Nach „Aktenzeichen XY“ und Tauchereinsatz: Prozess-Start um Überfall-Serie mit Geständnis

Tatorte Lünen, Ascheberg, Herbern, Hamm

Drei junge Männer aus Lünen sollen im Jahr 2017 insgesamt acht Discounter-Filialen überfallen haben. Zu Prozessbeginn am Donnerstag in Dortmund hat einer ein Geständnis abgelegt.

Lünen, Ascheberg, Herbern

, 07.03.2019, 15:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die drei Angeklagten am Donnerstag (7. März) beim Prozessauftakt in Dortmund.

Die drei Angeklagten am Donnerstag (7. März) beim Prozessauftakt in Dortmund. © Martin von Braunschweig

„Ich gebe die Taten zu", sagte der 22-Jährige den Richtern. Bei vier Überfällen habe er mitgewirkt und anschließend auch von der Beute profitiert. Der junge Mann beteuerte jedoch: „Ich habe mich mitziehen lassen."

Die Idee zu den Raubüberfällen habe sein ein Jahr jüngerer Bekannter neben ihm auf der Anklagebank gehabt. „Würden Sie ihn nicht als Freund bezeichnen", fragte Richter Ulf Pennig. Die Antwort fiel schroff und knapp aus: „Nein."

Taten kurz vor Ladenschluss

Laut Staatsanwaltschaft gingen die Täter bei den Raubüberfällen in Lünen, Hamm, Ascheberg und Herbern äußerst brutal zu Werke. Sie betraten immer kurz vor Ladenschluss die Geschäfte, stellten sich zunächst wie normale Kunden an die Kasse und offenbarten erst dann ihre wahren Absichten.

Mehrere Angestellte erlitten Verletzungen, als sie mit Pistolen ins Gesicht geschlagen wurden. Andere wurden getreten oder mit Pfefferspray malträtiert. In Lünen überfielen die Räuber im Januar 2017 den Netto-Markt an der Münsterstraße. Mit mehr als 1300 Euro Bargeld gelang ihnen anschließend die Flucht. Insgesamt sollen bei der Raubserie rund 20.000 Euro erbeutet worden sein.

„Übergabe fand hinter dem LSV-Sportplatz statt“

Seinen Anteil will der 22-Jährige stets unmittelbar nach den Raubzügen ausgezahlt bekommen haben. „Die Übergabe fand auf einem Parkplatz hinter dem Sportplatz des Lüner SV statt", sagte er den Richtern. Erst viel zu spät sei ihm bewusst geworden, in was für kriminelle Geschäfte er sich habe verwickeln lassen. „Als mir das klar war, habe ich sofort gesagt, dass ich für weitere Taten nicht mehr zur Verfügung stehe", so der 22-Jährige.

Der junge Mann hat schließlich schon Ende 2017 eine Ausbildung begonnen, um anschließend auf eigenen Beinen stehen zu können. „Ich will nichts mehr mit solchen Taten zu tun haben und anderen Menschen etwas wegnehmen", sagte er den Richtern. Als einziger Angeklagter befindet er sich derzeit auf freiem Fuß und sitzt nicht in Untersuchungshaft.

Festnahme nach Sendung „Aktenzeichen XY“

Wie die beiden Mitangeklagten zu den Vorwürfen stehen, wird sich Ende März zeigen. Beide kündigten über ihre Verteidiger an, sich zur Anklage äußern zu wollen. Wahrscheinlich sei mit geständigen Einlassungen zu rechnen, hieß es am Donnerstag.

Das Trio wurde im vergangenen Jahr nach Zeugenhinweisen im Anschluss an die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY" festgenommen. Der 22-Jährige bestätigte dann sofort, was die Ermittler schon früh vermutet hatten: Das Tatmotiv war reine Geldgier. „Ich war immer klamm und habe mich geschämt, meine Eltern anzupumpen", sagte er am Donnerstag.

Die Ermittlungen der Polizei führten im November 2018 zu einem spektakulären Tauchereinsatz im Cappenberger See in Lünen. Dabei wurden als Beweismittel Kassenschubladen und eine Geldkassette sichergestellt.

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