Notfallpatienten: Spezialisten am Lüner Klinikum rund um die Uhr bereit

dzZertifizierung

Ob ein reanimierter Patient überlebt, hängt stark von der Weiterbehandlung in der Klinik ab. Das Klinikum Lünen hat sich darauf ausgerichtet - mit Spezialisten und Technik rund um die Uhr.

Lünen

, 17.08.2020, 10:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob Hirnbluten, Lungenembolie oder Herzinfarkt: Wenn Notarzt oder Rettungskräfte um das Leben eines Patienten mit Herz-Kreislauf-Atemstillstand kämpfen, wissen sie nicht, woran er leidet. Damit der Patient eine Überlebenschance hat, ist die Weiterbehandlung im Krankenhaus von großer Bedeutung. Dort müssen nicht nur spezialisierte Mediziner unterschiedlicher Disziplinen rund um die Uhr im Einsatz sein, auch moderne medizinische Geräte sind wichtig.

„Die zugrunde liegende Erkrankung muss schnell gefunden werden, um das Richtige zu tun“, erklärt Prof. Christian Perings, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Intensivmedizin im Katholischen Klinikum Lünen/Werne (KKLW). In drei bis fünf Minuten sollte die Ursache in dieser ernsten Situation abgeklärt sein. Dass die spezialisierte Versorgung von Notfallpatienten am Katholischen Klinikum Lünen/Werne auf hohem Niveau erfolgt, hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie bescheinigt. Das Krankenhaus wurde als Reanimations-Schwerpunktzentrum (Cardiac Arrest Center) zertifiziert.

Gebündelte Kompetenz im Schockraum

Etwa 100 reanimierte Patienten werden jährlich im Katholischen Klinikum Lünen/Werne aufgenommen und behandelt. Wenn der Rettungswagen vorfährt, kommt der lebensbedrohlich erkrankte Patient direkt in den technisch dafür ausgerüsteten Schockraum. EKG, Labordiagnostik, Ultraschall, Röntgen bis hin zum Ganzkörper-CT stehen zur Verfügung. Nach festgelegter Systematik suchen die Spezialisten schnellstmöglich nach der Ursache. Kardiologen, Anästesiologen, Notfallmediziner, Neurologen oder Unfallchirurgen arbeiten Hand in Hand. „Die systematische Verzahnung der Disziplinen im Diagnoseprozess verbessert die Überlebenschancen ohne erhebliche neurologische Defizite“, so Perings.

Mit modernen Unterstützungsmitteln stabilisieren die Ärzte Kreislauf und Atmung des Notfallpatienten. Bei Bedarf können sie ihn über einen externen Blutkreislauf wieder mit erforderlichem Sauerstoff versorgen. Die Spezialisten entfernen je nach Erkrankung ein Blutgerinsel aus dem Gehirn oder behandeln den akuten Herzinfarkt per Herzkatheter.

Künstlicher Winterschlaf

Um beispielsweise die Folgeschäden des Sauerstoffmangels zu verringern, legen die Intensivmediziner des Klinikums die Patienten für 48 Stunden in eine Art künstlichen Winterschlaf. Sie senken unter Narkose die Körpertemperatur auf 32 Grad. Das verlangsamt den Hirnstoffwechsel. Gekühlt wird durch Kühlsysteme auf der Haut. Schneller geht es mit Kühlkathetern, die durch die Leiste geführt werden. So gelangt gekühlte Flüssigkeit direkt ins Gefäßsystem. Über Temperatusonden zeichnet der Computer bis auf 0,1 Grad genau die Körpertemperatur auf.

Halbes Jahr Vorbereitung

Ein halbes Jahr lang hat sich das Klinikum Lünen auf die Zertifizierung als Reanimations-Schwerpunktzentrum vorbereitet. Jeder Prozessstein sei umgedreht worden. Man habe überprüft, ob alle Schritte der Wiederbelebungskette ineinander greifen, beschreibt Perings. Dabei seien alle erforderlichen Fachabteilungen von der Anästhesie und Intensivmedizin, über die Notaufnahme, Radiologie, Neurologie und Unfallchirurgie unter Federführung der Kardiologie, Elektrophysiologie, Pneumologie und Intensivmedizin mit eingebunden worden. Abgeschlossen wurde die externe Überprüfung durch eine Analyse aller Wiederbelebungen der letzten zwei Jahre. Die Aufarbeitung hilft dabei, noch effektiver dem Patienten zu helfen,

In den aktuellen internationalen Leitlinien zur Reanimation wird gefordert, dass Patienten, die außerhalb von Kliniken reanimiert wurden, nur noch in den spezialisierten Krankenhäusern weiter behandelt werden sollen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt