Am Vormittag genießt Bastian Freitag, Geschäftsführer des Kids Country in Lünen, die Stille. Am Nachmittag wimmelt und wuselt es hier. © Kristina Gerstenmaier
Freizeit

Nur ein Indoorspielplatz in Lünen überlebte den Lockdown

Gerade für Freizeit- und Kultureinrichtungen waren die vergangenen Monate seit Ausbruch der Pandemie besonders hart. Der Geschäftsführer einer der beiden Lüner Indoorspielplätze gibt Einblicke.

Wenn die Pandemie etwas Positives gebracht hat, findet Bastian Freitag, dann dass der Umgangston der Menschen untereinander viel freundlicher geworden ist. Freitag ist Geschäftsführer des „Kids-Country“, einem Hallenspielplatz in Lünen-Alstedde*. „Die Kinder sind fast durchgedreht, als wir im Juni wieder aufmachen durften“, erinnert er sich. „Und insgesamt sind alle einfach nur dankbar und glücklich über alles, was irgendwie wieder geht.“

Und immerhin konnte er, anders als der andere Indoorspielplatz in Horstmar, die Türen überhaupt wieder öffnen. Freitags Kommentar hierzu: „Wir sind seit 14 Jahren an diesem Standort und eine Stadt mit 80.000 Einwohnern ist einfach zu klein für zwei solche Unternehmen. Es war ganz schön frech, auch in Lünen zu eröffnen.“ Auf die Interview-Anfrage an die Inhaberin der „Kids-Hall“ gab es keine Reaktion.

Zwei Hauptsaisons entfallen

An dieser Stelle hört es aber auch schon auf mit dem Positiven, das der 38-Jährige gelernte Maschinenbauer über die Zeit der Pandemie sagen kann. „Das Schlimmste ist, dass nach wie vor alles ungewiss ist und wir der Willkür von irgendwelchen Politikern ausgesetzt sind, die nur das Motto haben, die Großindustrie zu schützen“, kommentiert er.

Bastian Freitag betreibt ein zweites „Kids-Country“ in Essen-Kray und außerdem Freibadgastronomie in Dortmund und Hattingen. Pro Hallenspielplatz-Standort beschäftigt er 13 Mitarbeiter. Die musste er mit dem letzten Lockdown entweder entlassen oder in Kurzarbeit schicken.

Hinter dem Unternehmer liegen, wie bei vielen aus dem Kultur- und Freizeitbereich, harte Monate. Schon zu Beginn der Pandemie hatte der Lockdown einen Teil der Hauptsaison 2019/2020 gekostet, die für Indoorspielplätze klassisch im Oktober beginnt und bis in den Mai reicht. Den Sommer über ist üblicherweise wenig los.

Zu Beginn der nächsten Hauptsaison von Herbst 2020 bis Frühling 2021 kam dann im November der nächste Lockdown. Im Mai 2021 kamen die Corona-Hilfen, die er bereits im November zuvor beantragt hatte. Über sich selbst sagt Freitag: „Dadurch dass die Hilfen so spät kamen, habe ich mich zum ersten Mal verschulden müssen.“ Auf die Frage, ob er jetzt, nachdem die Hilfen angekommen sind, wieder schuldenfrei ist, lacht er laut. Neu im „Kids-Country“ ist jedenfalls eine große Belüftungsanlage.

Kein 2G vorstellbar

Zu schaffen macht dem Geschäftsmann das Hin und Her der Vorschriften: Im Juni nach Wiedereröffnung habe es „normale Auflagen“ gegeben, dann im Juli bis Mitte August „gar nichts“, und dann die Testpflicht auch für Kinder. Da wollte Freitag selbst testen, was ihm allerdings mit der Begründung, es gebe schon genug Testzentren, durch das Gesundheitsamt verwehrt wurde.

„In dieser Zeit kam fast niemand. Sogar die Großfamilien, die hier oft Kindergeburtstage feiern, blieben aus“, sagt er. „Die wirklichen Verlierer sind aber die Kinder. Das zeigt sich auch hier wieder. Die wollen doch eigentlich nur toben und sich mit anderen Kindern treffen. So ist das kein kindgerechtes Leben.“

Eine 2G-Regel, wie es sie jetzt in Hamburg als Möglichkeit gibt, kommt für ihn indessen nicht in Frage. „Das ist verrückt, die Tests wegfallen zu lassen, denn auch Genesene und Geimpfte können doch ansteckend sein.“ 200 Menschen dürfen aktuell in das „Kids-Country“. Über ein Online-Buchungs-System kann man neuerdings vorreservieren, eine Online-Ampel zeigt an, wie ausgelastet die Halle schon ist.

In diesem Sommer erwirtschaftete das Unternehmen gerade mal 50 Prozent des Umsatzes des Sommers 2019. Mit Blick auf den Herbst wird Bastian Freitag nervös. Nicht nur, weil er wieder nicht absehen kann, was kommt, sondern auch weil er damit rechnet, dass die 30 Prozent der Besucher, die zur Zeit mit negativen Testergebnis kommen wegfallen, sobald die Tests kostenpflichtig werden.

*In einer früheren Version des Textes berichteten wir, die Kids-Hall liege in Lünen-Süd. Wir haben den Fehler korrigiert.

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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