Nadelöhr Brücke Bergstraße: Diskussion um Ampellösung - Kostenrechnung „Quatsch“?

dzEinspurige Brücke

Zu teuer - und außerdem hat sich der Ausschuss eh schon gegen eine Ampelanlage an der Brücke Bergstraße entschieden. Diese Begründungen lässt ein Ratsherr nicht gelten.

Lünen

, 04.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein Video sorgte im Mai für Aufsehen: Zwei Autofahrer standen sich auf der Brücke Bergstraße gegenüber. Die ist einspurig mit Vorfahrtsregelung. Trotzdem wollte erst keiner zurücksetzen. Eine Situation, sagt unter anderem Fahrlehrer Önder Aytekin, die es so häufiger gibt. Eine Ampel könnte helfen, meinte er.

Die Stadt erteilte einer Ampel-Lösung auf Anfrage jedoch eine ziemlich deutliche Absage. Dabei würden Kosten von rund 100.000 Euro entstehen, sagte Stadtsprecher Benedikt Spangardt. Außerdem habe der Ausschuss für Sicherheit und Ordnung im Februar 2018 einen entsprechenden Bürgerantrag zurückgewiesen.

Verkehrssituation auf der Brücke Bergstraße sollte beobachtet werden

Das hat der Ausschuss in der Tat getan, erinnert sich der Lüner Ratsherr Hans-Georg Fohrmeister (SPD). Er selbst war in der Sitzung anwesend. Deshalb erinnert er sich auch daran, wieso der Ausschuss den Antrag abgewiesen hat: Man war sich einig, dass man erst einmal die Verkehrssituation beobachten wollte.

Schließlich war die Brücke zu dem Zeitpunkt noch gar nicht fertig. Genau so steht es auch im Protokoll der Sitzung, der Beschluss war einstimmig. „Herr Reeker (Arnold, Beigeordneter, Anm. d. Red.) hat uns aber zugesagt, dass wir dann noch einmal darüber sprechen können.“

Nadelöhr Brücke Bergstraße: Diskussion um Ampellösung - Kostenrechnung „Quatsch“?

Kommt ein Auto - oder nicht? Man sieht es in der Tat erst recht spät. © Fröhling

Auch das steht im Protokoll, dort ist von der „Möglichkeit einer nachträglichen Nachrüstung“ die Rede. Das Angebot gelte, so sieht es für Fohrmeister momentan aus, jetzt offenbar nicht mehr.

Dann ist da noch die Sache mit den Kosten. Ob eine kleine Ampel dort wirklich 100.000 Euro kostet? „Das ist Quatsch“, sagt Fohrmeister. Zumal das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt dort schon Leerrohre für die Kabelverbindung der Ampel verlegt habe. Bei den Kosten handele es sich um eine „ungefähre Schätzung“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt.

Leerrohre für mögliche Ampel liegen schon

Das bestätigt Werner von Hagel, beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSV) im Brückenbau tätig. „Wir haben damals von dem Bürgerantrag gehört und deshalb vorsorglich das Leerrohr mit verlegt“, erinnert er sich. Sollte doch eine Ampel aufgestellt werden, würden so die Kosten für die Lüner minimiert.

Denn das Ganze ging auf Kosten des WSV. „Die Kosten für das Leerrohr wollte die Stadt schon nicht übernehmen“, sagt von Hagel. Dem WSV hat die Brücke gehört, ihm gehört auch das Bauwerk. Der Stadt wiederum gehören die Rampen - sie ist deshalb auch für eine mögliche Ampel-Aufstellung verantwortlich.

Stadt: Das Thema Bergstraße noch nicht erledigt

Für die Stadtverwaltung sei das Thema Brücke Bergstraße noch nicht erledigt, erklärt Stadt-Sprecher Benedikt Spangardt am Dienstag auf Nachfrage. „Konkret ist für die Sitzung des Ausschusses für Sicherheit und Ordnung am 27. Juni eine mündliche Mitteilung der Verwaltung zur Brücke Bergstraße eingeplant“, sagt er.

Bis dahin solle dann auch konkret ermittelt werden, was eine Ampelanlage an der Stelle kosten würde. Außerdem soll, wenn das zeitlich machbar ist, eine Kosten-Nutzen-Abwägung gemacht werden: „Es soll erfasst werden, wie hoch das Fahrzeugaufkommen auf der Brücke ist“, so Spangardt.

Außerdem wird die Verwaltung in der Sitzung noch einmal die Vorgeschichte der Brücke erläutern. Danach liegt der Ball im Feld der Politik. Die Ausschuss-Mitglieder müssen entscheiden, wie es an der Brücke weitergehen soll - und ob sich eine Ampel-Regelung an der Bergstraßen-Brücke tatsächlich lohnt.

Die Brücke Bergstraße war Ende August 2017 über den Kanal gehoben worden und wurde rund ein Jahr später freigegeben.

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