Glauben Sie, dass das „Vorbild“ der evangelischen Kirche irgendwann auch in der katholischen Kirche ankommt?

Derzeit kann ich es mir nicht vorstellen. Aber ich glaube, dass die Frauen rebellischer werden.
Und auch dadurch, dass die Gemeindereferentinnen immer mehr Aufgaben erfüllen, die früher alleine bei den Pfarrern lagen, machen die Gemeindemitglieder ja auch so neue Erfahrungen.

Pfarrerin Anja Bunkus: „Empfang ohne Reden, dafür mit Currywurst“

Anja Bunkus und Pfarrer Udo Kytzia: Ein Bild aus der Anfangszeit ihrer Zusammenarbeit. © Ogunnibi (A)

Was waren Ihre Beweggründe, Pfarrerin zu werden, und haben sie sich im Laufe der Jahre bestätigt?

Ich wollte schon mit acht Jahren Pfarrerin werden, weiß aber gar nicht, warum ich das damals wollte. Aber ich hab mich schon als Kind für Glaubensfragen interessiert. Ich fand auch den Religionsunterricht interessant, war in einem Jugendbibelkreis und hab dann Theologie studiert.
Dass ich diesen Weg eingeschlagen habe, hab ich nie bereut.

Pfarrerin Anja Bunkus: „Empfang ohne Reden, dafür mit Currywurst“

Immer wieder war Pfarrerin Anja Bunkus - hier mit dem damaligen Vikar Michael Helmert und Pfarrer Ulrich Klink - auch Teil eines Teams, das eine Predigtreihe zu besonderen Themen anbot. © Dieter Hirsch

„Was für ein Vertrauen“ ist die Losung des Evangelischen Kirchentags. Glauben Sie, dass junge Menschen noch Vertrauen in die Kirche haben? Und wie könnte man dieses Vertrauen wieder herstellen?

Ich glaube, dass Kirche für junge Menschen heute keine Rolle spielt, sie ist ihnen fremd.
Aber bei den Konfirmanden erlebe ich eine große Offenheit und viele Fragen. Dadurch, dass ich auch Meditationslehrerin bin, machen wir beim Konfirmations-Unterricht auch solche Übungen, da merke ich auch die Neugier und dass die Jugendlichen dazu Lust haben.
Als sie beim Thema Taufe aufschreiben sollten, was bisher für sie schwer und was gut war, waren sie auch sehr offen. Wir sprechen darüber, was das mit Gott zu zun hat.
Man sollte Kinder und Jugendliche ernst nehmen. Wichtig ist, dass die Menschen spüren, dass sie begleitet werden, sich geborgen fühlen.
Schön finde ich, dass uns die Jugendlichen als vertrauensvolle Gesprächspartner erleben. Und auch, die große Bereitschaft von Eltern, sich beim Konfirmations-Gottesdienst einzubringen.

Pfarrerin Anja Bunkus: „Empfang ohne Reden, dafür mit Currywurst“

Pfarrerin Anja Bunkus mit dem Modell der Stadtkirche St. Georg, das Siegbert Ilgner aus Papier gefertigt hat. © Beate Rottgardt

Machen solche Kirchentage nach Ihrer Ansicht überhaupt noch Sinn?

Um Kirche zu erleben oder zu sehen, was Gottesdienste für Menschen sein können, macht es schon Sinn. Wichtig finde ich auch die Begegnung mit ganz unterschiedlichen Menschen. In St. Georg bieten wir von Donnerstag bis Samstag (20. bis 22.6.) um 21 Uhr ein Gute-Nacht-Café. Und am Freitag (21.6.) ein Feierabendmahl. Außerdem wird am Sonntag (23.6.) der Abschluss-Gottesdienst in die Stadtkirche übertragen. Ich muss also sehen, wann noch Zeit für mich bleibt, zum Kirchentag zu fahren.

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