Die Arbeitsgruppe Jusos Lünen-Nord hat sich am 2.2.21 gegründet. © Juso Lünen-Nord
Politik

Neue Juso-Gruppe will alte Strukturen der Politik in Lünen aufbrechen

Die SPD Lünen hat eine neue Juso-Arbeitsgruppe in der junge Themen behandelt werden sollen. Aber wer sind die jungen Menschen, die sich für Politik interessieren. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Junge Menschen gehen nicht selbstverständlich in die Politik. Eine neue Juso-Gruppe in Lünen will jetzt Schwung und junge Themen in die Lüner Politik bringen. Dabei schrecken die jungen Lüner nicht davor zurück, gegen die Linie der Parteien und alte Strukturen zu arbeiten.

Jonah Groth (22) ist seit 2013 bei den Jusos und leitet die neue Arbeitsgruppe der Jusos in Lünen Nord. Die Arbeitsgruppe hatte sich Anfang Februar gegründet. Er hält das für einen wichtigen Schritt: „In der SPD, wie auch in den allermeisten anderen Parteien ist es so, dass junge Leute grundsätzlich unterrepräsentiert sind und daher auch die Themen junger Leute zu kurz kommen.“ Auch wenn die junge Generation grundsätzlich politisch interessiert sei, spielten Parteien eine untergeordnete Rolle: „Junge Leute fühlen sich nicht so sehr zu Parteien hingezogen. Und Parteien sind nun mal das Instrument unserer Demokratie und so kann man sich auch am besten politisch beteiligen.“

Im Gespräch wird immer wieder deutlich, dass Klimaschutz eines der wichtigsten Themen der neuen Arbeitsgruppe ist. Lisa Harhoff (26) betont, dass Klimaschutz ein Thema ist, dass nicht nur die Grünen beschäftigt: „Klimawandel ist natürlich superwichtig. Ähnlich wie bei den Grünen, aber wir achten darauf, dass Klimawandel sozial gerecht sein muss und dass eben jeder Mensch dabei berücksichtigt werden muss, ob er sich jetzt Alternativen leisten kann oder nicht.“

Stärkere Integration der Jusos gewünscht

Von ihrer Mutterpartei wünschen sich die Lüner Jusos in manchen Belangen Veränderungen. Maximilien Dürr (22): „Das betrifft vor allem das, was die Themen Organisationsstruktur und strukturelle Sachen angeht. Wie wird in der Partei gearbeitet? Da gibt es sicherlich noch Verbesserungsbedarf. Gerade was die Integration von Jusos oder den Jusos auf kommunaler Ebene angeht, wie die Ideen noch besser eingebracht werden können, da ist vielleicht noch ein bisschen viel altbacken.“

Gerade in der Unterstützung der Kandidatur für den Bundestag treten die Unterschiede zwischen alteingesessenen SPDlern und den Jusos besonders hervor. Jona Groth: „Es ist für die Menschen schwierig geworden SPD und CDU voneinander zu unterscheiden. Das hat dazu geführt, dass wir bei der letzten Wahl den Wahlkreis nur noch sehr knapp gewonnen haben.“ Während die SPD Lünen den bisherigen Bundestagsabgeordneten Michael Thews unterstützt, sprechen sich vor allem jüngere Mitglieder der Partei für den Gegenkandidaten Thilo Scholle aus.

Jona Groth: „Eine personelle Veränderung wird auf jeden Fall notwendig sein, weil die SPD sonst möglicherweise erstmalig diesen Wahlkreis, den Bundestagswahlkreis verlieren könnte. Und daher haben wir Jusos uns dazu entschieden, den Kandidaten Thilo Scholle, der ja auch aus Lünen kommt, zu unterstützen und uns da mal etwas Neues zutrauen.“

Ohne sich auf den Lüner Stadtrat zu beziehen, spricht sich Jona Groth gegen das Konzept der großen Koalition aus: „Eine funktionierende Demokratie braucht zwei große, funktionierende und konkurrierende Volksparteien.“ In einer großen Koalition seien die Übergänge zwischen den Volksparteien zu weich. „Das ist eine große Gefahr und deshalb glaube ich, dass das Konzept GroKo auf jeden Fall eine Übergangslösung sein sollte. Da muss sich die SPD von distanzieren, möglichst schnell.“

Konkrete Ideen für den Lüner Norden

Auch wenn keiner der Jusos im Rat sitzt, versuchen sie ihre Themen über die Ratsmitglieder aus ihren Stadtteilen in den Rat zu bekommen. Der Sprecher Jona Groth: „Denen können wir auf den Füßen stehen, damit sie sich in den städtischen Parlamenten für unsere Interessen einsetzen.“ Für ihre Stadt haben die Mitglieder der Arbeitsgruppe ganz konkrete Ideen. Lisa Harhoff denkt dabei vor allem an den Hotspot Münsterstraße: „Für Nord-Lünen wäre ein Bürgerzentrum oder ein zentraler Platz für alle ein Wunsch. Es gibt die Haltestelle Münsterstraße, die sich aber nur an ein gewisses Publikum richtet und eben nicht an alle.“

Pascal Stenzel schließt sich seiner Genossin an: „Ich würde die gesamte Münsterstraße wieder zu einem Herzen von Lünen machen, neben der Innenstadt. Man hat da wunderbare Möglichkeiten an Läden, Geschäften und Einrichtungen.“ Auch eine klimafreundliche Stadtentwicklung gehört für die Jusos dazu. Jona Groth: „Infrastruktur für Elektromobilität sollte ausgebaut werden. Vielleicht auch Verringerung von Steingärten im Stadtgebiet. Das sind Maßnahmen, die vor Ort tatsächlich Wirkung zeigen können.“

Auch wenn die neu gegründete Arbeitsgruppe sich momentan nicht sehen kann, treffen sich die Jusos Lünen-Nord regelmäßig im Zoom-Call. Jona Groth: „Das klappt auch ganz gut, weil vor allem die Jusos ganz gute technische Möglichkeiten haben. Nicht alle Genossen finden das so einfach, aber die kann man auch an die Geräte heranführen, die erforderlich sind, um zu zoomen. Und deshalb funktioniert das eigentlich bei uns. Wir sind ein sehr junger technischer Ortsverein in Lünen-Nord.“

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
Zur Autorenseite
Nora Varga

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.