Orgelspots: Musikalische Video-Grüße aus Lünen wird es weiterhin geben

dzMotivationsgrüße

Ein Leben ohne Musik geht für Kantorin Jutta Timpe nicht. Also startete sie die Orgelspots - musikalische Grüße als Video. Nun zieht sie eine erste Bilanz - und erklärt wie es weitergeht.

Lünen

, 08.06.2020, 14:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anfang März verkündete die Bundesregierung die Beschränkung sozialer Kontakte für die Menschen in Deutschland wegen der ausgebrochenen Corona Pandemie. Für Jutta Timpe, Kantorin an der Stadtkirche St. Georg, war ein Leben ohne Musik und soziale Kontakte eine Horrorvorstellung. Und weil sie überzeugt davon war, dass es vielen Menschen ebenso ging, beschloss sie, für sich und andere etwas gegen den Corona Blues zu tun.

Interessenten bei Youtube und WhatsApp

An der Orgel der Stadtkirche produzierte sie musikalische Grüße, die sie als Videobotschaften verschickte. Mehr als 70 solcher musikalischen Stimmungsaufheller erreichten inzwischen den ständig gewachsenen Interessentenkreis. 125 Mitglieder hat die Whatsapp Gruppe, die direkt „beliefert“ wird. Inzwischen werden die Spots auch bei YouTube veröffentlicht.

Jutta Timpe zeigt sich überrascht und vor allem erfreut über das nicht nur zahlenmäßig große Echo: „Die Empfänger der Videobotschaften schickten sie an Verwandte, Freunde und Bekannte weiter. Mich erreichten Rückmeldungen aus Nord- und Süddeutschland. Alte Bekannte, zu denen ich seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, meldeten sich plötzlich bei mir.“ Und was sie noch mehr freute: „Alle, wirklich alle Reaktionen waren positiv.“

Von Bach bis zu den Beatles

Immer wieder ließ sich die Künstlerin etwas Besonderes einfallen. Da waren die täglichen themenbezogenen Quizfragen, manchmal leicht, manchmal schwierig. „Ich habe oft auch humorvolle Antworten bekommen, meistens, wenn man damit Unwissen kaschieren wollte.“ Da war das immer passende Outfit. Mal waren es Jeans, mal schmückte ein glitzerndes Ballkleid die Organistin. Mal waren es bequeme Treter, dann auch mal High Heels, die das Pedal der Orgel zum Tremolo verleiteten. Requisiten wie Toilettenpapier auf dem Höhepunkt des Hamsterwahnsinns, Bilder von Komponisten, Plüschtiere, Putz- und Desinfizier-Utensilien, alles war vertreten.

Musikalisch wurde eine umfassende Bandbreite vorgestellt, von Bach bis zu den Beatles, von den Metropolen Europas von Paris bis Berlin, von Kirchenmusik bis Pop, von den roten Lippen die man küssen soll bis zum Lebensrückblick in My Way. „Ich wollte neben der allgemeinen Musikvermittlung und Unterhaltung einfach auch mal zeigen, was die Orgel für ein ‚geiles‘ Instrument ist“, erklärt die Kantorin ihre Mission. Stolz ist sie auch, dass sie alles mit einfachen Mitteln geschafft hat: das Handy steht auf einem Notenständer, es gibt keine Schnitte, alles unplugged.

Jeder Beitrag hat Spaß gemacht

Jutta Timpe räumt ein, dass sie mit ihren Beiträgen auch etwas für sich getan hat: „Wenn man als musikalisch künstlerisch tätiger Mensch plötzlich nicht mehr aktiv sein darf, stellen sich leicht Depressionen ein. Bei mir formten sich ganz schnell Ideen in meinem Kopf. Jeder Beitrag hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich nicht wie einige meiner Kollegen in ein tiefes Lock gefallen bin.“ Auch der vielfältige Zuspruch gab ihr Motivation. So urteilte Elfie Böttger-Bohlen aus Waltrop: „Das ist immer wieder ein enormer Aufwand mit der Absicht, die Menschen zu erfreuen. Nicht nur thematisch musikalisch. Sondern auch in Bild und Wort, nicht nur Virtuosität an der Orgel, sondern auch ein ständig wechselndes Outfit haben mich beeindruckt. Hut ab vor so viel Kreativität.“

Da in den Kirchen wieder Gottesdienste stattfinden und Jutta Timpe auch wieder anderweitig eingespannt ist, gibt es die Orgelspots jetzt nur noch einmal wöchentlich, als „Spot(t)s zum Sonntag“. „Da es aber noch lange Zeit coronabedingte Einschränkungen geben wird, werde ich dieses Angebot noch lange aufrecht erhalten, zu verfolgen ist es über die Homepage der Kirchengemeinde oder über Youtube. Wer möchte, kann sich auch direkt in meine Whatsapp-Gruppe aufnehmen lassen“, verspricht die Kantorin.

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