Das Foto zeigt den Lüner Hauptbahnhof. Das Gebäude gehört dem Bauverein zu Lünen. © Sylvia vom Hofe
Stadtentwicklung

Neue Toiletten: 120.000 Euro gegen wildes Pinkeln am Bahnhof Lünen

Wer mal muss in Lünen, hat ein Problem. Das Angebot an öffentlichen Toiletten ist mehr als überschaubar. Das könnte sich ändern - aber teuer werden. Die Stadt sieht „hohen Bedarf“.

Der Mangel an öffentlichen Toiletten auf Lüner Stadtgebiet ist seit Jahren ein Dauerbrenner. Immer wieder steht das Thema auf der Agenda der Politik, ohne dass etwas passiert.

Nach wie vor gibt es nur eine öffentliche Toiletten-Anlage mit restriktiven Öffnungszeiten in der Lüner City. Die Anlage befindet sich zwischen Cineworld und Marktplatz. Mehr ist nicht, mit Ausnahme der Toiletten im Rathaus. Aber das hat ja auch nur bedingt geöffnet.

Vielleicht kommt jetzt doch noch Bewegung in die Sache. Es geht um die Einrichtung einer barrierefreien öffentlichen Toiletten-Anlage im Bereich des Haupt- und Zentralen-Omnibus-Bahnhofs (ZOB).

Bestehende Toilette am Bahnhof reicht nicht aus

Dazu hat die Verwaltung sich in den vergangenen Monaten Gedanken gemacht, auf Basis eines Prüfauftrags des Sicherheits-Ausschusses vom 24. September 2020.

Die Prüfergebnisse sollen nun dem Stadtentwicklungs-Ausschuss am 23. Februar mitgeteilt werden, am 2. März dann dem Sicherheits-Ausschuss – doppelt hält schließlich besser.

Der Anstoß zum Prüfauftrag vom September vergangenen Jahres kam im Übrigen von der Wählergemeinschaft Gemeinsam für Lünen (GFL), um, wie es damals hieß, das „öffentliche Urinieren am Hauptbahnhof“ zu unterbinden.

Ein echtes Problem, obwohl es ja eine öffentliche Toilette in dem Gebäude gibt, das im Übrigen dem Bauverein zu Lünen gehört.

Mit dieser Toilette, davon hat die Verwaltung sich inzwischen ein Bild gemacht, ist es aber nicht weit her.

  • Nicht nur, dass sie laut dem Referat für Stadtentwicklung zwingend modernisiert werden müsste, was ja vielleicht im Zuge der Bahnhofsmodernisierung in den kommenden Jahren passieren könnte.
  • Nein, die Toilette steht „lediglich zu den Servicezeiten der am Hauptbahnhof verorteten Rad-Service-Station zur Verfügung (Abholung des Schlüssels)“.
  • Außerdem, schreiben die Stadtentwickler, wird die Anlage aufgrund der Lage im östlichen Teil des Bahnhofsgebäudes nicht ausreichend durch die Nutzer des ZOB und der weiteren Gleise 3+4 wahrgenommen.
  • „Auch aus diesem Grunde kommt es wohl verstärkt zu wildem Urinieren im Bahnhofsumfeld, insbesondere an der Einmündung des Fußweges Merschstraße.“

Weil das Ganze gewaltig zum Himmel stinkt, hat die Verwaltung unter „Federführung“ des Referats für Stadtentwicklung nicht nur die örtlichen Gegebenheiten untersucht – und getestet? – sondern auch eine erste Marktanalyse bezüglich barrierefreier Toilettenmodule durchgeführt.

Standort am Zuweg zum ZOB und HBF?

Soll heißen, die Stadtentwickler haben sich auf die Suche nach dem optimalen Standort gemacht und außerdem einen Kostenvoranschlag für so eine Toiletten-Anlage eingeholt:

Zum Standort findet sich folgende Passage in der Vorlage für die Ausschüsse mit dem Hinweis „Zur Kenntnisnahme“:

„Nach Einschätzung der beteiligten Fachabteilungen und SAL (Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung, Anm. d. Red.) käme folgender Standort im weiteren Verlauf der Planung für die Errichtung einer öffentlichen Toilettenanlage infrage:

Süd-östliches Ende der Rosenstraße (am Rande des Zuwegs zum ZOB und HBF).“

Zu den „Kosten für die Einrichtung einer öffentlichen Toilettenanlage“, heißt es in der dreiseitigen Vorlage:

„Nach entsprechender Anbieterrecherche liegt ein Angebot der Firma Bioline vor (von diesem Anbieter finden sich zum Beispiel im Auenpark Selm selbstreinigende Toiletten). Bei dem Angebot ist zu berücksichtigen, dass es sich vorerst um einen Richtpreis handelt, welcher weder eine ansprechende Außenfassade, noch hinzukommende Kosten für das Fundament und die notwendigen Anschlüsse an das Ver- und Entsorgungsnetz beinhaltet.“

Nach diesem Hinweis geht es ans Eingemachte:

  • Die Kosten für die Herrichtung des Untergrunds, sowie ein Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss wurden nach Erfahrungswerten erfasst.
  • Der Grundpreis für eine selbstreinigende Automatiktoilette (barrierefrei, unisex) in einfacher Ausführung (Stahlblechfassade, RAL-Farbe nach Wahl oder Lärchenholzfassade) beläuft sich auf 50.000 Euro netto.
  • Hinzukommen Transportkosten in Höhe von 2.800 Euro netto,
  • Krankosten in Höhe von 5.000 Euro,
  • und die Herrichtung des Untergrunds (Fundament) in Höhe von 15.000 Euro sowie die Kosten für den Anschluss an das Ver- und Entsorgungsnetz.
  • Je Toilette entstehen somit Kosten von rund 100.000 Euro brutto.
  • Über die Investitionskosten von 100.000 Euro hinaus entstehen durch den Betrieb der Toilettenanlage jährliche Kosten in Höhe von ca. 15.000 Euro.
  • Die Summe ergibt sich aus jährlichen Servicekosten, Wartung, Abschreibung, Versicherung und Verbrauchsmaterialien.
  • Demgegenüber wird mit einem jährlichen Ertrag in Höhe von 7.200 Euro gerechnet (Annahme ca. 40 Nutzungen täglich bei einer Nutzungsgebühr von 0,50 Cent).

Weitere Toilette ab 2023 in der Persiluhrpassage

Weil der „Bedarf einer barrierefreien beziehungsweise behindertengerechten öffentlichen Toilette im Innenstadtbereich als hoch eingeschätzt“ wird, weisen die Stadtplaner noch auf Folgendes hin:

„Mit Fertigstellung der kulturellen Bildungseinrichtung in der Persiluhrpassage wird im Bereich der nördlichen Innenstadt voraussichtlich im Herbst 2023 eine barrierefreie Toilettenanlage zur Verfügung stehen.“

Was dieses Schmuckstück kostet, dazu steht in der Vorlage nichts.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Jahrgang 1968, in Dortmund geboren, Diplom-Ökonom. Seit 1997 für Lensing Media unterwegs. Er mag es, den Dingen auf den Grund zu gehen.
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