Naturschützer gegen Forensik auf Victoriabrache: „Biotope zerstört“

dzForensik geplant

Was passiert mit der Victoriabrache? Das ist Jahrzehnte nach Stilllegung der Zeche unklar. Es hat sich schützenswerte Natur entwickelt, meinen manche. Der Forensik-Bau würde die zerstören.

Lünen

, 22.05.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das „Filetstück“, so wird die Victoriabrache im Grunde seit der Stilllegung der Zeche genannt. Seit dem endgültigen Ende der Zeche sind immerhin schon 22 Jahre vergangen. Die gute Lage, die Nähe zur Innenstadt, all das macht die Fläche zu einer planerisch wertvollen Größe.

Diskutiert wurde viel, gemacht erst einmal nichts, sodass das Land die Fläche schließlich zum Bau einer Forensik auserkoren hat. Die Stadt klagte dagegen, weitere Jahre strichen ins Land, in denen nichts passierte. Mittlerweile hat sich die Stadt mit der Ansiedlung einer Forensik arrangiert, wenn auch auf einer anderen Fläche innerhalb der Brache.

Wer über die Brache spaziert - und das machen trotz Betretungsverbot viele, sie ist für Ausflüge beliebt - merkt allerdings schnell, dass in den vielen Jahren dort nicht nichts, sondern eine ganze Menge passiert ist: Die Natur hat sich das Gebiet zurückerobert. Ein Bussard kreist, ein Kuckuck ruft, die Insekten summen und im Hintergrund rauscht die Lippe. Wer einen kleinen Hügel hinaufsteigt, hat einen schönen Blick auf die Innenstadt.

Manche Tierarten wären dann ganz verschwunden

Das ruft, auch weil sich die Forensik-Planungen mittlerweile konkretisieren, den Arbeitskreis Natur und Umwelt auf den Plan. „Wir haben nichts gegen eine Forensik, es geht uns dort um die Natur“, sagt Sprecher Friedrich Angerstein: „Dort werden wichtige Biotope zerstört.“ Bei vielen Flächen im Stadtgebiet werde immer wieder abgewogen, am Ende seien immer andere Sachen wichtiger als die Natur. Das dürfe dort nicht noch einmal passieren, sagt Angerstein.

Dass die Forensik mittlerweile auf der RWE-Fläche zur Lippe hin und nicht mehr auf der RAG-Fläche geplant wird, mache die Sache nur noch schlimmer: „Die ist wertvoller, weil da mehr gefährdete Arten gefunden wurden.“

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Natur auf der Victoriabrache

Naturschützer sind gegen eine Bebauung der Victoriabrache. Ein Besuch zeigt, wie es auf der Brache aussieht.
19.05.2020
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Eindrücke von der Victoriabrache. Das Gelände ist seit Jahren verlassen, die Natur hat sich wieder ausgebreitet.© Fröhling
Eindrücke von der Victoriabrache. Das Gelände ist seit Jahren verlassen, die Natur hat sich wieder ausgebreitet.© Fröhling
Eindrücke von der Victoriabrache. Das Gelände ist seit Jahren verlassen, die Natur hat sich wieder ausgebreitet.© Fröhling
Eindrücke von der Victoriabrache. Das Gelände ist seit Jahren verlassen, die Natur hat sich wieder ausgebreitet.© Fröhling
Eindrücke von der Victoriabrache. Das Gelände ist seit Jahren verlassen, die Natur hat sich wieder ausgebreitet.© Fröhling
Eindrücke von der Victoriabrache. Das Gelände ist seit Jahren verlassen, die Natur hat sich wieder ausgebreitet.© Fröhling
Eindrücke von der Victoriabrache. Das Gelände ist seit Jahren verlassen, die Natur hat sich wieder ausgebreitet.© Fröhling
Eindrücke von der Victoriabrache. Das Gelände ist seit Jahren verlassen, die Natur hat sich wieder ausgebreitet.© Fröhling
Eindrücke von der Victoriabrache. Das Gelände ist seit Jahren verlassen, die Natur hat sich wieder ausgebreitet.© Fröhling
Eindrücke von der Victoriabrache. Das Gelände ist seit Jahren verlassen, die Natur hat sich wieder ausgebreitet.© Fröhling

Dass die Stadt für manche Tierarten Ausgleichsflächen zur Verfügung stellen will, hält Angerstein für „Quatsch“. Die würden sich an den neuen Flächen innerhalb Lünens auch nicht mehr ansiedeln und seien dann ganz aus dem Stadtgebiet verschwunden.

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In Stellungnahmen an die Stadt hat der Arbeitskreis darauf hingewiesen, dass die Brache wichtiger Rastplatz für viele seltene Vogelarten und auch deren Nahrungsquelle sei, auch die Kreuzkröte sei vor den Dürrejahren dort noch gefunden worden. Die Naturschützer hoffen darauf, dass die komplette Fläche in den Planungen für die IGA 2027 einbezogen würde. Die Stadt plant, dafür nur eine Teilfläche zu nutzen, wenn auf dem Rest die Forensik entsteht.

Stadtverwaltung: „Detaillierte Prüfungen“

Viel Hoffnung darf der Arbeitskreis wohl nicht haben, wenn man nach den Angaben der Stadtverwaltung geht. Es habe „sehr detaillierte Prüfungen“ gegeben, berichtet Sprecher Benedikt Spangardt, wie sie auch vom Gesetzgeber vorgegeben seien. „Allein der Fachbeitrag zur artenschutzrechtlichen Prüfung umfasst über 100 Seiten.“

Demnach seien Biotope gefunden worden, wie sie für solche Brachflächen üblich seien, aber keine gesetzlich geschützten. Dass sich dort beispielsweise keine stabilen Populationen von Bodenbrütern entwickelten, liege an vielen freilaufenden Hunden der Spaziergänger, die sich dort trotz Betretungsverbots tummelten.

Hat die Stadt also keine Bedenken gegen eine Bebauung? Die Antwort ist etwas länger: „Wir haben auf der Brache keine gesetzlich geschützten Bestandteile. Die planungsrelevanten Arten, die von der Bauleitplanung betroffen wären, werden im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben im Verfahren berücksichtigt. Wie in jedem Bauleitplanverfahren wurden sehr viele unterschiedliche Belange gerecht gegeneinander und untereinander abgewogen – so wie es im Baugesetzbuch vorgeschrieben ist.“

Das macht wenig Hoffnung für die Naturschützer. Immerhin: Ein konkreter Baubeginn ist auch für die Stadt noch nicht absehbar.

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