Opposition im Rat erfolgreich: Erster grüner Vize-Bürgermeister in Lünen

dzKonstituierende Ratssitzung

SPD und CDU wollten mit einer gemeinsamen Liste zwei Stellvertreter von Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns benennen. Doch Grüne, GFL, FDP, Linke und Freie Wähler hatten andere Pläne.

Lünen

, 06.11.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit Reiner Hohl (57) wird erstmals ein Ratsmitglied der Grünen den Bürgermeister vertreten: Der gemeinsame Kandidat von Grünen, GFL, FDP, Die Linke und Freien Wählern erreichte bei der konstituierenden Ratssitzung am Donnerstag (5. November) 22 von 54 gültigen Stimmen. Das reichte, um als zweiter Stellvertreter von Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns gewählt zu werden.

Die beiden größten Fraktionen SPD und CDU hatten eine gemeinsame Liste mit zwei Namen ins Rennen geschickt: Daniel Wolski (38) als Kandidat der Sozialdemokraten sowie Thorsten Redeker (52) für die CDU sollten Stellvertreter werden. Diese Liste erhielt mit 32 Stimmen auch die rechnerische Mehrheit - da bei der Wahl des stellvertretenden Bürgermeisters jedoch das d‘Hondt-Verfahren zur Anwendung kommt, galt hier nur der erste Kandidat - Wolski - auch als gewählt.

Daniel Wolski (SPD) wurde als erster Stellvertreter von Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns gewählt.

Daniel Wolski (SPD) wurde als erster Stellvertreter von Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns gewählt. © Goldstein

Beide Listen erhielten in der geheimen Abstimmung mehr Stimmen, als die unterstützenden Fraktionen Mitglieder haben: SPD und CDU kommen zusammen auf 31 Mitglieder, Grüne, GFL, FDP, Linke und Freie Wähler haben insgesamt 20 Abgeordnete. An diesem Abend war mit Erika Roß ein grünes Ratsmitglied verhindert, sodass eigentlich nur 19 Unterstützer der zweiten Liste anwesend waren. Die fehlenden Stimmen für beide Kandidaten müssen also von Bürgermeister Kleine-Frauns, dem fraktionslosen Andreas Mildner und den vier AfD-Abgeordneten gekommen sein. Zwei abgegebene Stimmen waren ungültig.

Stellvertreter ist nur Repräsentant

Sollte Jürgen Kleine-Frauns also bei Ratssitzungen verhindert sein, wird zunächst Daniel Wolski einspringen. Ist der ebenfalls verhindert, kommt Reiner Hohl zum Zug. Das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters ist rein repräsentativ - in der Stadtverwaltung hat die Besetzung der Posten keine Konsequenzen. Fällt Jürgen Kleine-Frauns zum Beispiel wegen Krankheit aus, übernimmt im Rathaus Kämmerin Bettina Brennenstuhl als Erste Beigeordnete die Amtsgeschäfte. Bei Terminen, die nichts mit der Verwaltung zu tun haben, übernehmen die gewählten Stellvertreter.

Scheiterte am d‘Hondtschen Wahlverfahren: CDU-Kandidat Thorsten Redeker.

Scheiterte am d‘Hondtschen Wahlverfahren: CDU-Kandidat Thorsten Redeker. © Goldstein

Trotz dieser eher symbolischen Bedeutung des Amtes hielten die drei Kandidaten teils opulente Vorstellungsreden. Reiner Hohl erklärte als „Neuling“ im Rat, dass ihm „existenzielle Zukunftsfragen zu Klima und Umwelt“ besonders wichtig seien und er zudem dafür sorgen wolle, dass die Jugend in Lünen nicht ausschließlich „als Gegenstand von Ruhestörungen“ wahrgenommen wird. Zudem gab er freimütig zu, als Kandidat vielleicht falsch aufgestellt zu sein: „Eigentlich sollte hier jemand stehen, der jünger und weiblicher ist. Aber da fand sich leider niemand.“

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Im Gegensatz zu Hohl kann Daniel Wolski bis jetzt auf eine 22 Jahre lange politische Karriere zurückblicken, auf die er in seiner Rede detailliert einging. Inhaltlich wolle er die Stadt Lünen lebenswerter machen und dazu den Fokus auf Bildung und Arbeitsplätze richten. Als Vermittler zwischen den Fraktion möchte er zudem dafür sorgen, dass „die beste Entscheidung für Lünen“ getroffen wird.

Vor dem Hintergrund dieser ausführlichen Auftaktreden wirkte Thorsten Redeker etwas überrumpelt. Auch er betonte, dass der Rat gemeinsam für Lünen entscheiden müsse. „Mir ist egal, von wem eine Idee kommt. Wenn sie gut ist, ist sie gut.“ Natürlich werde er sich als CDU-Mitglied auch für deren Belange einsetzen. „Aber ich werde mich niemals gegen die Interessen der Stadt stellen.“

Ohne Maske, mit Abstand: Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns (Mitte), Reiner Hohl (l.) und Daniel Wolski.

Ohne Maske, mit Abstand: Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns (Mitte), Reiner Hohl (l.) und Daniel Wolski. © Goldstein

Schwere Aufgabe für Jürgen Kleine-Frauns

Den wesentlich schwereren Job im Rat dürfte Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns haben, der schon in seiner ersten Amtsperiode das Ziel hatte, zwischen den Fraktionen zu vermitteln. „Es ist nicht einfach, Bürgermeister für alle zu sein - das haben Sie in der Vergangenheit sicher gemerkt“, fasste es Alterspräsident Otto Korte (GFL, 73) zusammen, als er den alten und neuen Bürgermeister vereidigte. „Ich bin in vielen Ausschüssen Mitglied gewesen und war immer der jüngste Hüpfer. Jetzt bin ich der plötzlich der Älteste.“ Trotzdem gefiel Korte der Part an diesem Abend, denn: „Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, den Bürgermeister seiner Stadt zu verpflichten?“

Alterspräsident Otto Korte (73, r.) vereidigte Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns für die zweite Amtszeit.

Alterspräsident Otto Korte (73, r.) vereidigte Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns für die zweite Amtszeit. © Goldstein

Der Alterspräsident nutzte seine Rolle aus und richtete einen Appell an die Ratsmitglieder: „Unterstützen Sie unseren Bürgermeister!“ Die geringe Beteiligung an der Kommunalwahl vom 13. September (41,05 Prozent) habe ihren Grund. „Und wenn wir das ändern wollen, sollten wir dem Bürgermeister bei seinem Ziel, ein Bürgermeister für alle zu sein, helfen.“

Jürgen Kleine-Frauns selbst betonte, dass er als Bürgermeister nur einen kleinen Teil dazu beitragen könne, um sachgerechte Lösungen zu finden: „Dazu braucht es viele Menschen im Rat, in Einrichtungen und in der Verwaltung.“ Er verband seine Bitte um aktive Mitgestaltung mit dem Versprechen, das Wohl der Stadt Lünen nach besten Kräften zu fördern: „Ich bin zuversichtlich und freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen.“

Zu ihrer Verpflichtung erhoben sich die 55 anwesenden Ratsmitglieder (eine Ratsfrau war verhindert) in der Halle des Erlebnisreich-Campus in Wethmar.

Zu ihrer Verpflichtung erhoben sich die 55 anwesenden Ratsmitglieder (eine Ratsfrau war verhindert) in der Halle des Erlebnisreich-Campus in Wethmar. © Goldstein

Den Lünerinnen und Lünern dankte Kleine-Frauns am Tag seiner Verpflichtung erneut für das entgegengebrachte Vertrauen: „Dieser Vertrauensbeweis, aber auch die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger sind mir an diesem Tag ganz besonders bewusst.“ Kleine-Frauns hatte nach dem ersten Wahlgang noch mit knapp 37 Prozent hinter seinem SPD-Herausforderer Rainer Schmeltzer (40 Prozent) gelegen, war aus der Stichwahl am 27. September jedoch mit 51 Prozent als Sieger hervorgegangen.

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