Dr. Christian Märkert ist der neue Leiter der Lüner Feuerwehr. Seine Grundeinstellung: "Feuerwehr geht nur als Team." © Matthias Stachelhaus
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Neuer Chef der Lüner Feuerwehr: Traumberuf trotz schlimmer Bilder

Die Lüner Feuerwehr hat einen neuen Leiter. Dr. Christian Märkert war schon in ganz Deutschland im Einsatz. Die schlimmsten Ereignisse erlebte er kurz vor dem Wechsel in die Lippestadt.

Die Lüner Feuerwehr steht unter neuer Leitung. Im August hat Dr. Christian Märkert sein neues Büro in der Feuerwache an der Kupferstraße 66 bezogen. Für den 40-Jährigen Ostwestfalen ist es die vierte Station bei der Berufsfeuerwehr, nachdem er bis Ende Juli bei der Feuerwehr in Koblenz tätig war.

Die Ereignisse kurz vor dem Wechsel aus Rheinland-Pfalz in die Lippestadt sind auch die, die Märkert als die spektakulärsten und schlimmsten seiner bisherigen Laufbahn bezeichnet: Das Unwetter am 14. Juli und dessen katastrophale Auswirkungen im Ahrtal. „Wir waren vorbereitet und wussten, dass es heftig werden würde. Aber nicht auf dieses Ausmaß.“ Selbst Soldaten der Bundeswehr, die nach der Katastrophe zu Hilfe kamen, seien von der Zerstörung erschüttert gewesen. „Schlimmer als in Afghanistan“, habe er gehört.

Schlimme Bilder verarbeiten

Die Erinnerung an die Nacht auf den 15. Juli bereitet Märkert nach wie vor Gänsehaut. „Wenn in der Leitstelle sämtliche Lichter blinken, alle Telefone klingeln und du weißt, dass es Tote geben wird. Zum Teil, weil die Menschen am anderen Ende gerade im Sterben liegen. Das möchte ich nicht wieder erleben müssen.“

Die Nachfrage nach seiner persönlichen Belastung wischt der damalige Abteilungsleiter bei der Feuerwehr Koblenz kurz beiseite. 16 Stunden Dienst, 8 Stunden Pause und wieder von vorn. Wie viele seiner Kollegen eben auch.

Mit bestem Ausblick vom eigenen Schreibtisch hat Märkert Erinnerungen und Abschiedsgeschenke der Kollegen von früheren Stationen bei der Feuerwehr aufgehängt. Und ja, auch ein paar kleine Feuerwehrautos dürfen im Büro des Leiters der Feuerwehr natürlich nicht fehlen.
Mit bestem Ausblick vom eigenen Schreibtisch hat Märkert Erinnerungen und Abschiedsgeschenke der Kollegen von früheren Stationen bei der Feuerwehr aufgehängt. Und ja, auch ein paar kleine Feuerwehrautos dürfen im Büro des Leiters der Feuerwehr natürlich nicht fehlen. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Genau wie mit der Verarbeitung solcher und anderer schlimmen Bilder, die für Feuerwehrleute zum Berufsalltag gehören. „Wir sind für solche Situationen geschult und holen uns Hilfe, wenn wir nicht mehr damit umgehen können.“

Wobei man selbst das eigentlich erst nach einem Einsatz merke. „Das äußert sich auch bei Jedem ganz unterschiedlich, deshalb ist es wichtig, dass wir alle aufeinander aufpassen.“ Persönlich betroffen davon ist Märkert bislang nicht. „Ich habe Glück gehabt. Außerdem weiß ich, dass ich immer alles menschenmögliche getan habe. Das hilft mir.“

Nach dem Abschied in Richtung Lünen rund zwei Wochen später, kehrte Märkert noch einmal nach Koblenz zum Debriefing (der Nachbesprechung) zurück. Das sei ihm wichtig gewesen. Auch, um aus der Katastrophe für die Zukunft lernen zu können.

Traumberuf Feuerwehrmann wahr gemacht

Bereut habe er beruflich bisher nichts. Feuerwehrmann werden ist ein Traum vieler Kinder. Auch für Märkert, der sich bereits mit 12 Jahren auf den Weg machte, als er in die Jugendfeuerwehr eintrat.

Das Studium in Chemie sei sein zweites Standbein gewesen. „Außerdem ist ein naturwissenschaftliches Studium Pflicht, wenn man in den gehobenen Dienst der Feuerwehr will. Jeder hat seinen Fachbereich.“ Märkert ist Fachmann für ABC, sprich atomare, biologische und chemische Gefahren. Immer schon wollte er auch etwas gestalten. Allerdings nicht allein: „Die Feuerwehr funktioniert nur als Team.“

An die ersten Wochen in Lünen hat Märkert viele schöne Erinnerungen. „Die Willkommenskultur hier ist einzigartig. Es ist eine freudige Neugier aufeinander da.“

Sein Plan für den Start auf der neuen Stelle seines Wirkens: Es gelte, sich einen Überblick zu verschaffen, das zu erhalten was gut funktioniert und den Blick aufzuweiten in Bereichen, in denen sich ein Tunnelblick oder Betriebsblindheit eingestellt habe. „Da bin ich ganz der Naturwissenschaftler und sage: Versuch macht klug.“ Apropos Plan: „Ich möchte auch erst einmal in Lünen bleiben“, sagt Märkert und schmunzelt.

An seinem neuen Schreibtisch in der Feuerwache in Lünen hat Christian Märkert sich schon eingerichtet.
An seinem neuen Schreibtisch in der Feuerwache in Lünen hat Christian Märkert sich schon eingerichtet. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Denn der promovierte Chemiker ist schon gut herumgekommen bei der Feuerwehr. Die Ausbildung zum höheren feuwehrtechnischen Dienst absolvierte er in Berlin, lehrte später an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz, bevor sein Telefon klingelte und ihm die Stelle in Koblenz vorgeschlagen wurde. „Zweieinhalb Jahre später dann ein Déjà-vu: Ich wurde als Leiter für die Feuerwehr in Lünen angefragt.“

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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