Seit fast 49 Jahren sind Odile und Hubert Meier verheiratet - gelebte französisch-deutsche Partnerschaft. © Rottgardt
Deutsch-französischer Tag

Paar aus Lünen lebt deutsch-französische Freundschaft jeden Tag

Die Freundschaft zwischen Deutschen und Franzosen wird seit 2003 am 22. Januar gefeiert. Eine ganz private deutsch-französische Beziehung in Lünen hält schon seit 49 Jahren.

Sie sind beide Weltenbummler, deshalb ist es auch kein Wunder, dass sich Odile Meier aus Paris und ihr Mann Hubert aus Lünen vor mehr als fünf Jahrzehnten in Spanien kennengelernt haben – bei einem Urlaub.

2022 feiern sie Goldene Hochzeit und sind so ein ganz privater Beweis dafür, dass Franzosen und Deutsche sich schon lange nicht mehr spinnefeind sind, sondern Freundschaft geschlossen haben. Diese Freundschaft wird seit 2003 an jedem 22. Januar gefeiert. Anlass, diesen Freundschaftstag zu bestimmen, war der 40. Jahrestag des Elysée-Vertrags zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland.

Englisch-Kurse an der Volkshochschule

Odile Meier (74), die Lehrerin war und ein Jahr an einem Gymnasium in ihrer Heimat Englisch unterrichtete, bevor sie zu ihrem Mann nach Lünen zog, lebt mittlerweile länger in Lünen als in ihrer Heimat. Hier gab sie 20 Jahre lang Kurse an der Volkshochschule, vor allem in Englisch.

Ihren charmanten französischen Akzent hat die 74-Jährige aber nicht abgelegt. Und natürlich hat sie auch noch Familie und Freunde in Frankreich. „Eigentlich wollten wir Ende August, wie jedes Jahr, nach Saint Tropez an der Cote d´Azur fahren, aber einen Tag vorher habe wir dann doch abgesagt. Sonst hätten wir in Quarantäne gemusst.“ In Südfrankreich trifft sich das Lüner Ehepaar immer mit Freund und Verwandten von Odile Meier.

Viele Telefonate mit Bruder und Freunden

Die hat die gebürtige Pariserin nun schon über ein Jahr nicht mehr gesehen. „Es läuft alles über What´s App, Zoom und Skype. Wir telefonieren viel miteinander.“ Auch in ihrem Heimatland ist Corona seit fast einem Jahr das bestimmende Thema.

„Jeder Franzose kennt mindestens eine Person, die Corona hatte. Das ist in Deutschland nicht so“, sagt Odile Meier. Ein Bekannter lag sogar sechs Wochen in Frankreich im Koma, die Ärzte wollten die Maschinen schon abschalten, doch seine Frau habe um ihn gekämpft. „Seit drei Monaten ist er wieder zuhause und fast wieder so gesund wie vor der Erkrankung.“

Sorgen machen ihr die hohen Zahlen der Corona-Toten. In Deutschland sind es mittlerweile mehr als 50.000, in Frankreich bereits mehr als 71.000. Frankreich hat derzeit eine nächtliche Ausgangssperre ab 18 Uhr. Allerdings sind die Geschäfte bis 18 Uhr geöffnet. „Auch Friseure haben offen. Nur Bars und Restaurants dürfen nicht öffnen.“ In Schulen und Kitas läuft der Betrieb im Nachbarland auch „normal“.

Französin Odile Meier kam vor 49 Jahren aus Paris nach Lünen und ist glücklich hier. Sie hat schon viel von der Welt gesehen.
Französin Odile Meier kam vor 49 Jahren aus Paris nach Lünen und ist glücklich hier. Sie hat schon viel von der Welt gesehen. © Quiring-Lategahn (Archiv) © Quiring-Lategahn (Archiv)

Eine Freundin aus Frankreich hat Odile Meier informiert, dass sie für Februar einen Termin zur Corona-Impfung hat. „Eine andere Freundin aus England ist schon geimpft worden.“ Die Reaktionen auf die Schutzmaßnahmen seien in Frankreich und Deutschland ebenso ähnlich wie doch unterschiedlich: „In beiden Ländern sind die Menschen langsam müde geworden. Aber in Deutschland halten sich die Leute schneller an die Vorgaben. In Frankreich dauerte es länger, bis alle Masken getragen haben.“

„Es gibt Schlimmeres als jetzt nicht reisen zu können“

Hubert und Odile Meier lieben es, gemeinsam zu reisen und haben schon viel von der Welt gesehen. Doch in Corona-Zeiten ist das Ehepaar vorsichtig. „Natürlich fällt es schwer, nicht so verreisen zu können. Aber andererseits gibt es Schlimmeres, anderen Menschen geht es sehr viel schlechter.“ Und die Hoffnung, dass es irgendwann dann auch wieder möglich sein wird, ihren Bruder und ihre Freunde in Saint Tropez zu treffen, bleibt.

Zum Glück ist die Goldene Hochzeit des französisch-deutschen Paares auch erst im Herbst 2022 – dann wird Corona hoffentlich längst Geschichte sein.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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